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Mario Pokar im Jos-Nosbaum-Stadion von Düdelingen

Fußball, Hochtaunus

Mario Pokars Märchen geht weiter

Wenn morgen die Europa League beginnt, schauen die Fans von Eintracht Frankfurt auf die Partie gegen Arsenal London. Auf internationalem Terrain wird sich auch ein Spieler aus dem Taunus beweisen – allerdings für einen „Fußball-Zwerg“.

Eine unglaubliche Fußballgeschichte wird am Donnerstag fortgesetzt. Beteiligt sind der inzwischen 29 Jahre alte, gebürtige Usinger Mario Pokar und der F91 Düdelingen. Schon im vergangenen Jahr berichteten wir über den Kicker aus dem Taunus und seinen Kleinstadtverein. Damals hatte das Städtchen mit rund 20 000 Einwohnern als luxemburgischer Meister sensationell die Gruppenphase der Europa League erreicht. Gegen den AC Mailand, Betis Sevilla und Olympiakos Piräus war dann allerdings Schluss.

Sensation, Teil 2

Wiederum als Meister im Großherzogtum schaffte es der F91 Düdelingen (französisch: Dudelange), die Sensation aus dem Vorjahr zu wiederholen. Mario Pokar, der beim JFC Neu-Anspach als Bub seine Karriere begann, später in der Eintracht-Jugend und auch beim 1. FC Kaiserslautern spielte, hat daran seinen Anteil.

Der Linksfuß im Mittelfeld erzielte am 16. Juli einen Treffer in der Champions-League-Qualifikation. Es war der Ausgleich zum 1:1 beim Meister von Malta, dem FC Valletta. Nach einer Ecke nahm er den Ball direkt und wuchtete ihn ins Netz. Da F91 im Hinspiel über ein 2:2 nicht hinausgekommen war, stieg man in die Europa-League-Quali ab – und schaltete dort Shkendija Tetowo (Nordmazedonien) und Nomme Kalju (Estland) aus, ehe die Luxemburger es im entscheidenden Vergleich spannend machten. Zuhause mit einem 5:4 im Elfmeterschießen gegen Ararat Armenia schaffte der Fußball-Zwerg am 29. August die „Quali“.

Bei F91 Düdelingen hat sich seit dem Vorjahr viel geändert. Trainer Dino Toppmöller, Sohn des Kaiserslauterer Fußballidols Klaus Toppmöller, verließ den Verein und wurde durch den Belgier Emilio Ferrera ersetzt. „Wir mussten uns komplett umstellen“, kommentiert Pokar im Gespräch mit der TZ diesen Umstand. „Nur fünf Spieler blieben dabei. Ich habe noch nie so viel und hart trainiert wie unter unserem neuen Trainer, der viel Ballbesitz und immer wieder Mut zu Zweikämpfen fordert.“

"An einem guten Tag ist alles möglich"

Pokar erarbeitete sich einen Stammplatz. In sieben der acht Qualifikationsspiele war er volle 90 Minuten auf dem Platz. FC Sevilla, Apoel Nikosia aus Zypern und Qarabag Agdam (Aserbaidschan) lauten nun die Gruppengegner. Die ersten beiden Mannschaften kommen weiter. Auch das scheint für den Usinger und F91 nicht unmöglich. „Wir sind wieder die Underdogs, mit einer sehr jungen Mannschaft eigentlich schwächer als im Vorjahr. Aber wenn wir zwei oder drei gute Tage erwischen, ist alles möglich“, sagt der Mann aus dem Taunus.

Am Donnerstag fällt der Startschuss beim Spiel in Nikosia, dem Meister der Republik Zypern, Apoel Nikosia. Trainer dort ist ein alter Bekannter: Ex-Nationalspieler Thomas Doll. Der war zuvor mit seinem Team in der Qualifikation zur Champions League gescheitert. Die Heimspiele von F91 – das erste ist am 3. Oktober gegen den Meister aus Aserbaidschan, Qarabag Agdam – werden dann in der Hauptstadt Luxemburg im Josy-Barthel-Stadion ausgespielt. Das Stadion in der eigenen 20 000-Einwohner-Stadt ist zu klein.

Pokars Vertrag wurde vor Saisonbeginn verlängert bis zum 30. Juni 2020. Da wagte der routinierte Mittelfeldspieler noch nicht daran zu denken, dass er bald wieder Europa League spielen wird.

Wieder nach Deutschland?

Ab dem kommenden Jahr möchte Pokar gerne wieder einen neuen Weg einschlagen, der ihn vielleicht nach Deutschland führt, am liebsten in die Rhein-Main-Region, aus der er stammt.

Sein derzeitiger Verein wird wahrscheinlich in Zukunft ohne seinen Sponsor Flavio Becca auskommen müssen. Der schwerreiche luxemburgische Unternehmer war zuletzt in den Schlagzeilen, da er sich nun beim 1. FC Kaiserslautern engagiert. Aber um den Fußball in Düdelingen ist Mario Pokar nicht bange.

„Der Verein hatte in den letzten erfolgreichen Monaten etwa acht Millionen eingenommen. Dadurch ist man vom bisherigen Mäzen unabhängig und für Jahre versorgt“, meint der Kicker aus dem Taunus, der schon im vierten Jahr in der luxemburgischen Stadt erfolgreich Fußball spielt – ab morgen wieder auf europäischer Bühne.

WOLFGANG KULLMANN

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