Tobias Schimmelbauer in Aktion im HSV-Trikot: Der frühere Massenheimer fühlt sich im hohen Norden richtig wohl. Foto: imago
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Tobias Schimmelbauer in Aktion im HSV-Trikot: Der frühere Massenheimer fühlt sich im hohen Norden richtig wohl.

Handball, Was macht eigentlich ...

Mit 33 Jahren schon viel erlebt

  • Volker Hofbur
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Der ehemalige Massenheimer Tobias Schimmelbauer ist beim HSV sehr glücklich

Hamburg -Derzeit steht Tobias Schimmelbauer mit den Handballern des HSV Hamburg an der Tabellenspitze der 2. Bundesliga. Mit drei Minuspunkten Vorsprung auf den Zweiten TuS Nettelstedt-Lübbecke und vier Minuspunkten vor dem Dritten VfL Gummersbach führen die Hamburger bei noch zwölf ausstehenden Spielen. So hofft er auf die Rückkehr in die Erste Liga.

Seine Karriere startete Schimmelbauer bei der SG Wallau/Massenheim. Mit der A-Jugend wurde er unter dem Trainergespann Thomas Scherer und Mike Fuhrig 2005 deutscher Meister, ein Jahr später stieg er mit der Regionalliga-Mannschaft des Vereins in die 2. Bundesliga auf. "Es liegt ein bisschen zurück, aber für mich war es damals Neuland, um die ersten Erfahrungen im Aktiven-Handball zu sammeln. Ich denke gerne daran zurück", erinnert sich der frühere Massenheimer gerne an diese Zeit zurück, "es war nicht so professionell, aber wir waren eine verschworene Gemeinschaft. Das war ein cooler Zusammenhalt, die Mannschaft hat davon gelebt. Und wenn ich an die Kabine in der Ländcheshalle denke und sehe, was wir hier haben ..." Mit einigen seiner früheren Mitstreiter wie Timm Großkurth, Sebastian Schermuly und Tobias Hahn, der später auch sein Trauzeuge war, hat er immer noch Kontakt.

"Komplett neue

Welt" in Stuttgart

2010 ging es nach dem ersten Jahr der HSG Handball Rhein-Main für Tobias Schimmelbauer zum Zweitligisten TV Bittenfeld Stuttgart. "Das war eine komplett neue Welt. Die Menschen hatten eine andere Mentalität und Sprache. Für mich bedeutete das, dass ich mich mit meinen 21 oder 22 Jahren neu beweisen musste", erinnert sich der heute 33-Jährige, "aber ich habe hier viele neue Freunde gefunden". Er erlebte mit dem Verein in Bittenfeld einen stetigen Anstieg. "Ich habe die Entwicklung mitbekommen, wie der Verein immer größer wurde. Auch die Neuzugänge wurden immer namhafter". 2015, in Schimmelbauers fünftem Jahr in Bittenfeld, gelang der Aufstieg. Inzwischen war der Verein nach Stuttgart umgezogen. Die Aufstiegsfeiern übertrafen alles, was Tobias Schimmelbauer bisher erlebt hatte. "Wir haben zwei Tage gefeiert, dann ging es nach Mallorca", erinnert sich der Linksaußen lachend. Zudem hat er während seiner Zeit beim TV Bittenfeld an der Stuttgarter Universität Sport studiert und dieses Studium auch abgeschlossen. Der Linksaußen spielte nun in der Ersten Bundesliga - vier Jahre lang. "2019 sah es der Verein als notwendig an, die Struktur der Mannschaft zu ändern. Wir hatten eine extrem alte Mannschaft, zudem hatten die Verantwortlichen einen jungen Linksaußen verpflichtet", blickt Tobias Schimmelbauer zurück, "für mich war es an der Zeit, den Markt zu sondieren. Aber ich war neun Jahre dort. Für mich war es kein Abschied im Bösen".

So kam das Angebot des HSV Hamburg. "Ich bin wirklich froh, dass ich diesen Schritt gegangen bin. Ich wohne mitten in der Stadt. Es ist eine schöne Stadt mit einem schönen Drumherum, vielen Parks und viel Grün sowie schönen Wochenmärkten", freut sich Schimmelbauer über seine Wahl, "die Menschen sind auch draußen, wenn es regnet, und sie sind sehr offen. Es macht schon Spaß. Und mit Martin Stumpf, der früher mal in Wallau war und mit dem ich befreundet bin, hatte ich dort einen ersten Kontakt".

Krebsdiagnose und

Glück im Unglück

So lebte sich der Linksaußen beim Verein gut ein. Im November hatte der Verein eine Aktion geplant und alle Spieler zum Urologen geschickt. "Ich hatte damals einen privaten Termin und konnte nicht gemeinsam mit der Mannschaft hingehen. Das habe ich dann im Februar des vergangenen Jahres nachgeholt", berichtet Schimmelbauer. Bei der Ultraschalluntersuchung wurde bei ihm Hodenkrebs diagnostiziert, ein Tumor entdeckt. "Das war erst einmal ein Schlag. Ich bin aber realistisch damit umgegangen, und dann griffen auch die Mechanismen, denn ich bin schon zwei Tage später operiert worden", berichtet der 33-Jährige, "da hältst du erst einmal die Luft an und weißt gar nichts mehr. Es wird dir bewusst, dass da etwas um die Ecke kommt, was du nicht auf den Zettel hast". Er hatte das Glück, dass der Tumor so frühzeitig entdeckt worden war, so dass er sich keiner Chemo-Therapie mehr unterziehen musste. Und er hatte in einer weiteren Beziehung Glück im Unglück: "Im März - also nur wenige Wochen nach meiner Operation - gab es auf der Krebsstation der Klinik einen Corona-Ausbruch. Da hatte ich Glück, dass ich schon draußen war."

Große Chancen auf

vollständige Heilung

Inzwischen wird Tobias Schimmelbauer vierteljährlich untersucht - mit Ultraschall und einer Blutuntersuchung. Anfang des kommenden Jahres kann er hoffen, dass er bei keinem neuen Befund eine große Chance hat, nicht mehr an diesem Krebs zu erkranken.

Beim HSV Hamburg lief es gut. Schon drei Wochen nach der Operation fühlte er sich wieder fit und verlängerte im vergangenen Jahr seinen Vertrag bis 2022. "Es gab vom Verein her Signale, dass wir uns schon im Sommer zusammensetzen wollen, um über eine vorzeitige Vertrags-Verlängerung zu sprechen", erklärt Schimmelbauer, der sich mit seiner Frau in Hamburg wohlfühlt. Geheiratet hat er noch in der Heimat: 2018 standesamtlich in Oberursel und ein Jahr später in Massenheim. Nun möchte er gerne in Hamburg bleiben - am Besten ab dem Sommer als Erstligist. Volker Hofbur

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