Bald werden sie vor der Handy-Kamera beim Online-Turnier des Bad Homburger RuF zeigen, was sie draufhaben: Caius von Sydow im Sattel von „Kleeblättchen“, Feeke-Lif Groeneveld mit „Mister Magic“ und Clarita Müller mit „Little Stone Chocolate-Button“ (von links).
+
Bald werden sie vor der Handy-Kamera beim Online-Turnier des Bad Homburger RuF zeigen, was sie draufhaben: Caius von Sydow im Sattel von „Kleeblättchen“, Feeke-Lif Groeneveld mit „Mister Magic“ und Clarita Müller mit „Little Stone Chocolate-Button“ (von links).

Reitsport

Neu im Taunus: Digitale Reitturniere

  • vonAlexander Schneider
    schließen

Es gibt zwar einen Wettkampf, aber jeder reitet auf der Anlage seines Vereins: Warum das neue Format begeistern kann.

Bad Homburg -Die Pandemie hat alles Leben durcheinandergewirbelt, teilweise lahmgelegt, auch den Sport und damit auch den Reitsport. Reiter sagen zwar, dass man "nirgendwo sicherer vor Corona ist als auf dem Rücken eines Pferdes", das, anders als Fußballschuhe, trotz Pandemie schon wegen des Tierschutzes bewegt werden muss. Dennoch fehlt durch die restriktiven Vorgaben der persönliche Kontakt auf der Stallgasse, beim gemütlichen "Trockenreiten" und danach im Reiterstübchen. Und es fehlen natürlich die Turniere.

So weit, so nicht ganz richtig: Beim Bad Homburger Reit- und Fahrverein gab es trotz Corona im Februar ein Turnier, und für Ende März steht ein weiteres an. Dabei setzt sich der Verein nicht etwa über Regeln hinweg, im Gegenteil: Man schlägt Corona ein Schnippchen und organisiert jetzt Online-Turniere. "Das ist aus der Not geboren, lässt sich aber auch auf andere Lagen anwenden, wie sich jetzt wieder mit der Herpes-Epidemie bei Pferden zeigt", sagen Pressesprecherin Simone Reich und Michi Müller, Koordinatorin im Reitschulbüro.

Anmelden, filmen, abschicken

Das "Prinzip Online-Turnier" ist relativ einfach: Die Turniere werden ganz normal unter Nennung der Prüfungen ausgeschrieben. Die Teilnehmer reiten dann auf der eigenen Anlage die genannte Prüfung und werden dabei von einem Teammitglied gefilmt, ein weiteres liest die Aufgaben vor. Das Video wird digital an den Veranstalter "DOT" (Deutsches Online Turnier) geschickt, dort werden die Ritte von zwei lizensierten FN-Richtern, die irgendwo in Deutschland am Rechner sitzen, per Video-Konferenz bewertet. Das Protokoll mit Wertnoten wird schließlich mitsamt Erläuterungen und den jeweiligen Platzierungsschleifen an den Verein gesendet und dort an die Teilnehmer übergeben.

"Eigentlich alles wie bei einem normalen Turnier, nur ohne Publikum und kontaktlos, weil jeder woanders reitet", sagt Reich, und Müller meint: "Cool, völlig unkompliziert, es reicht eine normale Handy-Kamera." Im Reitschulzentrum Hardtwald sei die Stimmung im Vorfeld des Online-Turniers prächtig, die Jugendlichen strotzten nur so vor Motivation und Vorfreude, endlich wieder zeigen zu können, was sie und ihre Pferde draufhaben. "Es gibt Kinder, die daheim im Wohnzimmer kleine Tafeln mit den Bahnpunkten aufstellen und zu Fuß trainieren, die sind ganz hibbelig", lacht Müller.

"Das erste Turnier im Februar war nur ein Versuch, hat aber schon gut geklappt", sagt Simone Reich, bedauert aber auch etwas, dass es momentan keine Siegerehrung mit der Übergabe der Schleifen geben darf. Gerade für Kinder sei das als Wertschätzung sehr wichtig und Teil eines richtigen Turniers. Beim Bad Homburger RuF sei man aber dabei, ein eigenes Format dafür zu entwickeln, "vielleicht machen wir es ja in einer Zoom-Konferenz", hofft Reich, dieses Problem auch noch zu lösen.

"Voller positiver Emotionen"

Die Hauptziele seien jedenfalls erreicht: Es gibt endlich wieder Turniere und die damit verbundene, gerade für jüngere Reiterinnen und Reiter wichtige Leistungsorientierung und, das ist Reich und Müller besonders wichtig: "Die Kids sind begeistert und voller positiver Emotionen, das hat uns allen in dieser Pandemiezeit gefehlt", sagt Reich.

Wie ernsthaft das Ganze betrieben wird, sieht man auch daran, dass die Teilnehmer in Turniermontur reiten und ihre Pferde wie bei "richtigen" Turnieren einflechten. Das Erscheinungsbild zählt bei der Bewertung mit.

Der Countdown für das März-Online-Turnier läuft. Die Aufgaben sind bereits verschickt. Das Training in den gebuchten Übungszeiten läuft schon, in der kommenden Woche wird gefilmt und die Videos müssen bis Monatsende an DOT gemailt werden. Die Protokolle kommen bis Mitte April, natürlich online.

Michi Müller und Simone Reich würden sich wahnsinnig freuen, wenn es kein reines "Hofturnier" wird: "Es wäre toll, wenn andere Reitvereine aus der Nachbarschaft teilnehmen, Nachnennungen sind möglich", hofft Müller, dass sich die Idee noch herumspricht. Immerhin gibt es im Juni ja eine Deutsche Online-Meisterschaft, für die sich die drei Besten der jeweiligen Prüfungen qualifizieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare