Detlef Glenz blickt persönlich eher skeptisch auf die Olympischen Spiele. foto: marcel lorenz
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Detlef Glenz blickt persönlich eher skeptisch auf die Olympischen Spiele.

Sportschießen

Mit gemischten Gefühlen nach Tokio

  • Volker Hofbur
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Bundestrainer Detlef Glenz aus Kriftel macht sich seine Gedanken

Kriftel -Die deutschen Schnellfeuerpistolenschützen bereiten sich intern auf die Olympischen Spiele in Tokio vor. Die für den SV Kriftel schießenden Christian Reitz und Oliver Geis sowie ihr Vereinstrainer Detlef Glenz, der zudem Bundestrainer ist, schießen die Rangliste in München aus. Viele Konkurrenten weilen derzeit bei den Europameisterschaften im kroatischen Osijek, auf die das deutsche Team wegen der zu hohen Inzidenzzahlen in Kroatien verzichtet hat.

Generalprobe vier

Wochen vor Olympia

In zweieinhalb Wochen fahren aber auch Glenz, Reitz und Geis nach Osijek. Dorthin wurde der Weltcup, der in Baku stattfinden sollte, wegen Corona verlegt. "Dieser Weltcup wird ein Fingerzeig sein - vier Wochen vor den Olympischen Spielen. Jetzt sind dort die Zahlen anders, außerdem kriegen wir zu Beginn der kommenden Woche unsere Zweitimpfungen", erklärt Glenz, "dann tue ich mich damit leichter, wenn wir vollständig geimpft sein werden". Der Bundestrainer hat sich mit seinen beiden Olympiateilnehmern gut vorbereitet: "Wir sind frohen Mutes und tun unser Bestes. Die eigene Form kannst du einschätzen, aber die der Starter der anderen Nationen nicht. Es ist schwer, eine Prognose zu stellen, wenn du eineinhalb Jahre keinen internationalen Wettkampf bestritten hast."

Glenz und seine Athleten nehmen es, wie es kommt: "Uns war das Risiko zu groß, bei den Europameisterschaften zu starten. So höre ich von dort Stimmen, dass alles in Ordnung ist. Andere erzählen mir, dass die Corona-Regeln nicht eingehalten werden und die Leute keine Masken tragen würden. Wir schauen, wie es beim Weltcup ist, aber wissen nicht, was uns dort erwartet".

Spricht der Bundestrainer über seine Planungen, so sagt er immer: "Stand jetzt!": "Wir planen Sachen, die dann abgesagt werden. So reichten in Suhl die Stand-Kapazitäten nicht, weil die Organisatoren mehr Meldungen zugelassen haben, da es bisher so wenig Wettkämpfe gibt. Daher wurde die Rangliste nach München verlegt. Es gab viele Meldungen und es sollte den Sportlern möglich gemacht werden, dort zu starten. Sonst verlierst du sie irgendwann." Er hatte mit seinem Team ein optimales Trainingslager. "Und dann bricht alles um dich zusammen wie ein Kartenhaus. Die ganzen Planungen für dieses Jahr waren umsonst", erläutert Glenz.

Über die Zustände in Tokio hat der Krifteler in Erfahrung gebracht, dass die Sportler drei Tage in einem Corona-Hotel einquartiert werden sollen. Dort werden Sportler und Trainer täglich getestet. Erst anschließend soll es ins Olympische Dorf gehen. Über die Unterkunft weiß Glenz wenig: "Es sind Appartements, die später vermietet werden sollen. Dort werden mehrere Leute untergebracht, wobei sich fünf bis sechs Leute wohl ein Bad teilen werden." Ob diese Unterkunft sportlergerecht sein wird, weiß er nicht. Zum Essen müssen sich die einzelnen Gruppen zu festen Zeiten anmelden. "Der Sportler bleibt in seiner Sportblase. Ich bedaure die Leute, die zum ersten und einzigen Mal zu Olympia kommen. Es wird kein deutsches Haus geben, in dem sich die deutschen Sportler getroffen und ihre Erfolge gefeiert haben", schildert Glenz seine Erkenntnisse. So sollen die Sportler, die in Tokio sind, die Eröffnungsfeier auf der Tribüne verfolgen, einen Ein- und Ausmarsch wird es nicht geben. Dazu kommt die Haltung der Bevölkerung, die den Olympischen Spielen nur wenig Gegenliebe entgegenbringt. "Wenn es nach ihr geht, sollen die Spiele abgesagt werden", so Glenz.

Er will keine Erwartungen auf Medaillen aufbauen: "Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Wir nehmen Tokio als Vorbereitung für die Olympischen Spiele in Paris 2024 in Paris." So haben Glenz und seine Athleten den Schießstand nur auf Fotos gesehen. "Es gibt keine Test-Wettkämpfe auf den Sportanlagen wie sonst. Dabei müssen auf neuen Anlagen die Abläufe durchgespielt werden", erläutert Glenz, "ich hoffe, dass es gut geht. Das sind alles lauter Unbekannte, die aber alle Schützen wohl gleich treffen werden".

Darauf kann Glenz keinen Einfluss nehmen, er kann seine Athleten nur gut auf den vermeintlichen Saisonhöhepunkt vorbereiten: "Beide sind gut drauf. Christian ist stark, und Oli ist auf einem sehr guten Weg."

Dennoch sieht der Krifteler zwiespältig auf die Olympischen Spiele: "Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn sie abgesagt worden wären. Wir wissen genau, dass es nicht die Olympischen Spiele sein werden wie sonst. Für mich wäre es kein Untergang." So sorgt er sich angesichts der absehbaren Entwicklung: "Auch wenn wir unter uns bei der Unterkunft oder beim Wettkampf bleiben, ist es so, dass wir uns in Deutschland impfen lassen können, die Pandemie aber in anderen Ländern nicht ausgestanden ist", erklärt der Trainer, "wenn ich auf die Zahlen in Südamerika schaue, zeigen sie, dass es für die Sportler kritisch wird. Auch wenn wir geimpft sind, sind wir Infektionsträger. Wir haben Angehörige, die noch nicht geimpft sind. Auch in Deutschland sind Risikopatienten noch nicht geimpft. Das fängt s im Flugzeug an, wenn du beim Essen bis und hinter dir einer hustet".

Gesund bleiben

hat oberste Priorität

Glenz gesteht ein, dass er nicht die Freude wie sonst mit Blick auf Olympia verspürt: "Wir müssen gesund bleiben. Ich möchte nicht auf Kosten der Gesundheit eine Medaille, während sich die Sportler infizieren. Wir wissen, dass wir nichts von Tokio und dem Land sehen und wie in Quarantäne leben. Wir erleben kein olympisches Flair und sehen keine anderen Wettkämpfe." Glenz spricht von "besonderen Olympischen Spielen", denn die Sportler können sich nicht wie gewohnt vorbereiten. Die Koreaner dürfen vor Olympia nicht aus dem eigenen Land, andere bereiten sich aus Furcht vor der Pandemie-Entwicklung im Ausland vor. "Wir schauen mal was wird", resümiert Glenz, "sicher ist, dass sie das nicht mehr absagen werden. Wir werden hinfahren, aber es ist alles anders". Volker Hofbur

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