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Sascha Schild (SG Mönstadt/Grävenwiesbach) beim Kopfball.

Fußball Hochtaunus

SG Mönstadt/Grävenwiesbach: Warum Trainersuche so schwierig ist

Der bisherige Coach des B-Ligisten hatte die Nase voll. Auch vor der SG macht ein gesellschaftlicher Wandel nicht halt.

Nachdem Murat Karaoglu vor knapp einer Woche sein Amt als Fußballtrainer der SG Mönstadt/Grävenwiesbach niedergelegt hat, befindet sich die Spielgemeinschaft auf der Suche nach einem Nachfolger. In den oberen Spielklassen ist das während der laufenden Saison schon kein leichtes Unterfangen, für einen vom Abstieg bedrohten B-Ligisten umso mehr.

Dabei spielt mittlerweile eine Frage ganz unabhängig von der Ligazugehörigkeit eine entscheidende Rolle: Wie ist es um die Verlässlichkeit der Spieler bestellt? „Wir haben bereits Gespräche mit Kandidaten geführt“, verrät Matthias Brühl, Abteilungsleiter des TSV Grävenwiesbach (zweiter Trägerverein ist die SG Mönstadt). Bisher habe es nur Absagen gegeben, erzählt Brühl, denn auf einen Trainingsbetrieb mit halber Mannschaftsstärke habe „keiner Bock. Das muss man so deutlich sagen“, ergänzt er, „und ich finde es auch gut, dass Trainer Ambitionen haben.“

An seinen eigenen Ambitionen war Karaoglu zuletzt gescheitert. In der Pressemitteilung zum Abschied des Trainers macht der Verein keinen Hehl daraus, dass dieser die Reißlinie aufgrund mangelnder Einstellung seiner Spieler gezogen hatte. „An den gut geplanten Trainingseinheiten der Wintervorbereitung nahmen insgesamt zu wenige Spieler teil“, wird Karaoglu im Schreiben der SG zitiert. Ungewöhnlich deutliche Worte seitens eines Vereins nach einem Trainer-Weggang.

Mit ihrem Problem steht die SG Mönstadt/Grävenwiesbach nicht alleine da. Selbst in der Gruppenliga wird vielerorts der bei den Spielern gesunkene Stellenwert des Fußballs und die daraus resultierende Unzuverlässigkeit moniert. Wozu bei nasskaltem Wetter auf den Trainingsplatz kommen, wenn man doch aufgrund eines generellen Spielermangels ohnehin seinen Stammplatz sicher hat? Dann doch lieber mit der Lebensgefährtin ins Kino gehen, mit den Kumpels um die Häuer ziehen oder endlich die längst überfällige Hausarbeit zu Ende schreiben.

So war's früher

„Als ich Ende der 80er Jahre als Aktiver in den Senioren-Fußball eingestiegen bin, da war die Absprache ganz klar“, erinnert sich Brühl, „dienstags und donnerstags war Training. Und zwar um 19 Uhr, nicht 19.15 Uhr oder 19.30 Uhr. Und am Sonntag war das Spiel.“ Diese Vereinbarung zwischen Spielern und Trainer sei geradezu heilig gewesen und das Privatleben danach ausgerichtet worden. „Der ersten festen Freundin hat man dann gleich gesagt: ,Sonntagnachmittag geht nichts‘, und wenn sie das nicht verstehen konnte, dann war sie nicht lange die Freundin“, berichtet Brühl schmunzelnd.

Zurück zum gegenwärtigen Problem: Die Suche nach einem neuen Übungsleiter, der die Mannschaft vor dem Abstieg bewahrt und gleichzeitig die Grundlagen für eine erfolgreichere kommende Saison legt, geht bei der SG Mönstadt/Grävenwiesbach weiter. Währenddessen wird die „Erste“ von den Spielern Hussain Haidari und Pascal Kalender interimsweise betreut. „Seitdem haben wir seltsamerweise regelmäßig 15, 16 oder 17 Mann im Training“, berichtet Brühl.

Warum sich die Mannschaft gerade jetzt offenbar an der Ehre gepackt fühlt, ist ihm ein Rätsel. Bereits zuvor habe man immer wieder bei Spielersitzungen an die Moral der Kicker appelliert. „Wir wissen, dass wir von der spielerischen Klasse gut genug sind, um nicht jedes Jahr gegen den Abstieg kämpfen zu müssen“, betont Brühl. Hält sich jetzt noch der ,Spirit der Achtziger‘ dauerhaft – so die Hoffnung – dann könne man im Verein ganz neue Perspektiven erarbeiten.

ROBIN KUNZE

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