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Nico Schön (am Ball) aus Niederhadamar, hier noch im Trikot des Regionalligisten Montabaur Fighting Farmers, spielt künftig in der höchsten deutschen Football-Liga.

Serie: Supertalente aus dem NNP-Land

Nico Schön schwebt in eine ganz neue Football-Welt

Sie sind die vielversprechendsten Nachwuchssportler der Region. Doch was steckt hinter ihren Top-Leistungen? Wie viel Aufwand müssen die jungen Athleten betreiben? In unserer Serie „Supertalente aus dem NNP-Land“ blicken wir auf den Alltag der Sportler und fragen nach. Heute beschäftigen wir uns mit Footballer Nico Schön, der kommende Saison für Frankfurt Universe spielt.

Deutschland im American Football-Hype, das gab es schon einmal: Zu den Glanzzeiten der Frankfurt Galaxy, die in der ehemaligen NFL Europe viermal den sogenannten World Bowl gewann und im Frankfurter Waldstadion nicht selten vor 30 000 Zuschauern spielte. Inzwischen wurde aus der NFL Europe die German Football League (GFL), aus Galaxy wurde Universe. Der Hype aber ist ungebrochen, nie war das Interesse am American Football in Deutschland größer.

Wenn die Frankfurt Universe in die neue Saison in Deutschlands höchster Spielklasse startet, wird Nico Schön aus Niederhadamar mit dabei sein. Der 20-Jährige wechselt zur kommenden Saison vom Regionalligisten Montabaur Fighting Farmers in die Mainmetropole. Bei den Westerwäldern sorgte Schön in den beiden vergangenen Spielzeiten für Furore. Gleich in seinem ersten Jahr bei den Senioren wurde er von seinen Mannschaftskameraden zum „Rookie of the year“ (bester Neuling, Anm. d. Red.) gewählt, in der Folgesaison sogar zum Offense-MVP, dem wertvollsten Spieler der Offensive.

Die beachtlichen Leistungen des Youngsters waren insofern verblüffend, als er bis zu seinem 17. Lebensjahr für den TuS Dietkirchen in der A-Junioren-Verbandsliga die Fußballschuhe geschnürt hat. „Zunächst habe ich knapp ein halbes Jahr beides parallel gemacht“, sagt er. Das bedeutete dreimal pro Woche Fußball-, zweimal Footballtraining. Dazu jeweils ein Spiel am Wochenende. „Die Belastung war einfach viel zu hoch“, erinnert er sich. „Am Fußball hatte ich in dieser Zeit nicht so viel Freude. Durch einen Freund kam ich dann nach Montabaur und hatte von der ersten Sekunde an Riesenspaß. Es war keine leicht Entscheidung, nach 14 Jahren mit dem Fußball aufzuhören, ich bin aber froh, es gemacht zu haben“.

Zum Bedauern seines größten Unterstützers, seinem Vater Reimund Schön. „Mein Vater hat mich früher schon zu jedem Training und zu jedem Spiel gefahren. Er war etwas traurig, als ich mit dem Fußballspielen aufgehört habe“ berichtet Nico Schön, den mit seinem Vater auch die Leidenschaft zur Frankfurter Eintracht verbindet. „Mittlerweile ist er auch beim Football Feuer und Flamme und bei jedem Spiel, sogar auswärts, mit dabei“, sagt er. „Er schaut sogar die NFL-Übertragungen (US-amerikanische Profiliga, Anm. d. Red.) und natürlich den Superbowl. Mittlerweile kennt er sich wirklich gut aus.“

Die Leistungen des 1,93 Meter großen Senkrechtstarters aus Niederhadamar in der zweiten deutschen Liga GFL 2 und in der Regionalliga bei den Fighting Farmers wurden nicht nur teamintern honoriert, sondern riefen auch gleich mehrere Interessenten aus der GFL auf den Plan. „Ich habe wirklich auf Frankfurt gehofft, auch aus beruflichen Gründen“, sagt der 20-Jährige, der im September vergangenen Jahres eine Ausbildung zum Biologie-Laboranten in Frankfurt-Höchst angetreten und dafür nach Unterliederbach gezogen war. „Ich war froh, dass ich zu einem Tryout (Probetraining, Anm. d. Red.) in Frankfurt eingeladen wurde. Das war das Team, bei dem ich spielen wollte“, erzählt der neue Passempfänger der Universe. „Da habe ich auch ganz gut performed und kam mit den Verantwortlichen direkt auf einen Nenner.“

Von der Tribüne aufs Spielfeld

Das große Ziel der Universe für die kommende Spielzeit ist ganz klar definiert: Die Teilnahme am German Bowl, dem Endspiel um die Meisterschaft der GFL, der am 10. Oktober in der Frankfurter Commerzbank-Arena stattfindet. „Letztes Jahr war ich noch als 

einer von über 20 000 Zuschauern da, dieses Jahr habe ich die Chance, selbst auf dem Spielfeld mit dabei zu sein“, sagt Nico Schön, der im Team der Frankfurter als Wide Receiver, also als Passfänger, vorgesehen ist. Dazu wird sich die Universe in den Play-offs vor allem gegen die Konkurrenz aus Schwäbisch Hall, Braunschweig und Dresden durchsetzen müssen, die allesamt zum Besten gehören, was die deutsche Football-Landschaft zu bieten hat.

Für sich selbst habe er sich das Ziel gesetzt, zunächst in der Mannschaft anzukommen und so viel Spielzeit zu bekommen wie nur möglich, schließlich betritt er in Frankfurt eine „andere Welt“ als noch in Montabaur. „Auch in Montabaur waren wir gut aufgestellt. Aber gerade was die Backups angeht, sind die Teams in der GFL tiefer besetzt“, so Schön, der bei den Farmers auch in den Special-Teams als Kicker und Punter im Einsatz war.

Das liegt unter anderem an einigen Importspielern aus den Vereinigten Staaten. „Die kommen her, um Football zu spielen, und das merkt man auch. In der Regel sind die Imports gesetzt“, sagt Nico Schön, der hofft, in seinem zweiten Jahr in Frankfurt ebenfalls Starter zu sein. „Da bin ich realistisch. Und das ist mein Ziel.“ Die Importspieler, sagt der „Mannebacher“, „können vom Football schon ganz gut leben.“ Das sei aber als deutscher Spieler schwierig, immerhin bekomme er das Equipment gestellt. „Eine gute Ausrüstung kostet schließlich auch gut und gerne 800 Euro. Gerade ein guter Helm ist natürlich wichtig.“ Vor allem kann es Nico Schön kaum erwarten, die Atmosphäre bei den Heimspielen aufzusaugen. „Jedes Spiel ist ein Feiertag, ein Riesenevent. Das war in Montabaur schon groß und wird in Frankfurt noch einmal deutlich größer“, freut sich der Neuzugang und schwärmt von „Halbzeitshows, Livemusik, Cheerleading und natürlich gutem Essen.“

Wann es aber tatsächlich so weit ist, ist noch nicht abzusehen. Offiziell ist der Saisonstart für das Pfingstwochenende angesetzt. Eine endgültige Entscheidung seitens des American Football-Verbandes Deutschland wird bis zum 19. April erwartet. Langweilig wird es dem Frankfurter Neuzugang aber sicher nicht. „Unser Athletiktrainer hat uns einige Übungen zugeschickt, die wir zu Hause machen sollen. Darüber hinaus habe er von seinem Receiver-Coach „einen ganzen Ordner“ mit Übungen und Videos erhalten, in dem es darum geht, die gegnerische Defensive zu lesen und so seine Lauf-Routen für die zahlreichen Spielzüge am besten zu wählen. „Ansonsten setzen unsere Coaches natürlich auch immer voraus, dass wir unser Playbook in- und auswendig kennen.“ Yannick Wenig

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