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Ein mitreißender Macher

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Von: Volker Hofbur

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Vor gut zwei Wochen feierte der Ehrenpräsident der SG Wallau/Massenheim noch seinen 75. Geburtstag, am Montag starb er an den Folgen einer langen Krebserkrankung.

Die Entwicklung der SG Wallau/Massenheim zu einem deutschen Spitzenteam in der Handball-Bundesliga und in Europa bleibt immer mit dem Namen Bodo Ströhmann verbunden.

„Er war immer 1000 Prozent bei der SG Wallau. So wie er seine Firma geführt hat, hat er auch Wallau geführt“, erklärt sein Sohn Jörg das unglaubliche Engagement, das Ströhmann in den Verein gesteckt hatte, „er hat immer eine ungeheure Euphorie entwickelt und mit ihr alle, die mit ihm gearbeitet haben, mitgerissen, weil er daran geglaubt hat, etwas erreichen zu können“. Gemeinsam mit seinem Freund Alois Braun kam Bodo Ströhmann kurz nach der Gründung des Handballvereins, der sich aus den Trägervereinen des TV Wallau und der TuS Massenheim 1975 gebildet hatte, dazu. Gemeinsam wollten sie mit diesem Verein etwas bewegen. „Er konnte gut mit Menschen, Alois Braun konnte gut mit Zahlen“, beschreibt Jörg Ströhmann die Konstellation dieser beiden Macher des Vereins, „was mein Vater gemacht hat, hat er mit Vollgas gemacht“. Armin Luft, der lange die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins geleitet hatte, beschrieb Bodo Ströhmann: „Er war Mister 100 000 Volt und das Sprachrohr, das den Verein nach außen gebracht hat. Bodo Ströhmann hatte maßgeblichen Anteil an dem Aufstieg des Vereins bis in die Bundesliga.“

In der Saison 1984/85 gelang der SG Wallau/Massenheim der Aufstieg in die Bundesliga – gemeinsam mit der SG Weiche/Handewitt, die im vergangenen Frühjahr die Champions League gewann. Doch nach dem sofortigen Abstieg dauerte es zwei weitere Jahre, ehe in der Saison 1987/88 die Rückkehr der Wallauer in die Bundesliga gelang. Vier Jahre später holten die Wallauer unter Trainer Velimir Klajic ihre erste deutsche Meisterschaft, im gleichen Jahr gelang der Sieg des IHF-Pokals gegen den SKA Minsk. Spieler wie Mikael Källman, Peter Hofmann, Mike Fuhrig, Martin Schwalb und Stephan Schöne gehörten der damaligen Mannschaft an. „Der Gewinn der deutschen Meisterschaft war extrem“, erinnert sich Jörg Ströhmann, „mein Vater war drei Tage verschwunden und hat gefeiert. Als er dann nach Hause kam, haben wir uns gedrückt. Da habe ich gedacht: ,Das ist mein Vater, das ist echt cool’.“ Er bewunderte ihn dafür, wie er die Massen bewegen konnte. Für ihn war sein Vater ein Patriarch, der ehrlich mit den Menschen umging.

In der folgenden Saison verteidigten die Wallauer ihren Titel – mit Heiner Brand als Trainer. Zudem gelang das Double mit dem Sieg im DHB-Pokal und – als besonderer Höhepunkt – der Einzug ins Finale des Europapokals der Landesmeister. „Wir haben in der Festhalle gespielt. Sie war mit 10 000 Zuschauern ausverkauft. Wir sind insgesamt mit nur einem Tor an Badel Zagreb gescheitert, aber es war ein unglaubliches Erlebnis“, erinnert sich Armin Luft gerne an diesen Höhepunkt für den Verein.

Danach blieb die SG Wallau/Massenheim eine etablierte Kraft im deutschen Handball, bis es dann bitter endete. Schon im März 2004 zog sich Bodo Ströhmann als Gesellschafter zurück, ein gutes Jahr später folgten die Insolvenz und der Zwangsabstieg. „Es hat ihn getroffen, als es nicht mehr rund lief“, berichtete Jörg Ströhmann, „es ging immer mehr ums Finanzielle. Er hatte immer mit vollem Herzen Wallau geführt, hatte es immer ehrenamtlich gemacht. Dass nun alles ums Geld ging, konnte er nicht verstehen“.

Dennoch blieb Bodo Ströhmann dem Verein verbunden und im Hintergrund tätig. „Der Verein war sein Kind“, würdigte Luft sein Engagement, das ihm 2011 auch den Hessischen Verdienstorden einbrachte. Jörg Ströhmann ergänzt: „Soweit es gesundheitlich machbar war, war er in der vorherigen Saison immer noch bei den Heimspielen dabei. Es hat ihm Spaß gemacht.“ Am 15. Dezember feierte Bodo Ströhmann seinen 75. Geburtstag. „Das war für ihn der Höhepunkt. Viele Spieler und Weggefährten kamen, das war eine tolle Sache für ihn.“ Nur zwei Wochen später starb er an einer Lungenentzündung in Folge seiner Erkrankung. „Wir sind 38 Jahre durch dick und dünn gegangen“, trauert Bernd Wagenführ, der lange für den Amateurbereich zuständig war, um einen Freund, „es war eine lange und schöne Zeit. Auch wenn wir verschiedene Sichtweisen hatten, haben wir uns immer zusammengerauft. In meinem Leben war er eine ganz wichtige Person“.

Bodo Ströhmann hat darum gebeten, dass es eine Feier geben soll. Sein Sohn Jörg plant sie gemeinsam mit der Familie: „Er möchte, dass wir feiern und nicht um ihn trauern.“

(vho)

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