Matthias Knossalla verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen: Söhnchen Josh ist eine zuckersüße Unterstützung beim Krafttraining daheim.
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Matthias Knossalla verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen: Söhnchen Josh ist eine zuckersüße Unterstützung beim Krafttraining daheim.

Triathlon

Matthias Knossalla: Es gibt keine Probleme - nur Lösungen

  • Marion Morello
    VonMarion Morello
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Hinter Triathlon-Profi und Profi-Trainer Matthias Knossalla liegt ein hartes Jahr. Als Ausdauersportler war er in seiner Arbeit und seinem Training extrem eingeschränkt – wie alle anderen Sportler während der Lockdowns auch. „Was machen wir, um uns auf Rennen, die möglicherweise dann doch noch in 2021 stattfinden werden, vorzubereiten?“, hat er sich nicht weniger als einmal gefragt. Bevor es zu den ersten Lockerungen und Erleichterungen für die Bevölkerung und die Sportler gekommen ist, haben wir Matthias Knossalla seine Geschichte erzählen lassen:

„Die Schwimmbäder sind seit Monaten geschlossen. Zu Beginn habe ich mir noch große Sorgen gemacht. ,Ohje, bestimmt drei, vier Wochen wird kein Schwimmen möglich sein’, dachte ich. ,Oh, Gott, was soll nur aus der Schwimmform werden?’ Solche Sorgen sind nun schon lange nicht mehr da.

Jede Krise bietet natürlich auch unheimliche Chancen, und so können wir Triathleten unseren Fokus voll und ganz auf die anderen beiden Disziplinen richten. Gerade beim Radtraining bin ich wirklich nicht eingeschränkt. Stunde um Stunde wird abgespult, und mit Ausnahme der Trainingslager im warmen Süden vermisse ich dabei nichts in der Vorbereitung. Nichts? Eine Kleinigkeit wäre da schon noch: Ausfahrten in größeren Gruppen von vier und mehr Personen fehlen mir schon sehr. Gerade wenn man vier, fünf Stunden auf dem Drahtesel, äh, ich meine natürlich dem Carbon-Boliden sitzt, macht es in der Gruppe doch deutlich mehr Spaß. Training mit Gleichgesinnten ist auch für uns Individualsportler eine tolle Sache, und so sehne ich mich schon ein bisschen nach den Zeiten, wo wir im belgischen Kreisel (Anm. d. Red.: aerodynamische Gruppenfahrweise) durch das Gelbachtal jagen.

In der abschließenden Disziplin, dem Laufen, läuft die Vorbereitung auf Hochtouren. Trotz Covid-19 und allen Problemen und Unannehmlichkeiten sind wir Läufer davon sportlich kaum betroffen. Die Trainingseinheiten auf der Tartanbahn müssen entfallen, aber wer sich beispielsweise auf einen Ironman von 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und einem abschließenden Marathon von 42,195 km vorbereitet, der muss nicht viele Stunden mit hochintensiven Intervallen auf einem 400 Meter langen Kunststoff-Oval verbringen.

Krafttraining als Prophylaxe

Soll ich Ihnen verraten, was mich neben dem Schwimmen wirklich stark in meiner Vorbereitung auf meine Wettkämpfe beeinträchtigt? Die geschlossenen Fitnessstudios! Gerade das Krafttraining hat bei uns Triathleten prophylaktischen Charakter. Damit beuge ich effizient muskulären Fehlbelastungen und Verkürzungen vor. Was jahrelang Teil meiner wöchentlichen Trainingsroutine war, ist nun seit über einem Jahr nur sehr eingeschränkt möglich. Für mich, der jahrelang 20 und mehr Stunden pro Woche trainiert, ist mein Haus ein Ort, an dem ich nur sehr ungern Sport treibe. Das mag an fehlender Infrastruktur wie Gewichten, Hantelstangen oder Geräten liegen, doch eigentlich ist das doch nur eine Ausrede. Ich mag es einfach, soziale Kontakte im Sportstudio zu pflegen und neue Menschen kennenzulernen.

Bei mir reichten leichte Rückenschmerzen, um eine Lösung zu finden. Jetzt mache ich zusätzlich zu den Rad- und Laufeinheiten dreimal pro Woche Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht daheim auf einer Matte. Es geht also . . . Zudem hat meine Frau festgestellt, dass es auch ihr gut tut; und jetzt machen wir die Trainingseinheiten zusammen. Das Problem der fehlenden Gewichte habe ich auch lösen können, denn mein zehn Kilogramm schwerer Sohn Josh sitzt jetzt bei allen möglichen Übungen auf mir, und Josh hat einen Riesenspaß dabei, Papa bei der Arbeit helfen zu können. Der Spaß ist also für die ganze Familie programmiert. Sie sehen also, Not macht erfinderisch, und es ist eine Ansichtssache, wie man mit einer Krise umgeht. Mein Tipp: Schauen sie über den Tellerrand, probieren sie neue Dinge aus, und dann freuen wir uns alle, wenn wieder mehr Normalität in unser Leben einzieht. Hoffentlich passiert das bald, denn Josh wird langsam immer schwerer.“ MATTHIAS KNOSSALLA

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