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ITTF-Präsident Thomas Weikert vor seinem Rückflug am Flughafen in New York.

Tischtennis

Nicht willkommen in den USA?

Dass es die USA mit der Grenzsicherheit ganz genau nehmen, wirkt sich auch auf den Weltsport aus. Faris Al-Sultan, der Trainer des zweifachen Hawaii-Ironman-Siegers Patrick Lange, konnte deshalb seinen Schützling diesmal nicht in die Südsee begleiten. Thomas Weikert, Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF aus Oberzeuzheim, weiß von ähnlich schwierigen Erfahrungen zu berichten.

Hadamar/New York."Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben", heißt es so schön. Er kann allerdings auch etwas erleben, wenn man ihn am Reisen hindern will. So geschehen bei Thomas Weikert, ITTF-Präsident aus Hadamar-Oberzeuzheim. Für den Tischtennis-Weltverband reist er unentwegt rund um die Welt. Vom ersten World-Junior-Circuit-Turnier in Skopje in Nordmazedonien kommend, sollte es für den Juristen weitergehen zu den 1. Parkinson-Weltmeisterschaften in Westchester, einem Vorort von New York. Doch dann nahm das Chaos seinen Lauf.

"Mir wurde erst mal kein Visum für die USA erteilt, weil ich schon einmal für die ITTF im Iran war", erzählt der aktive Tischtennisspieler des TTC Elz. Vier Stunden lang musste er einen Fragebogen ausfüllen, in dem er auf Herz und Nieren geprüft wurde. Alle Auslandsreisen der vergangenen fünf Jahre musste Weikert angeben - eine Herkules-Aufgabe für einen Vielflieger. Selbst über Vater und Mutter des 57-Jährigen verlangte die Einreisebehörde detaillierte Informationen. Das Warten auf das Visum begann.

Zwei Wochen später, einen Tag vor der geplanten New-York-Reise, hat Thomas Weikert tatsächlich sein Zehn-Jahres-Visum bekommen. "Ein Mitarbeiter des Konsulats hatte mich auf Druck des Nationalen Olympischen Komitees (USOC) anrufen müssen", berichtet Weikert, der zuvor in der Tat den USOC-Präsidenten eingeschaltet hatte, "ohne den es nicht funktioniert hätte". Dennoch waren zig E-Mails und Telefonate erforderlich. Weikert: "Skandalös und kaum zu glauben, was die uns eine Arbeit gemacht haben. Zuletzt teilte man uns vom Konsulat mit, der Pass sei fertig, und würde am Donnerstag mit der Post versendet, wohlwissend, dass ich donnerstags schon fliegen musste."

Auf den letzten Drücker

Zwischenzeitlich hatte sich Thomas Weikert auch mit Faris Al-Sultan ausgetauscht. Der Fall des Triathlon--Bundestrainers, der mit seinem Weltklasse-Schützling Patrick Lange nach Hawaii fliegen wollte, war durch die Medien gegangen. Bei dem Bayern war die amerikanische Visum-Software plötzlich über seine arabische Abstammung gestolpert, obwohl er schon seit 20 Jahren in die USA reist. "Die Prüfung war nach 90 Stunden noch nicht abgeschlossen, und der schon einmal verschobene Flug leider auch weg", schrieb Faris Al-Sultan an Weikert.

Seinen Humor hatte der Ironman-Sieger von 2005 trotz der Einreise-Schikane nicht verloren: "Ich bin natürlich davon ausgegangen, dass nach 20 Jahren USA-Reisen und im Zeitalter von Google nicht mehr 007 prüfen muss, ob ich gefährlich bin."

Für Thomas Weikert ist alles auf den allerletzten Drücker noch einmal gutgegangen. Er hat seinen gebuchten Flieger nach New York noch besteigen können. "Ich harre der Dinge, die in New York bei der Einreise kommen", sagte er kurz vor dem Abflug am 10. Oktober, wohl befürchtend, dass der Ärger noch nicht zu Ende sein würde. Was Weikert nach der Landung in den Staaten erlebte, war an Abstrusität dann tatsächlich nicht mehr zu toppen.

"Es ist ein Skandal"

"Es beschleicht einen ein mulmiges Gefühl. Ich habe zwar ein Zehn-Jahres-Visum, aber willkommen bin ich eigentlich nicht." So bringt es der Rechtsanwalt auf den Punkt. Über die weiteren Ereignisse bei der Einreise in New York redet er sich regelrecht in Rage: "Es ist ein Skandal", zürnt Weikert. Bis er seinen Pass bekommen hätte, sei es spätabends gewesen. Nur durch die Intervention des USOC sei das überhaupt möglich geworden: "Ein Desaster."

Am Schalter 75 Minuten Wartezeit, dann habe sich der Officer alles 15 Minuten angeschaut, schildert Weikert seine Erfahrungen. Er wird abgeholt und in einen Raum mit arabisch sprechenden Menschen gebracht. An drei Schaltern werden Befragungen durchgeführt, man kann alles mithören. Dolmetscher sind mit dabei. Der Umgangston: förmlich mit dem Trend zum Unfreundlichen, von einem Lächeln ganz zu schweigen. "Fragen wurden auch nicht beantwortet, mein Mobiltelefon sollte ich ausstellen", sagt Weikert.

Direkt neben ihm wird eine vermutlich indische oder pakistanische Familie in lautem, harschem Ton befragt. Da die Englischkenntnisse beschränkt sind, wird der Officer noch unfreundlicher. Als Weikert Hilfe anbietet, wird er sofort aufgefordert, still zu sein. Nach etwa 25 Minuten Wartezeit ruft eine der Mitarbeiterinnen laut: "Thomas!" "Was heißen sollte: Ich darf jetzt zu ihr kommen. Sie ist mit ihrem Computer beschäftigt, würdigt mich keines Blickes. Nach weiteren zehn Minuten legt sie meinen Pass auf den Tresen, keinerlei Erklärung", berichtet Weikert weiter. "Ich frage, ob ich denn nun gehen könne; sie bestätigt mit einem barschen, lauten Yes. Das war es, ich kann zum Ausgang gehen und bin endlich in den USA angekommen."

Im Frühjahr 2021 richtet der Tischtennis-Weltverband im texanischen Houston die Weltmeisterschaften aus. Spätestens dann wird Thomas Weikert, inzwischen zurück in Deutschland, wieder in die USA einreisen müssen. Ein neues Visum sollte er dafür immerhin nicht brauchen.

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