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Triathlon-Profi Matthias Knossalla.

Knossallas Blog

Motivation in der Krise: Nur eine Frage der Perspektive

Die Nassauische Neue Presse begleitet den Limburger Triathlon-Profi und -Trainer Matthias Knossalla durch das Jahr. In seinem "Blog" hält der 35-Jährige Sie, liebe Leser, auf dem Laufenden und nimmt Sie mit auf eine Reise um die Welt. Diesmal ist er allerdings - wie derzeit alle anderen auch - daheim...

Wer hätte das noch vor ein paar Wochen gedacht? Das öffentliche Leben liegt weitestgehend still. Alle großen Sportligen weltweit haben den Betrieb eingestellt. Größere Treffen sind untersagt, das kulturelle Leben steht still und die Internetleitungen zu Hause glühen, sei es durch Home-Office oder die abendlichen Filme in diversen Internet-Streams. Solche Maßnahmen sind sicher mehr als gerechtfertigt und - glaubt man den Experten - der einzige Ausweg, um unser Gesundheitssystem einigermaßen zu stützen und das Virus zu bekämpfen. Die wirtschaftlichen Folgen sind dramatisch, und auch da stehen viele Menschen - egal ob im Angestelltenverhältnis oder in der Selbstständigkeit - vor sehr unsicheren Zeiten. Es gibt also aktuell wirklich dringliche Probleme in unserem Land und auf dem gesamten Planeten.

Gerne möchte ich trotzdem Ihren Blick mal kurz auf die Sportler lenken. Wie sieht es bei uns Leistungssportlern in Zeiten von Corona aus? In diesem kleinen, eigenen Kosmos? Wir Triathleten schwimmen, fahren mit unseren Bikes und rennen anschließend. Machen wir das auch in Zeiten von Corona? Alleine draußen trainieren ist in Ordnung, das Radfahr- und Lauftraining kann einigermaßen stattfinden. Alle Trainingslager im Süden fallen zwar aus, aber auch diese Hürde nimmt man noch einigermaßen gelassen. Nur wie sieht es mit dem Schwimmtraining aus? Da wird es schon schwieriger. Die Schwimmbäder werden wohl in den nächsten Wochen und vielleicht sogar Monaten noch nicht wieder öffnen können, so dass man in diesem Bereich schon etwas kreativer werden muss. Zumal die Fitnessstudios ja auch geschlossen sind. Na, ja, das bekommt man mit etwas Kreativität irgendwie hin. Das Zugseil und diverse eingestaubte Hanteln zu Hause müssen da ausreichen. Reine Schwimmer haben es da schon deutlich schwerer.

Das Problem, das aber wirklich alle Sportler zurzeit haben, sind die fehlenden beziehungsweise ausfallenden Wettkämpfe weltweit. Nicht nur, dass vielen Profis damit die Einnahmen in Form von Preisgeldern und Antrittsgeldern wegfallen, nein, viel problematischer ist es mit der Motivation. Niemand weiß, wann wieder irgendwelche Rennen stattfinden. Das Ziel bricht also weg.

Haben Sie eine Vorstellung, wie schwer es ist, sich täglich mehrere Stunden im Training zu quälen, wenn man nicht so direkt weiß, wofür? Klar, das geht mal ein paar Tage oder vielleicht auch Wochen, doch mit jedem abgesagten Rennen schwindet die Motivation ein Stückchen weiter. Das habe ich in den letzten Tagen von ganz vielen Sportlerinnen und Sportlern gehört, mit denen ich zusammenarbeite.

Was kann man also tun? Wie kann man motiviert bleiben? Vielleicht bemerken auch Sie Motivationsprobleme beim Sport, wenn Sie zum Beispiel für einen Triathlon oder Marathon trainieren und der Wettkampf dann abgesagt wurde. Was ich meinen Sportlerinnen und Sportlern und auch Ihnen in dieser Situation raten möchte, ist, sich die Frage nach der Sinnperspektive zu stellen.

Warum haben Sie mit dem Sport überhaupt jemals angefangen? Was war Ihre Motivation? Bei mir war es die Freude an der Bewegung und die Auslotung meiner eigenen Grenzen. Erst später kam der Vergleich mit den Besten und das Streben nach Top-Platzierungen dazu. Wenn ich mich nun also nicht in diversen Rennen vergleichen kann und die Wettkämpfe ausfallen, empfehle ich, sich wieder auf die Anfänge zu besinnen. Ausdauersport an der frischen Luft ohne Zeit- und Leistungsdruck macht auch mal wieder richtig Spaß. Das ist aktuell meine Motivation, täglich zu trainieren.

Das funktioniert bei den von mir gecoachten Sportlern und auch bei mir sehr gut. Wir machen es, weil wir Bewegung lieben und gerne auf dem Rad unterwegs sind! Das darf man sich auch mal wieder bewusst machen. So lassen wir die Stoppuhr und den Leistungsmesser aktuell ab und zu mal zu Hause. Vielleicht versuchen Sie auch mal, Ihre Sinnperspektive ein Stückchen zu ändern und dem ausgefallenen Wettkampf nicht zu sehr nachzutrauern.

Es werden auch wieder Rennen stattfinden, und dann können wir alle wieder Zeiten und Platzierungen nachjagen, aber bis dahin steht für mich bei der einen oder anderen ruhigen Ausfahrt das Vergnügen im Vordergrund. Bleiben Sie gesund!

Ihr Matthias Knossalla

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