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Die Mannschaft ist in der Spur: Marcus Spahn, der Sportliche Leiter des VfB Ginsheim.

Fußball

Interview mit Marcus Spahn, Sportlicher Leiter des Hessenligisten VfB Ginsheim

Marcus Spahn ist seit 2011 Sportlicher Leiter des Fußball-Hessenligisten VfB Ginsheim. Der 51 Jahre alte Wahl-Dornheimer, der das Fußballspielen bei den Sportfreunden Frankfurt gelernt hat, war in seiner Aktivenlaufbahn bei RW Frankfurt in der Oberliga Hessen (damals die dritthöchste Spielklasse) Mannschaftskollege von Jürgen Klopp und Alexander Schur unter Trainer Dragoslav Stepanovic. Später war Spahn beim Landesligisten Spvgg. Oberrad am Ball, ehe er Spielertrainer der SG Dornheim, der Spvgg. Oberrad und des VfB Ginsheim war. Beim VfB wirkte Spahn dann als Trainer, bevor er sich als Sportchef in den Vorstand wählen ließ.

Herr Spahn, die Mannschaft ist mit 24 Punkten aus 20 Spielen in die Winterpause gegangen – also mit nur einem Punkt weniger als zum gleichen Zeitpunkt der vorigen Saison. Ist das Kontinuität oder Rückschritt?

MARCUS SPAHN: Das kann man immer von der negativen oder von der positiven Seite sehen. Ich sehe es positiv: Wir haben schon eine gewisse Kontinuität. Denn vor dem Hintergrund, wie die Gegebenheiten beim VfB sind, wo wir sportlich herkommen (Anm. d. Red.: Vor zehn Jahren spielten die Ginsheimer noch vier Klassen tiefer) und was wir in die Mannschaft investieren können, dann sind wir mit den 24 Punkten schon sehr gut aufgestellt. Auch wenn man sagen muss, dass wir die letzten beiden Spiele voll vergeigt haben. Das waren Spiele gegen Aufsteiger, also gegen Mannschaften, die sich auf unserer Augenhöhe bewegen. Hätten wir da zwei oder gar vier Punkte geholt, hätten wir unsere Vorjahresmarke übertroffen. Dann wäre alles im Lot gewesen. So aber, mit zwei hohen Niederlagen – 0:4 gegen Friedberg und 0:5 in Bad Vilbel – ist das kein schöner Jahresausklang. Aber insgesamt ist auch nichts Gravierendes passiert.

Wo steht die Mannschaft in ihrer Entwicklung?

SPAHN: Wir haben im Sommer einen großen Aderlass gehabt. Wir haben Berat Karabey und Mahdi Mehnatgir abgegeben, die zusammen 26 Tore geschossen haben. Diese Qualität im Angriff zu ersetzen, ist nicht so einfach. Einen Stürmer zu finden, der wie Mahdi 18 Tore schießt, ist finanziell für den VfB sehr schwierig. Im Konzert der großen Vereine können wir da nicht mitspielen. Wir haben viele talentierte junge Spieler aus Leistungszentren von Profiklubs bekommen. Spieler aus der U19-Bundesliga wie Jonas Dawit oder Leo Petri sind sehr ehrgeizig. Aber sie mussten erkennen, was es bedeutet, Hessenliga bei den Männern zu spielen. Da war der Anspruch an sich selbst manchmal höher als das, was letztlich auf dem Platz umgesetzt wurde. Die Spieler müssen noch damit umgehen lernen, dass sie zunächst einmal kleinere Brötchen backen. Es gilt da, sich erst einmal in der Mannschaft zu etablieren, statt da gleich hervorstechen zu wollen. Wenn man das alles bedenkt, dann bin ich ganz zufrieden mit der Entwicklung, dass wir uns im Mittelfeld der Hessenliga halten. Wobei unser Blick eher nach unten als nach oben gerichtet ist.

Es gab aber auch unnötige Punktverluste, man denke an die Heimniederlagen gegen Baunatal (1:2) und Bad Vilbel (0:1) oder die knapp verpassten Überraschungssiege bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (4:4) und bei Hessen Kassel (2:2). Blieb die Mannschaft unter ihren Möglichkeiten?

SPAHN: Bei der SG Barockstadt und in Kassel haben wir in den letzten Sekunden den Ausgleich kassiert. Und zwar durch individuelle Fehler. Da ist halt der Frust erstmal groß. Aber man fährt ja als VfB Ginsheim nicht nach Fulda oder nach Kassel mit der Erwartung, dort mal eben zu gewinnen. Klar, so wie diese Spiele liefen, waren das jeweils zwei verlorene Punkte für uns. In der letzten Saison haben wir viele Spiele gewonnen, die auf Messers Schneide standen. In diesem Jahr ist es so, dass wir überragende Spiele machen und gewinnen. Oder wir machen komplett schlechte Spiele, verlieren und kassieren dabei zu viele Gegentreffer. Diese Schere klafft zu weit auseinander. Wir haben spielerisch ein hohes Potenzial. Aber in Eins-gegen-eins-Situationen – das hat man besonders beim 0:5 in Bad Vilbel gesehen – haben wir in der Robustheit noch arge Defizite. Wir haben auch noch nicht diese Mentalitätstypen auf dem Platz, die eine Mannschaft führen können, wenn es mal nicht so gut läuft.

In der vergangenen Saison schaffte der VfB den achten Platz. Wo kann das Team diesmal landen?

SPAHN: Man braucht wohl um die 40 Punkte, um den Klassenerhalt sicher zu haben. Das sollten wir schaffen.

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