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Verreist gerne: Marvin Rademacher vor der Golden-Gate-Bridge in San Francisco.

Serie: Die Kapitäne

Marvin Rademacher: Der Stille, der aus dem hohen Norden kam

Sie genießen den Respekt ihrer Mitspieler und der Trainer, tragen die Binde am Arm mit Stolz und haben etwas zu sagen: die Kapitäne. Im Vereinsdress auf dem Platz kennt man sie als "Leader" ihrer Mannschaft. Wir wollen wissen, wer der Mensch ist, der in diesem Trikot steckt. Heute präsentieren wir Marvin Rademacher vom Hessenligisten TuS Dietkirchen.

VON PATRICK JAHN

Als Marvin Rademacher im April 2019 berufsbedingt seine Zelte beim TuS Dietkirchen Richtung Hamburg abgebrochen hatte, war nicht unbedingt damit zu rechnen gewesen, dass diese Zeitung heute über ihn berichten würden. Doch nach seinem nicht einmal sechs Monate andauernden Abschied war der Defensivspieler wieder zurück am Reckenforst. Und darüber sind sie in Dietkirchen allesamt sehr glücklich.

Damals noch als spielender Co.-Trainer von Chef-Coach Thorsten Wörsdörfer im Amt, fungiert der 27-jährige seit der laufenden und nun unterbrochenen Saison als Kapitän des Hessenliga-Teams. In den Jahren zuvor hatte Maximilian Zuckrigl diese Ehre gehabt, doch weil sich in dessen privatem Umfeld die Arbeit häuft, befindet sich nun eben Marvin Rademacher "in Amt und Würden". In Abstimmung mit dem Mannschaftsrat hatte Thorsten Wörsdörfer dem Ex-Hadamarer diese Aufgabe übertragen, die er seitdem mit reichlich Herzblut ausübt. Vertreten wird Rademacher im Übrigen von Torhüter Raphael Laux.

Schon in der vierten Saison in Dietkirchen

Sieht man von der fast sechsmonatigen Abwesenheit ab, spielt Marvin Rademacher seine vierte Saison bei den Dietkirchern. Auf die Frage, was für ihn ausschlaggebend war, das Amt von Maximilian Zuckrigl übernommen zu haben, meint der mit seiner Freundin Rebecca in Limburg wohnende "Rade": "Ich denke, dass der Trainer sich dafür entschieden hat, weil ich zuvor schon als Co.-Trainer Führungsverantwortung übernommen hatte. Zudem bin ich in einem Alter, in dem man vorneweg marschieren sollte. Außerdem habe ich zu allen Spielern einen sehr guten Kontakt."

"Die Dinge auch mal kritisch hinterfragen"

Mit mittlerweile 140 Einsätzen in Hessens höchster Amateurklasse spricht natürlich auch die Erfahrung eine entscheidende Rolle für die Wahl zum Kapitän. Doch Marvin Rademacher sieht auch noch weitere Aspekte, die ein Spielführer mitbringen muss: "Ein gewisses Standing in der Mannschaft ist sicherlich wichtig. Auch sollte man den Anspruch haben, bedingungsloser Stammspieler zu sein, denn nur dann macht die Rolle des Kapitäns auch Sinn." Für den kaufmännischen Angestellten in einem Bauunternehmen ist aber auch wichtig, dass "man auch mal negative Dinge anspricht und kritisch hinterfragt". Und da ist "Rade" auch ehrlich: "In letzter Zeit musste ich das schon ab und an mal tun."

Vermutlich meint der Innenverteidiger damit unter anderem die erschreckenden Auswärtsauftritte in der aktuellen Hessenliga-Spielzeit; beispielsweise gab es beim SC Hessen Dreieich eine 0:9-Packung zu verdauen. "Im Verein sehe ich mich auch als Ansprechpartner für unsere vielen jungen Spieler", gibt der 1,86 Meter große - auch als Allrounder bekannte - Defensivakteur außerdem zu Protokoll.

Was Marvin Rademachers Trainer, Thorsten Wörsdörfer, an ihm schätzt? "Seine Einstellung, sein Teamgedanke und seine Verlässlichkeit sind tolle Aspekte an ihm. Außerdem kritisiert Marvin auch mal Dinge, was ebenfalls wichtig ist", sagt Thorsten Wörsdörfer. Und: "Es gehört auch dazu, die Leute mitzunehmen und zu motivieren, und genau das macht er. Außerdem hat er ein gutes Alter, ist mittlerweile sehr erfahren und war bereits mein Co.-Trainer. Von daher hatte ich bei dieser Entscheidung von Anfang an ein gutes Gefühl." Zudem sieht "Wörsi" seinen "Capitano" auch weiterhin als Unterstützer an: "Wir sprechen auch mal über die Trainingssteuerung oder über die aktuelle Situation nach einer Stimmungsabfrage."

Auch wenn Marvin Rademacher auf dem Platz manchmal lautstark zu Werke geht, gilt er insgesamt als ruhiger und besonnener Typ, der nicht unbedingt polarisiert. Spektakuläre Hobbys stehen bei ihm nicht auf der Tagesordnung. "Ich gehe gerne und oft joggen, lese viel und verbringe Zeit mit meiner Freundin Rebecca, der Familie oder Freunden", sagt der 27-Jährige. Auch wenn er im Privatleben sehr bodenständig wirkt, wird es wichtig sein, auf dem Platz - sobald alle wieder drauf dürfen - die "Sau" etwas mehr rauszulassen. Typen wie ihn werden sie auf dem Reckenforst nämlich brauchen, wenn es denn mit dem Klassenerhalt klappen soll.

In unserer nächsten Folge präsentieren wir einen Spieler, der mit gerade einmal 24 Jahren schon Zahnarzt ist und an seiner Doktorarbeit feilt.

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