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Im Kreise seiner Familie: Mark Hinrichs (vorn) nach dem Gewinn des U19-EM-Titels 2019 in Essen.

Serie: Supertalente im NNP-Land

Mark Hinrichs und der Traum von Paris 2024

Sie sind die vielversprechendsten Nachwuchssportler der Region. Doch was steckt hinter ihren Top-Leistungen? Wie viel Aufwand müssen die jungen Athleten betreiben? In unserer Serie „Supertalente aus dem NNP-Land“ blicken wir auf den Alltag der Sportler und fragen nach. Im dritten Teil beschäftigen wir uns mit Ruderer Mark Hinrichs vom Limburger Club für Wassersport.

2019 war sein Jahr: Weltmeister in Tokio, Europameister in Essen und infolgedessen die Ehrung zu Hessens „Team des Jahres“ mit dem Riemenvierer ohne Steuermann bei der 18. Olympischen Ballnacht in Wiesbaden. Ruderer Mark Hinrichs vom Limburger Club für Wassersport, der mit dem „Hermann-Klaus-Gedächtnispreis“ der Max-Stillger-Stiftung auch die Auszeichnung zum Juniorsportler des Jahres 2019 entgegennehmen durfte, hat damit die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt. Sein großes Ziel: die Teilnahme an den olympischen Spielen 2024 in Paris. „Das ist der große Traum und mein selbsterklärtes Ziel“, sagt er.

Bei der WM in Tokio war er immerhin schon in den Genuss gekommen, ein wenig Olympia-Atmosphäre aufzusaugen. „Die Junioren-Weltmeisterschaft findet traditionell im vorolympischen Jahr auf der Strecke des Olympia-Austragungsortes statt. Das war ein ganz besonderes Erlebnis“, erklärt der 19-Jährige, der auf dem „Sea Forest Waterway“ in der Tokyo Bay den bisher größten Erfolg seiner noch jungen Karriere gefeiert hat.

Potenzial noch nicht voll ausgeschöpft

Um in vier Jahren dabei zu sein, ist vor allem die Saison 2023 wichtig. „Bei den nationalen Ausscheidungen im Vorjahr entscheidet sich, wer es zu Olympia schafft. Dafür möchte ich mich nachhaltig aufbauen und in eine gute Position bringen“, sagt Hinrichs. Dass es gerade im Leistungssport keine Garantien gibt, ist dem Limburger dabei durchaus bewusst. „Es ist immer schwierig, das zu prognostizieren. Gerade Verletzungen können einen da schnell zurückwerfen“, weiß der Hinrichs, der sich gerade erst im Winter von einer Rückenverletzung erholt hat. Nichtsdestotrotz sieht er sich auf einem guten Weg. „Es gibt auf jeden Fall auch noch Entwicklungspotenzial. Der Trainingsumfang ist bei mir noch nicht voll ausgeschöpft. Leistungssteigerungen sind da möglich“, erklärt er.

Derzeit trainiert er etwa 16 Stunden in der Woche. Zusätzlich dazu arbeitet Mark Hinrichs, der im vergangenen Jahr sein Abitur an der Tilemannschule in Limburg erworben hat, im Rahmen eines Praktikums bei einer Technologieberatungsfirma in Wiesbaden, an das er durch den Landessportbund Hessen gekommen ist. „Das ist momentan sehr anstrengend. Auch wenn ich nur eine 30-Stunden-Woche habe. Ich fahre mit dem Bus nach Wiesbaden, für die An- und Abreise brauche ich da auch noch mal zweieinhalb Stunden am Tag“, berichtet er von seinem Alltag. „Momentan ist daher nur eine längere Trainingseinheit in der Woche möglich, dafür arbeite ich einen Tag pro Woche im Home-Office.“

An den Wochenenden befindet er sich zusätzlich beim Stützpunkttraining in Dortmund. „Da trainiere ich mit gleichaltrigen Ruderern, die auf meinem Leistungsstand sind“, sagt er. Dort übernachtet er auch von Freitag bis Sonntag. „Wir sind fünf bis sechs Leute. Dann heißt es immer, Bett beziehen und sonntags wieder abziehen. Das ist ein bisschen wie in einer Jugendherberge“, verrät das LCW-Talent. Das Wochenendprogramm hat es in sich: „Wenn ich freitags am Nachmittag ankomme, rudere ich gut 90 bis 100 Minuten, um reinzukommen. Samstags geht es dann früh am Morgen im Vierer und im Achter aufs Wasser,“ sagt er.

Neben dem Rudern stehen aber auch Gymnastik und Einheiten für die Mobilisation auf dem Trainingsplan. Der Sonntag sei dabei der wichtigste Tag, „da rudern wir bereits um 7.30 Uhr raus, um den Kreislauf hoch zu bekommen“. Im Anschluss gehe es im Riemen-Zweier auf das Wasser, um in Konkurrenz auf Leistung zu rudern. „Da kann man sich super orientieren und weiß, wo man steht“, so Hinrichs. „Im Zweier spürt man selbst, was man kann. Das ist technisch anspruchsvoller. Man bekommt ein direktes Feedback auf die eigene Leistung. Im Achter ergibt sich da ein schwereres Bild“, erklärt er.

Neben all den Einheiten seien aber vor allem die Pausen wichtig. „In den Mittagspausen wird gekocht – natürlich sportlergerecht“, betont er. „Sonst ist einem der Bauch im Weg. Nach dem Essen nutzen wir daher die Zeit, um uns noch mal hinzulegen.“

In der kommenden Saison startet Mark Hinrichs erstmals in der U23, in der er sich zunächst etablieren möchte und schließlich auch dort in die Nationalmannschaft aufsteigen will. In welchem Boot, spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. „Was das Boot angeht, bin ich flexibel“, sagt er, schließlich wird das Team des so erfolgreichen „Hessen-Vierers“ – so wurde das mit Cedric Wiemer (Frankfurt), Bruno Spät (Marburg), Hanno Brach (Gießen) und eben Mark Hinrichs besetzte Boot genannt – in dieser Konstellation frühestens wieder 2023 zusammen rudern. „Nur ein weiterer von uns kommt jetzt auch in die U23, er hat allerdings ein Stipendium in den USA angenommen“, berichtet er. „Das war natürlich toll mit der Nähe. Wir vier konnten so auch unter der Woche gemeinsam trainieren.“

Die neue Herausforderung in der U23 hält für den 19-Jährigen einige Neuerungen bereit. „Bei den Junioren waren die Wettkämpfe meist national, bei der U23 ist man auch international unterwegs, oft in Osteuropa. Der World Cup findet in Bled in Slowenien statt“, so Mark Hinrichs, für den die Teilnahme im ersten Jahr in der neuen Klasse „schon ein Erfolg“ wäre.

Dafür reist er nach seinem Praktikum, das in wenigen Tagen zu Ende geht, zu einem Trainingslager des Deutschen Ruderverbandes (DRV) ins ostspanische Mequinenza, zu dem er gemeinsam mit weiteren Aspiranten für die Nationalmannschaft eingeladen worden ist. „Danach startet dann das Training zur Wettkampfsaison. Dann gehe ich nebenher jobben, um auch etwas anderes zu machen, als nur zu rudern. So behalte ich den Kopf frei“, erklärt er. „Gerade während der Wettkämpfe ist es wichtig, einen klaren Kopf zu behalten. Im Winter ist die Herausforderung eher, dass man die nötige Fitness generiert. Dafür muss man natürlich auch den Hintern hochbekommen.“

Beruflich soll es für ihn im Herbst weitergehen. „Ab dem Wintersemester möchte ich studieren“. Was das sein wird, ist noch nicht sicher. „Wahrscheinlich aber etwas, das mit meinem Praktikum zu tun hat“, sagt er. Das ganz große Ziel aber bleibt Olympia 2024. „Ich bin Realist und weiß, dass es ein harter Kampf wird. Auch vor den Spielen in Tokio hat es ein U23-Sportler in den A-Kader geschafft. Der Sprung ist also möglich“, sagt er selbstbewusst. „Das ist eine große Motivation. Das stimmt mich optimistisch.“

Yannick Wenig

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