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Fraglich, wann EGDL-Goalie Jan Guryca (links) mit seiner EG Diez-Limburg wieder auf dem Eis am Diezer Heckenweg stehen wird.

Eishockey-Oberliga Nord

Ministerium legt die "Rockets" auf Eis

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
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Verstehen kann es keiner so recht: Unmittelbar vor dem 4. Spieltag der Eishockey-Oberliga Nord ordnete das rheinland-pfälzische Innenministerium an, dass der EG Diez-Limburg der Trainings- und Spielbetrieb zu untersagen sei.

Diese Entscheidung traf Innenminister Roger Lewentz – selbst wohnhaft im Rhein-Lahn-Kreis (Kamp-Bornhofen) – sage und schreibe drei Wochen nach dem Saisonstart.

Die Meldung schlug bei den „Rockets“ tatsächlich wie eine Bombe ein. Das rheinland-pfälzische Ministerium für Inneres und Sport hatte sich mit einem entsprechenden Schreiben direkt an Frank Puchtler, den Landrat des Rhein-Lahn-Kreises, gewandt. Darin forderte das von Roger Lewentz geführte Ministerium den Kreisverantwortlichen auf, den Trainings- und Wettkampfbetrieb bei der EGDL mit sorfortiger Wirkung zu unterbinden. Unverständnis auf allen Seiten. Weder hat es in den ersten drei Wochen einen positiven Corona-Test in Reihen der Spieler oder im Betreuerstab gegeben, geschweige denn auch nur einen Verdachtsfall. Was also treibt das Ministerium um?

Das Innenministerium hatte sich mit den einzigen 22 noch aktiven Eishockeyspielern in ganz Rheinland-Pfalz in der Oberliga Nord auseinandergesetzt und festgestellt, dass man in Diez gegen die Regelungen der sogenannten „12. CoBeLVO“ (Corona-Bekämpfungsverordnung Rheinland-Pfalz) verstoße. „Während alle anderen Bundesländer in Deutschland die Eishockey-Oberligen als Profiligen anerkannt haben, fällt dem Land Rheinland-Pfalz 18 Tage nach dem Start des neuerlichen Lockdowns ein: Die ,Rockets’ spielen Eishockey? Das müssen wir verbieten!“, heißt es auf der Facebook-Seite der EGDL. Und weiter: „Einmalig in Deutschland greift das Land Rheinland-Pfalz damit als erstes Bundesland in einen laufenden, bundesweiten Spielbetrieb ein.“

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte vor Wochen die Eishockey-Oberligen als Profiligen eingestuft. Das haben sämtliche Bundesländer so akzeptiert – bis auf Rheinland-Pfalz. In dem Schreiben an die Kreisverwaltung Rhein-Lahn heißt es aus dem Innenministerium, dass „Regelungen von sportfachlicher Verbandsseite (DOSB oder Sportfachverbände) im Hinblick auf die Zuordnung von Spielklassen zum Profisport nicht für den zulässigen Sportbetrieb in Rheinland-Pfalz verbindlich sind. Für die Sportvereine in Rheinland-Pfalz gelten ausdrücklich nur die genannten Sonderfälle (alle 3. Ligen mit Ausnahme des Fußballs und niedrigere Klassen sind kein Profisport) gemäß Paragraph 10 Absatz 3 bis 5 der CoBeLVO“. Jetzt hat die EG Diez-Limburg den Salat.

Die Verantwortlichen der „Rockets“ standen am Donnerstag regelrecht unter Schock. Der 1. Vorsitzende Steffen Krüger versteht die Welt nicht mehr. „Uns wurde vom DOSB und vor allem vom zuständigen Gesundheitsamt vor Saisonbeginn bescheinigt, dass wir spielen dürfen. Und jetzt das“, sagt der EGDL-Boss, bei dem am Donnerstag natürlich die Leitungen glühten. Überall versuchten die Verantwortlichen um Steffen Krüger und seinem Stellvertreter Willi Lotz, das Eishockeyspiel für das Team von Trainer Arno Lörsch aufrechtzuerhalten.

„14 Tage ohne Training wären der Tod“

„Eine Möglichkeit wäre es, für unsere Spiele in Diez das Heimspielrecht zu tauschen. Auswärts dürfen wir ja spielen“, sagt Steffen Krüger. „Allerdings müssen wir auch trainieren, und 14 Tage ohne Training sind der Tod.“ Ohne Training werde man die Mannschaft nicht in fremden Stadien auf das Eis stellen. Das sei unverantwortlich. Klar, dass die Entscheidung aus Mainz im Team, dessen direktem Umfeld und natürlich im Vorstand auf völliges Missverständnis stößt. Man spiele schon ohne Zuschauer, habe keinerlei Einnahmen außer über den Livestream der Spiele über ein Internetportal, und nun werde man auch noch völlig „auf Eis“ gelegt, sagt der EGDL-Vorstand. „Allein die Auflagen des Gesundheitsamtes für das Hygienekonzept und die Bereitstellung des Livestreams hat uns Unkosten im hohen fünfstelligen Bereich beschert. Schon im Frühjahr hat uns der erste Lockdown das Liga-Finale gekostet“, erklärt Steffen Krüger. „Wir haben uns exakt an die Auflagen des Gesundheitsamtes gehalten und bekommen jetzt diese Klatsche.“ Alle Anwesenden in der Eishalle, die nicht direkt auf dem Eis stünden, sowie die Spieler auf der Bank, trügen grundsätzlich FFP-2-Masken und kämen nicht miteinander in Kontakt.

Sollte das Innenministerium hart bleiben und in nächster Zukunft kein grünes Licht für Training und Spiele in der Eishalle am Diezer Heckenweg geben, sieht der EGDL-Vorsitzende schwarz: „Dann müssten wir den Standpunkt Diez aufgeben, und es würde kein Eishockey mehr im NNP-Land geben.“

Hamburg-Spiel abgesagt

Die EG Diez-Limburg steckt in der Eishockey-Oberliga Nord in der Sackgasse. Dreimal hat das Team von Arno Lörsch bislang gespielt, mit 5:3 in Krefeld und 5:2 in Herne gewonnen, sowie das einzige Heimspiel mit 2:3 gegen Herford verloren. Am heutigen Freitag sollte um 20 Uhr am Diezer Heckenweg die Partie gegen den Tabellenfünften, „Crocodiles“ Hamburg, angepfiffen werden. Bis zuletzt hat die EGDL versucht, für dieses Spiel das Heimrecht zu tauschen und in Hamburg zu spielen. Das war jedoch organisatorisch nicht mehr zu stemmen; die Partie wurde abgesagt. Am Sonntag, 18 Uhr, steht ohnehin die Auswärtspartie bei den „Ice Fighters“ Leipzig auf dem Programm. Die Verantwortlichen verhandeln mit dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB), dem Ministerium und befreundeten Vereinen außerhalb von Rheinland-Pfalz, um eine Lösung zu finden.

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