+

Fußball-Hessenliga

Nichts ist unmöglich

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
    schließen

Angesichts der prekären Infektionslage und allmählich überfüllter Intensivstationen in Deutschland und speziell in Hessen, erscheint es fast vermessen von den Fußballern, danach zu fragen, wann und wie es endlich weitergeht. Dennoch will man auch für die „schönste Nebensache der Welt“ eine gewisse Planungssicherheit. Das Problem: Die gibt es nicht.

Vereine und Kicker halten derzeit im wahrsten Sinne des Wortes artig die Füße still – stehen aber in engem Kontakt zum Verband. So „trafen“ sich jetzt die 20 Vereinsvertreter der Fußball-Hessenliga in einer Video-Schalte mit Klassenleiter Matthias Bausch (Hintermeilingen) und Verbandsfußballwart Jürgen Radeck (Ortenberg). Mit dabei auch der SV Rot-Weiß Hadamar und der TuS Dietkirchen aus dem Fußballkreis Limburg-Weilburg. Ergebnis der virtuellen Zusammenkunft: Es gibt nicht viel Neues seit der jüngsten Vorstandssitzung des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) am 28. November. Eine Entscheidung darüber, wann und wie es weitergeht, kann wohl allerfrühestens im Januar fallen.
In besagter Vorstandssitzung Ende November hatten sich die Verantwortlichen darauf geeinigt, dass es „keinen Modellwechsel“ geben wird. Will heißen: Der Modus, in dem die Saison begonnen wurde, wird auch so durchgezogen. Das Spielmodell darf nicht gewechselt werden. Für die aktuelle Saison in den Amateurligen des HFV bedeutet dies: Gestartet wurde im Modell Hin- und Rückrunde. Dabei muss es jetzt auch bleiben.
Das bringt für die Vereine und vor allem die Spielplanmodellierer eine Menge Stress, weil die Zeit davonrennt und die Termine immer weniger werden. Hessenliga-Klassenleiter Matthias Bausch sagte den Vereinen klipp und klar: „Angenommen, wir könnten etwa um den 20. Februar starten, müssen wir drei Wochen Vorlaufzeit für die Vorbereitung einräumen. Anschließend müssten die noch ausstehenden Spiele der Vorrunde ausgetragen werden. Dann aber geht es zunächst chronologisch weiter wie im Spielplan datiert, und die dann ausgefallenen Partien der Rückrunde würden hinten angehängt.“
Jeder kann sich an fünf Fingern abzählen, was das bedeuten würde: englische Wochen wie am Fließband. Theoretisch möglich ist dieses Szenario selbstverständlich. Nur: Ist es auch praktisch durchführbar? Der körperlichen Fitness der Spieler jedenfalls, die an die Belastungsgrenze gehen müssten, würde alles abverlangt.
Hessenliga: Bindeglied zu den Profi-Ligen
Besonders heikel ist die Situation tatsächlich in der Hessenliga, weil sie zum einen 20 Mannschaften umfasst und zum anderen das sensible Bindeglied zwischen der professionellen Regionalliga und den Amateurvereinen darstellt. Bis zu 27 Spiele stehen in der Oberliga Hessen noch aus. Das wäre bei Start im Februar möglich – allerdings kaum noch bei einer späteren Fortsetzung der Saison. Dennoch muss zumindest die Hessenliga aufgrund der feststehenden unveränderbaren Relegationstermine zur Regionalliga am Wochenende 12./13. Juni beendet sein. Matthias Bausch und Jürgen Radeck sitzen im Teufelskreis gefangen.
Im Zweifelsfall müsste mindestens eine Einfachrunde gelingen, um Meister und Absteiger ermitteln zu können, denn die wird es definitiv geben. „Das macht so alles keinen Sinn“, sagte Verbandsfußballwart Jürgen Radeck angesichts der Unmöglichkeit, jetzt schon einen Spielplan zu erstellen, der vermutlich in Kürze wieder Makulatur sein dürfte. Auch Matthias Bausch mahnt zur Geduld: „Sicher ist im Moment überhaupt nichts. Wir müssen einfach noch abwarten, wie sich die Pandemie entwickelt und was die politischen Entscheidungsträger sagen. Mehr können wir leider nicht tun.“Keine Geisterspiele
In einem Punkt sind sich die 20 Hessenliga-Clubs allerdings mehr oder minder einig: Geisterspiele lehnen sie alle ab. Und wie sieht es mit einer möglichen Reduzierung der Anzahl der Absteiger von derzeit sechs aus? Die wurde zwar bislang von HFV-Seite kategorisch abgelehnt, aber Klassenleiter Bausch zeigte sich zumindest gesprächsbereit: „Darüber werden wir reden und lassen das derzeit von unseren Juristen prüfen“, sagt Matthias Bausch, gab aber zu bedenken: „Natürlich würde eine Reduzierung der Absteiger zugleich auch bedeuten, dass in der nächsten Saison noch mehr Mannschaften in der Hessenliga spielen würden.“
Man dürfe allerdings nicht nur die sportliche Seite sehen, sondern auch die menschliche, wie die jüngste Klage der – unter anderem – drei hessischen Regionalligisten TSV Steinbach, FC Gießen und Eintracht Stadtallendorf gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebs noch in diesem Jahr mit Verweis auf die angespannte Corona-Lage gezeigt hatte. Die Klage wurde inzwischen abgewiesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare