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Im Ziel: Maximilian Klink von der LG Dornburg. Derzeit weilt er mit allen anderen Spitzenathleten im DLV-Trainingslager in Südafrika.

Serie: Supertalente im NNP-Land

Maximilian Klink: "Juwel" mit bescheidenen Zielen

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Sie sind die vielversprechendsten Nachwuchssportler der Region. Doch was steckt hinter ihren Top-Leistungen? Wie viel Aufwand müssen die jungen Athleten betreiben? In unserer Serie „Supertalente aus dem NNP-Land“ blicken wir auf den Alltag der Sportler und fragen nach. Heute beschäftigen wir uns mit Maximilian Klink, Leichtathlet von der LG Dornburg.

Er ist ein Juwel. Einer, wie man ihn im Leichtathletikkreis Limburg-Weilburg schon lange nicht mehr hatte. Maximilian Klink hat das Zeug, ein ganz Großer zu werden – nicht nur aufgrund seiner athletischen Fähigkeiten, sondern auch ob seiner mentalen Stärke, seiner Willenskraft, seinem Durchhaltevermögen und seiner Einstellung zum Leben schlechthin.

Im Sommer letzten Jahres ist er auf der bekannt schnellen Bahn von Pfungstadt in ganz neue Sphären aufgestiegen: Bei 1:52,51 Minuten blieb die Uhr für ihn nach dem 800-Meter-Lauf stehen. Eine schier unglaubliche Zeit für den damals 18-Jährigen. Auch seine Bestzeit in der Halle kann sich sehen lassen: 1:52,96 war er in Erfurt gelaufen. Im Sindelfinger Glaspalast ließ der Wilsenröther vor wenigen Wochen den nächsten lauten Paukenschlag ertönen, als er als einer der Jüngsten im Starterfeld Süddeutscher Vizemeister bei den Männern wurde – erneut in einer 1:52er Zeit.

Diese Erfolge kommen natürlich nicht von ungefähr. Dahinter stecken harte Arbeit, hoher Zeitaufwand, große Disziplin. Klar, da hilft es Maximilian Klink schon enorm, dass er seit gut einem Jahr in die Frankfurter Carl-von-Weinberg-Schule und ins angeschlossene Sport-Internat an der Otto-Fleck-Schneise geht. Hier findet er den Zeitplan vor, mit Hilfe dessen er Schule und Training perfekt koordinieren kann. 16 Stunden pro Woche hat er ganz normalen Unterricht mit Mathe, Deutsch, Englisch und so weiter; dreimal beginnt dieser aber erst zur dritten Stunde. Diese Zeit in den frühen Morgenstunden nutzen die jungen Leistungssportler ausgiebig zum Training. „Wir haben eigentlich auch kaum Hausaufgaben auf“, berichtet Maximilian Klink von den Vorteilen, die er in Frankfurt genießt. Der Nachteil: Sein Abitur wird der 19-Jährige erst 2021 in der Tasche haben. Aber das nimmt der Wilsenröther gerne in Kauf: „Das macht nichts.“

Verlockungen der Großen widerstanden

Obwohl er inzwischen vorwiegend in Frankfurt lebt, ist Maximilian Klink seiner LG Dornburg stets treu geblieben und hat bislang sämtlichen Verlockungen von einem Wechsel in einen „großen“ Verein widerstanden. „Bei der LG Dornburg fühle ich mich einfach zu Hause, da geht es familiär zu, da kenne ich jeden“, gibt er Einblick in sein Seelenleben. Finanzielle Verlockungen interessieren ihn nicht. „Ich bekomme ja was vom Leichtathletikförderverein“, übt er sich in Bescheidenheit.

Aber es gibt noch einen – ganz wichtigen – Grund, warum er bei seiner LGD bleibt: Ewald Türk. Die ehemalige Torwart-„Legende“ des SV Wilsenroth und inzwischen passionierte Läufer hat Maximilian Klink seinerzeit entdeckt, als er 2014 „einfach mal so“ beim Winterlauf der LG Dornburg mitgemacht hatte. Ewald Türk, damals schon Lauftrainer in der Leichtathletikgemeinschaft, hat halt einen Blick für das Wesentliche und erkannte sofort, welches Talent da über die Straßen schwebte. „Ewald habe ich so viel zu verdanken, eigentlich sogar alles“, schwärmt Maximilian Klink.

Wenn der 19-Jährige daheim in Wilsenroth ist, ergibt sich immer mal die Gelegenheit, mit seinem großen Entdecker, Unterstützer und Förderer zu plaudern. Inzwischen ist Benjamin Stalf (früher LSG Goldener Grund) als Trainer für Maximilian Klink verantwortlich.

Der andere wichtige Stützpfeiler im Leben von Maximilian Klink ist natürlich seine Familie: Mama Michaela, Papa Peter, Schwester Marie und natürlich Oma Marlies. „Sie ist mein allergrößter Fan“, erzählt Maximilian Klink. „Sie schneidet alle Zeitungsartikel über mich aus und zeigt sie mir dann, wenn ich daheim bin.“ Und wenn „Max“ daheim im Westerwald ist, kocht sie ihm auch sein Leibgericht: Semmelknödeln mit Rotkohl. „Eigentlich gehört da ja noch ein ordentliches Stück Fleisch dazu, aber das Fleischessen habe ich mir inzwischen komplett abgewöhnt“, berichtet Maximilian Klink über seine Ernährungsgewohnheiten. Als Athlet müsse man schon aufpassen, dass man sich richtig ernähre, sagt er. Die notwendigen Proteine müssen dann eben über Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden, in diesem Fall ein Erbsen-Protein-Pulver.

Der junge 800-Meter-Läufer steht möglicherweise am Anfang einer großen Karriere. Dennoch sind seine Ziele eher bescheiden. Nicht etwa von Olympia 2024 in Paris oder einer EM- oder gar WM-Teilnahme träumt er. Nein, er will einfach versuchen, sich kontinuierlich zu verbessern, wenn möglich bei den Deutschen Junioren-Meisterschaften im Sommer in Mönchengladbach in den Endlauf zu kommen und vielleicht die eine oder andere internationalen Startmöglichkeit zu erhalten. „Das i-Tüpfelchen auf die Saison wäre natürlich die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften der Aktiven“, sagt er.

Damit er diese großen Ziele erreicht, muss er – wie alle anderen Leichtathleten – im Winter und vor allem im Frühjahr die Grundlagen erarbeiten. Normalerweise bedeutet das: elf- bis zwölfmal Training pro Wochen jeweils zwei bis drei Stunden. Seit Montag aber trainiert Maximilian Klink dort, wo andere gerne mal Urlaub machen würden: im Trainingslager des Deutschen Leichtathletik-Verbandes in Südafrika. Mit dabei sind die besten Athleten Deutschlands. Drei Wochen hat der Wilsenröther dort unter allerbesten Bedingungen Zeit, an den Stellschrauben zu drehen.

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