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„Jede Hand passt in einen Handschuh, aber nicht jede Hand geht nach oben“: Die jungen Boxer von TuS Steinbach mit ihrem Trainer Driss Haddouti (Zweiter von links).

Boxen

"Miteinander, nicht gegeneinander": Was den Erfolg von TuS Steinbachs Kampfsportlern ausmacht

Driss Haddouti bringt den Steinbachern das Boxen näher. Das macht er nicht etwa mit der Hauruck-Methode, sondern feinfühlig. Ein Trainingsbesuch.

Steinbach - Boxen ist ja eigentlich ein Kampfsport, aber doch so viel mehr. Es geht um körperliche wie geistige Disziplin, um ein respektvolles Miteinander. Es geht darum, die eigene Kraft gut einzusetzen und anderen Kräften standzuhalten. Und über allem steht womöglich, dass die Boxer ihr Selbstbewusstsein steigern.

Wer in der Friedrich-Hill-Halle Driss Haddouti, Boxtrainer der TuS Steinbach, das sagen hört, glaubt es sofort. Haddouti, ein stämmiger Mann, früher selbst Amateurboxer, ist für viele junge Menschen, die zum Training erschienen sind, wie eine Vaterfigur. Der Coach ist selbst zweifacher Familienvater und geht sanft mit seinen Schützlingen um, was im Kontrast zu seiner kräftigen Statue steht. Die Boxer setzen sich zum Aufwärmen in Bewegung und drehen ihre Runden, manche in Fußballschuhen, manche in Socken, manche barfuß. Auch Mädchen sind dabei, wie Pia (13) und Kiarra (14), die sich zum nachfolgenden Schlagabtausch gegenüberstehen und die Boxhandschuhe überstreifen. Auch gegen Jungs wird öfters geübt, vor denen haben sie keine Angst mehr, wie die beiden lächelnd berichten.

2016 startete Haddouti mit neun Jugendlichen bei der TuS. Mittlerweile besteht die Box-Abteilung aus 60 Personen, darunter 26 Kinder. In der jüngeren Gruppe sind acht Mädchen am Start, bei den Älteren zwei Frauen. Ein separates Training für Boxerinnen ist geplant. Über WhatsApp kommunizierten bereits 15 Teilnehmer in einer Gruppe, Irene Veláquez Macias aus Neu-Isenburg soll die Trainerin werden, erläutert Haddouti. Er bezeichnet das noch nicht terminierte neue Angebot als Fitnessboxen. „Bauch-Beine-Po mit ein bisschen mehr Action.“

Der Boxsport habe sich gewandelt, erzählt der Trainer. „Früher ging es darum, die Boxenden in den Ring zu bringen“, sagt er. Das geht in Steinbach schon deshalb nicht, weil kein Ring zur Verfügung steht. Im zweiten Teil des Trainings treten jeweils zwei Boxer zum kurzen Schlagabtausch auf einer Fläche an, die durch Seile und Matten am Boden abgegrenzt ist.

Kicker sind öfter verletzt

Es ginge schon zur Sache, Verletzungen seien aber selten, schildert Assistenztrainer Salvatore Gangi. „Die Handschuhe sind mit mindestens 14 Unzen gepolstert. Wir hatten seit der Gründung einen Vorfall – und das war bei einem Waldlauf, als jemand über eine Wurzel gestolpert ist. Die Fußballer verletzen sich weitaus öfter.“ Haddouti führt aus: „Wir richten viel mehr den Fokus auf die Schulung des richtigen Umgangs. Man trainiert, miteinander die Kraft einzusetzen und nicht gegeneinander.“

Dies heißt aber nicht, dass keine Wettkämpfe angestrebt werden. Haddouti ist ausgebildeter Trainer und erhielt im Vorjahr die offizielle Lizenz des Landesverbands für das TuS-Boxteam. Prompt sicherte sich Enis Nrecaj (15) in seiner Gewichtsklasse den Titel des Hessenmeisters, Platz zwei erkämpfte sich Aboubakr Haddouti (11).

„Jede Hand passt in einen Handschuh, aber nicht jede Hand geht nach oben“, erzählt der stämmige und groß gewachsene, aber noch sehr junge Hessenmeister, als gehöre er schon zum alten Schlag. Talente wie er werden ausgiebiger gefördert. Mittlerweile stehen in Kooperation mit der TG Schwalbach weitere Hallenzeiten zur Verfügung, so dass fast an jedem Tag trainiert werden kann. Für die TuS organisieren Steven Lang und Emir Kaya die Fahrgemeinschaften. Der Andrang zu den Boxstunden in Steinbach ist groß, Haddouti musste eine Warteliste einführen. „Die Kinder und Jugendliche sollen gefördert und angemessen betreut werden. Wir möchten die Jugendlichen mit diesem Angebot quasi von der Straße holen und ihnen etwas Abwechslung bieten“, schildert der engagierte Trainer.

Am Ende des Trainings wird es dann richtig laut. „Wir sind das Boxteam!“ – das ist der Spruch der Kampfsportler, den sie im Kreis stehend, Arm in Arm, zum Abschluss immer rufen. Sie stampfen mit den Füßen auf den Boden. „Hu hu hu“ schalt es durch die Turnhalle.

von Günther Michels

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