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Geschafft! Matthias Knossalla ist im Ziel.

Jahresrückblick Triathlon

Wer nicht aufgibt, kann nur gewinnen

Das Jahr 2018 war für den Limburger Triathlon-Profi Matthias Knossalla privat wie sportlich ein ganz besonderes, denn neben einiger sportlicher Erfolge feierte er auch seine Hochzeit.

Obwohl ich bei allen Rennen, bei denen ich verletzungsfrei ins Ziel kam, immer unter den ersten Zehn war und zweimal auch auf dem Podium landete, war es vergangenen Monat der Ironman Cozumel in Mexiko, der mir meinen sportlich emotionalsten Moment bescherte. Gut vorbereitet stand ich um 6.30 Uhr früh an der Karibikküste, um mich in die Fluten zu stürzen. Nach passablem Schwimmen wollte ich eigentlich meine Radstärke ausspielen und auf den 180 Kilometern Boden gutmachen. Doch die hohen Temperaturen und die noch nicht komplett abgeschlossene Hitze-Anpassung machten mir einen Strich durch die Rechnung. Ich konnte meine gewohnte Power einfach nicht „aufs Pedal bringen“, wie wir Radfahrer sagen. Jede Pedalumdrehung fühlte sich ungewohnt schwer an und das bereits nach 80 der 180 Radkilometer.

Normalerweise grübele ich beim Radfahren nicht wirklich und hole einfach weiter auf, doch dieses Mal wollte ich einfach nur, dass es schnell vorbei ist und die Hitze und die Schmerzen endlich aufhören. Blöd ist nur, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch 90 Rad- und 42 Laufkilometer bis zur erlösenden Ziellinie vor mir hatte. Wer vielleicht schon mal einen Ausdauerwettkampf bestritten hat, kennt sicher die innere Stimme, die einem permanent verführerisch zuzuflüstern scheint: „Mach’ doch einfach etwas langsamer. Es ist doch gar nicht so schlimm, wenn du jetzt aufgibst“. Ja, diese Stimme wurde jede Minute lauter.

Vor dem Rennen hatte ich von einer Platzierung unter den ersten zehn Profis geträumt, da das Rennen international gut besetzt war, doch zu dem Zeitpunkt war mir das Ergebnis völlig egal; ich wollte es einfach nur zu Ende bringen. Ich setzte mir also kleine Ziele und „hangelte“ mich mental von Kilometer zu Kilometer. Ab und zu überholte ich andere Profis und wunderte mich, warum die so langsam waren. Irgendwie begriff ich ganz allmählich, dass die erbarmungslose Hitze und die harten Bedingungen allen Athleten schwer zu schaffen machten. Beim abschließenden Marathon waren es deutlich über 30 Grad im Schatten, die Luftfeuchte betrug annähernd 90 Prozent. Mein innerer Kampf wurde immer härter, und ich wollte diese Tortur nur noch irgendwie beenden. Plötzlich rief mir mein Betreuer zu, dass ich auf Position elf lag. Wow, damit hatte ich nicht gerechnet! Es waren weitere drei Athleten vor mir aus dem Rennen ausgestiegen. Mein Kampfgeist war wieder geweckt. Ich lief auf Position neun vor und konnte es nicht glauben, dass ich mit meiner Leistung bereits in den Top Ten lag. Viele andere Athleten litten einfach noch mehr als ich, und so erreichte ich knapp 20 Minuten später als vorab geplant die erlösende Ziellinie. Völlig fertig beendete ich das Rennen als sehr guter Neunter!

Der Moment beim Überqueren dieser Ziellinie war ein ganz besonderer für mich, denn ich habe mich noch nie so bei einem Ironman gequält. Wenn man der Versuchung widersteht und nicht aufgibt, wird man am Ende doch noch belohnt. So flog ich mit einem guten Ergebnis äußerst zufrieden zurück nach Deutschland und von dort direkt weiter in die Flitterwochen. 2018 war ein tolles Jahr!

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