Das Duell SG Oberliederbach (von links, Oliver Jörß) gegen TuS Hornau (Lukas Wintermeier und Arijan Goharnia) wird es auch nächste Saison in der Gruppenliga wieder geben. Foto: Lorenz
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Das Duell SG Oberliederbach (von links, Oliver Jörß) gegen TuS Hornau (Lukas Wintermeier und Arijan Goharnia) wird es auch nächste Saison in der Gruppenliga wieder geben.

Fußballkreis Main-Taunus

„Müssen wieder mit Zuschauern spielen“

  • Volker Hofbur
    vonVolker Hofbur
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Einige Amateur-Vereine deuten in Umfrage wirtschaftliche Probleme an

Main-Taunus -Der Hessische Fußball-Verband hat die Entscheidung getroffen: Die Saison im Amateurbereich ist abgebrochen. Es wird in der Regel keine Auf- und Absteiger geben. Wie sehen die Vereine das? Überwiegend traf die Entscheidung auf Zustimmung, dennoch fragen sich viele Vereine, wie es weitergeht.

"Aufgrund der Dynamik der letzten Wochen war klar, dass es so kommen wird", sagt Erich Rodler , Sportlicher Leiter des Hessenligisten FC Eddersheim. "Aus meiner Sicht war die Entscheidung alternativlos." Da der Verein abstiegsgefährdet war, hatte Rodler keine Planungssicherheit: "Jetzt wissen wir, dass es in der Hessenliga weitergeht. Das ist wichtig für die anstehenden Gespräche. Jetzt können wir sauber arbeiten. Der Kreispokal wird in der Vorbereitungszeit ablaufen."

Peter Strauch , Präsident des Ligakonkurrenten SV Zeilsheim, stimmte dem Hessischen Fußball-Verband zu: "Es ist die richtige Entscheidung. Bei uns bleibt die Ungewissheit, was mit dem Hessenpokal ist. Wir hätten das attraktive Spiel gegen den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden gehabt, wahrscheinlich ohne Zuschauer. Da gibt es verschiedene Ansätze, und es muss eine Lösung gefunden werden." Eine Option könnte sein, dass gelost wird oder der klassenhöhere Verein gegen einen Beitrag weiterkommt. Ansonsten ist der Präsident zufrieden: "Wir hatten unser Ziel mit dem Klassenerhalt eigentlich schon erreicht. Es ist jetzt eine verrückte Zeit, da müssen wir mit umgehen. Wir müssen es nehmen, wie es kommt."

Jochen Kaufmann als Sportlicher Leiter des Verbandsligisten Germania Schwanheim hätte die Runde gerne zu Ende gespielt, obwohl er nicht weiß, ob sein Team den Abstieg verhindert hätte: "Es gibt keine Absteiger. Das nehmen wir und wissen, dass wir eine zweite Chance bekommen, die wir nutzen müssen. Wir müssen aus unseren Fehlern lernen und wollen unsere eigene Substanz ins Spiel bringen. Das haben wir nicht immer getan." Erfreulich war für Kaufmann: "Die Vereine haben zusammengehalten. Wir haben uns zusammengesetzt, um Probleme anzugehen." Zudem macht Kaufmann deutlich, dass er das Spielen ohne Zuschauer zwar akzeptiert, aber es für den Verein wirtschaftlich schwer wird. Der Saisonabbruch sei richtig. "Die Gesundheit geht vor. Wenn man die Zahlen sieht, muss man sich fragen, was passiert."

So sieht es auch Mevlüt Yavuz als Sportlichen Leiter des Gruppenligisten TuRa Niederhöchstadt: "Wenn wir jetzt nicht angefangen hätten, hätten wir es nicht geschafft. Anfang März hatte ich gedacht, dass wir bald wieder trainieren könnten. Die Frage war, wann es weitergeht. Ich hoffe, dass wir im Juli wieder kicken dürfen." Bei den anstehenden Gesprächen erwartet er, dass einige Spieler nicht mehr weitermachen wollen, weil sie andere Interessen haben. "Auch im Umfeld muss man sehen, ob die Leute bereit sind, weiter ehrenamtlichen Aufwand zu betreiben. Je länger sich das hinzieht, umso schlechter ist es."

Manche Mitglieder wollen Beiträge zurück

Auch für Tobias Merz als Sportlichen Leiter des Gruppenligisten SG Oberliederbach war die Entscheidung zu erwarten: "Wir hatten ein immer kleiner werdendes Zeitfenster. In diesem Jahr sind wir bevorteilt. Wir stellen uns die Frage, wann es weitergeht, auch mit dem Kreispokal." Mit den Planungen war er bereits fortgeschritten: "Wir waren schon weit, doch jetzt fallen uns kurzfristig zwei Spieler weg. Da müssen wir nachsteuern."

Marcel Hartmann vom Vorsitzenden des Liga-Konkurrenten SG Hoechst sagt: "Nach der Sitzung am letzten Mittwoch war das zu erwarten. Seit Samstag ist es nun offiziell. Ich bin froh, dass die Entscheidung gefallen ist und wir planen können. Ich befürchte, dass wir bei den Aktiven und Junioren Spieler verlieren. Der Pokal soll wohl vor der Runde gespielt werden. Es weiß keiner, ob wir im Juli oder August wieder spielen können."

Klaus Jack , Spielausschuss-Vorsitzender des Gruppenligisten TuS Hornau, versteht die Entscheidung ebenfalls: "Du brauchst eine Vorlaufzeit, um trainieren zu können. Wir hätten noch fünf Spiele in der Vorrunde gehabt, bei anderen waren es noch zehn. Zudem wissen wir gar nicht, wann wir anfangen können." Für ihn steht aber auch fest, dass es so nicht weitergehen kann: "Wir müssen mit Zuschauern spielen. Sonst haben wir nur Kosten. Das können wir keine ganze Saison mehr machen."

Jürgen Malter , Spielausschuss-Vorsitzender der SGN Diedenbergen, ist persönlich nicht zufrieden: "Ich hätte lieber die Saison weitergespielt und sie nach der Öffnung fortgesetzt. Damit hätte ich einer Mannschaft wie der SG Bremthal, die verlustpunktfrei Tabellenführer in der Kreisoberliga ist, die Chance zum Aufstieg erhalten. Wir wissen nun, dass wir in der Gruppenliga bleiben. Das Wichtigste ist aber die Planungssicherheit. So können wir uns dementsprechend aufstellen." Für ihn sind die Perspektiven für den Amateursport grenzwertig: "Es gibt jetzt Eltern, die wegen Corona die Beiträge zurückhaben wollen. Das ist für uns fatal."

Özkan Kalyoncu als Sportlicher Leiter des Kreisoberligisten SV Kriftel findet es traurig: "Aber es ist die einzig richtige Entscheidung. Ich finde auch vier Wochen Vorlaufzeit nach so langer Zeit zu wenig. Wir haben bei uns im Wechsel in Kleingruppen trainiert. Obwohl die Jungs was gemacht haben, habe ich ihren Fitness-Zustand gesehen. Sie brauchen länger, um wieder fit zu werden."

Uwe Schmidt als Sportlicher Leiter des A-Ligisten TuS Niederjosbach war ein Verfechter der Fortsetzung: "Die ganzen Spiele, die wir in der Vorbereitung hatten, waren für die Katz. Aber es ist ein Mehrheitsbeschluss und wir können jetzt planen." Eine Sache geht ihm gegen den Strich: "Ein Spieler, der sein letztes Spiel im März des vergangenen Jahres gemacht und sich anschließend verletzt hat, wollte zu uns kommen. Da ihn der Verein nicht freigibt, ist er bis zum 1. November gesperrt. Da stimmt etwas in der Relation nicht, und das lässt sich für mich auch nicht mit dieser Ausnahmesituation erklären. Mir tut es um den Spieler leid." vho

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