Bei der Gartenarbeit hatte sich Christian Reitz kürzlich mit einer Flex in den Finger geschnitten. Dennoch triumphierte er nun bei den Deutschen Meisterschaften in München. Mit seiner Punktzahl mit der Luftpistole wäre er in Tokio Olympiasieger geworden. FOTO: dpa
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Bei der Gartenarbeit hatte sich Christian Reitz kürzlich mit einer Flex in den Finger geschnitten. Dennoch triumphierte er nun bei den Deutschen Meisterschaften in München. Mit seiner Punktzahl mit der Luftpistole wäre er in Tokio Olympiasieger geworden.

Sportschießen, SV Kriftel

Mit genähtem Finger zu sechs DM-Titeln

  • Volker Hofbur
    VonVolker Hofbur
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Kriftels Olympiasieger Christian Reitz blendet ein großes Handicap aus - Deutscher Rekord

Kriftel -Die deutschen Meisterschaften der Sportschützen in München sind für den SV Kriftel sehr erfolgreich verlaufen. Trotz eines starken Handicaps sicherte sich Christian Reitz drei Einzeltitel und zudem drei Titel mit der Mannschaft. Doreen Vennekamp steuerte bei den Damen einen Einzeltitel bei und gewann mit den Vereinskolleginnen zudem zwei Mannschaftstitel.

Christian Reitz hatte sich bei Gartenarbeiten mit einer Flex am Zeigefinger verletzt - also an dem Finger, mit dem der Abzug beim Schießen betätigt wird. "Er war genäht worden. Ich wusste gar nicht, ob er schießen konnte", erklärte Bundestrainer Detlev Glenz. Doch der Olympiasieger von Rio steckte das Malheur in beeindruckender Manier weg und überzeugte wieder einmal mit konstant guten Leistungen. Von der Verletzung merkte man Reitz nicht wirklich etwas an.

Zum Auftakt mit der Luftpistole dominierte der 34-Jährige in der Qualifikation und gewann mit 583 Ringen souverän. Noch beeindruckender war seine Leistung im Finale. "Vom ersten Schuss an hat er geführt", war auch sein Trainer Detlef Glenz überrascht, "er hat das schon sehr souverän gemacht". Dabei pulverisierte Christian Reitz den bisherigen deutschen Rekord um 3,3 Ringe auf 245,1 nach oben - und ließ der Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance. 5,7 Ringe betrug der Vorsprung zum Zweitplatzierten Paul Fröhlich. Sein schlechtester Schuss im Finale waren 9,6 Ringe. Das zeigt, wie stark der Schütze des SV Kriftel wirklich geschossen hat, obwohl es während des Finals auch noch eine längere Unterbrechung wegen eines technischen Problems gegeben hatte. "Damit hätte Christian Reitz in Tokio Gold gewonnen", konnte sein Trainer die Leistung gar nicht hoch genug einordnen. Durch die 583 Ringe in der Qualifikation gewann er zudem mit Aaron Sauter und Andreas Fix den Hessenmeistertitel.

Auch Kriftels Damen

gelingt Rekord

Mit derselben Waffe belegte die Kriftelerin Doreen Vennekamp hinter ihren Nationalmannschaftskolleginnen Carina Wimmer und Monika Karsch den dritten Platz. Mit Kim Richter und Svenja Berge gewann sie zudem die Teamwertung. Dabei erzielten die Kriftelerinnen mit 1683 Ringen einen deutschen Rekord.

Mit der Sportpistole setzte sich Doreen Vennekamp im Finale gegen Sandra Reitz und Monika Karsch durch und gewann in der gleichen Besetzung wie mit der Luftpistole auch die Mannschaftswertung. 24 Ringe Vorsprung hatten die Kriftelerinnen bei erzielten 1705 Ringen auf den Zweiten HSG Regensburg, da Svenja Berge Fünfte in der Einzelwertung geworden war.

Richtig spannend wurde es für Christian Reitz in seiner Spezialdisziplin mit der Schnellfeuerpistole, in der er in Rio 2016 Olympiasieger geworden war. Sein Krifteler Teamkollege Oliver Geis, der ebenfalls in Tokio bei Olympia am Start gewesen war, lieferte ihm einen heißen Kampf. In der Qualifikation erzielten beide Krifteler 585 Ringe und hatten damit sechs Ringe Vorsprung auf die Konkurrenz. Im Finale lagen Reitz und Geis nach 30 Schüssen mit 26 Treffern in einem Wettkampf auf Weltklasseniveau gleichauf, ehe sich Reitz knapp auf 30:28 absetzen konnte. In der letzten Serie traf Reitz drei Mal, so dass Geis nur mit fünf Treffern die Verlängerung erreicht hätte. "Ich habe dem Oli noch zugerufen, dass ich eine Verlängerung sehen möchte", frotzelte Glenz. Doch Geis traf nur vier Mal und lag damit bei 32 Treffern nur einen Treffer hinter Reitz.

Mit der Sportpistole holte sich Reitz dann noch seinen dritten Titel. In der Disziplin Präzision lag Reitz gemeinsam mit dem Thüringer Robert Janikulla mit 291 Ringen auf dem zweiten Rang hinter Patrick Meyer (293). Im Duell erzielte er 296 Ringe und setzte sich mit insgesamt 587 Ringen vor dem Münchener Aleksandar Teodorov (584) an die Spitze. Oliver Geis lag mit dem gleichen Duell-Ergebnis wie Reitz gemeinsam mit Janikulla bei 583 Ringen auf dem dritten Rang. Im Stechen um Bronze unterlag er dem Konkurrenten mit 47:50 und wurde Vierter. Die Krifteler gewannen aber gemeinsam mit Aaron Sauter (570) auch die Mannschaftswertung.

Nach der anschließenden Sitzung der Trainer bleiben Reitz, Geis und Sauter im Nationalmannschaftskader der Schnellfeuerpistolenschützen. Damit war zu rechnen. Erfreulich aus Krifteler Sicht war, dass Svenja Berge durch ihre Ergebnisse den Sprung in den Nationalkader geschafft hat.

Nun befinden sich die Krifteler Schützen im Urlaub, ehe Anfang Oktober das Training wieder aufgenommen wird. Am 16./17. Oktober soll dann die Bundesliga der Luftpistolenschützen beginnen. "Ich war früher optimistischer als jetzt, ob sie laufen wird. Das wird spannend. Vielleicht dürfen nur Schützen antreten, die geimpft sind. Ob Zuschauer zugelassen werden, ist auch noch nicht sicher", berichtete Glenz. Vom 3. bis 10. November geht es zum Weltcup-Finale nach Wrozlaw. "Dort werden 850 000 Euro Preisgeld ausgeschüttet, für den Sieger einer Disziplin sollen es 15 000 Euro geben", ist Glenz angetan über die seltenen höheren Preisgelder. Volker Hofbur

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