Beachhandball-Nationalspieler Niklas Haupt wirft per Spinshot aufs Tor.
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Beachhandball-Nationalspieler Niklas Haupt wirft in einer Partie der Beachmopeten per Spinshot aufs Tor.

Beachhandball, Hochtaunus

Niklas Haupt aus Oberursel steht im Aufgebot für die Europameisterschaften

  • Thorsten Remsperger
    VonThorsten Remsperger
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Der Oberurseler Niklas Haupt ist einer von zwölf Spielern der deutschen Beachhandball-Nationalmannschaft. Über einen Sport, der nach rund 25 Jahren trotz Olympia-Ambitionen immer noch ein Nischendasein fristet.

Oberursel -Wenn die Mannen von Jogi Löw dieser Tage bei der Europameisterschaft auflaufen, wünschen sich viele deutsche Fans vor allem eines: Dass es für diese Fußballer eine Ehre ist, für ihr Land spielen zu dürfen und man das an ihren Leistungen auch erkennen kann.

Niklas Haupt ist ebenfalls ein deutscher Nationalspieler. Im Beachhandball. Und wenn der Oberurseler gefragt wird, was er sich für seine Zeit im Nationalteam vorgenommen hat, die mindestens bis zu den Europameisterschaften am Goldstrand von Bulgarien anhalten soll (13. bis 18. Juli), dann sagt er: "Ich bin einfach nur superglücklich, dabei zu sein. Es ist für mich eine Ehre, im Nationaltrikot zu spielen."

Der Vergleich zwischen den millionenschweren Fußball-Profis und Handball-Amateuren wie Niklas Haupt, 26, in der Halle Rückraumspieler beim viertklassigen Oberligisten TSG Münster, Accounting-and-Finance-Student, jobbend als Fitnesstrainer bei der TSG Oberursel (TSGO), ist zugegebenermaßen gewagt. Doch wer die Auszeichnung erfahren hat, in den Kreis der Besten seiner Sportart berufen worden zu sein, für den gelten Grundsätze.

Welche Rolle der Spaß im Sand spielt

Aber, Achtung. Beachhandball, sagen viele, das ist doch gar keine richtige Sportart. Kommt drauf an, wo man sie ausübt oder sich anschaut, werden Experten wie Niklas Haupt entgegnen - wenn sie ehrlich sind. Als die Variante des Hallenhandballs auf Sandplätzen der 90er-Jahre startete, diente sie zur möglichst spaßigen Überbrückung der eigentlich handballfreien Zeit im Sommer. Gerne mit Alkoholkonsum verbunden.

Als Ende des Jahrtausends die TSG Münster aus dem Kelkheimer Stadtteil ihre ersten deutschen Titelgewinne einfuhr, stand selbst bei den ambitionierten Teams der Spaß am feucht-fröhlichen Spektakel im Vordergrund. Noch heute zählen ja Tore nach Kempa-Tricks und Drehungen um die eigene Achse doppelt. Der Fun-Charakter hat sich auch nicht wirklich geändert, als Deutschland in den Nuller-Jahren schon bei Welt- und Europameisterschaften mit einem Team vertreten war (und bei der EM 2004 als Zweiter die bis heute beste Platzierung errang).

Beachhandball geriet schließlich vor ein paar Jahren in den Strom einer weltweiten sportpolitischen Entwicklung, der immer mehr Trendsportarten ans olympische Ufer schwappen lässt. Viele junge Menschen treiben heute anders Sport als früher, und das soll sich bitteschön auch bei Olympia spiegeln. Weil die Chancen nicht unrealistisch waren, auch mit seinem Sommersport ins Programm der Spiele in Paris 2024 aufgenommen zu werden, begann der Deutsche Handball-Bund (DHB) in den einst verpönten Beachhandball zu investieren. Eine Förderstruktur mit Leistungszentren, auch für die Nachwuchsarbeit, wurde aufgebaut.

So trennte sich die Spreu vom Weizen. Auch in der Post-Pandemie-Ära werden ein Großteil der Handballer die Sportart sicher als "just for fun" einordnen. Der weiterhin überschaubare Kreis, der es auch ernst meint mit dem Beachhandball, hat jedoch an Reputation gewonnen.

Da die Sand-Version des Team-Sports weiterhin nicht wirklich flächendeckend ausgeübt wird - in der Pandemie schon gar nicht, in der bis vor kurzem nur die Kaderspieler trainieren durften - stellt es sicher keinen Wettbewerbsnachteil dar, den Beachhandball in der Nähe von einem der acht DHB-Stützpunkte auszuüben. Und in einer Mannschaft mit gewisser Tradition zu spielen.

Zum DHB-Stützpunkt ist es nicht weit

Die Beachmopeten der TSG Oberursel, 2015 gegründet, Vierter bei den bis dato letzten deutschen Meisterschaften 2019 in Berlin, sind so ein Team. Und Niklas Haupt ist seit Jahren ihr Anführer. Im langen Lockdown kam der Mannschaft aus dem Hochtaunus zugute, dass in ihrem Landkreis früh die Lockerungen griffen. Auf der vereinseigenen Anlage an der EKS-Schule kann wieder fleißig trainiert werden (dreimal die Woche) - früher, als andere Teams das durften", weiß Haupt.

Die Lust auf die Sommervariante ist womöglich so groß wie nie, weil für den Hallenhandball ja seit mehr als einem Jahr so gut wie gar nichts ging. Prompt gab's ein prima Ergebnis beim Re-Start-Turnier an der Ostsee (siehe auch Extra-Text).

Nationalspieler ist Niklas Haupt freilich schon seit Dezember. Beim DHB-Lehrgang in Witten war der Oberurseler, der bei der TSGO das Handball-Ein-mal-eins erlernte und auch schon für die HSG Steinbach/Kronberg/Glashütten spielte, erstmals dabei. Berufen hatte ihn Nationaltrainer Konrad Bansa, Beachhandball-Ikone der TSG Münster und früher selbst Nationalspieler im Sand. In Kelkheim (im Schwimmbad) ist auch der nicht weit entfernt liegende DHB-Stützpunkt verortet.

"Mit einer weiteren Einladung habe ich dann gar nicht mehr gerechnet", erzählt Haupt. Doch sie kam. Wie auch für Sebastian Jacobi und Stefan Mollath von der TSG Münster, die mit dem Team Beach & Da Gang 2018 und 2019 den Gewinn der deutschen Meisterschaft feierten. Der Ex-Oberursel Bennet Wienand (SG Bruchköbel) steht auf Abruf bereit.

Auch zwei Talente der TSGO gehören zur nationalen Elite: Claire Ramacher, Enkeltochter des früheren Ober-Eschbacher Meister-Spielers Hansjörg Müller, und Sören Kilp, Sohn des Bundesliga-Schiedsrichters Michael Kilp, sollen bei der Jugend-EM (ebenfalls im Juli in Bulgarien) auch für Deutschland spielen.

Für Niklas Haupt und die DHB-Auswahl geht's ab morgen für sechs Tage ins Trainingslager. Nach Gran Canaria. Bezahlt vom DHB. Auch wenn inzwischen klar ist, dass der Sport in drei Jahren nicht ins Olympia-Programm aufgenommen wird und die Zukunft des Beachhandballs als Leistungssport wieder mal ungewiss ist.

"Dabei sein, ist für mich alles", gilt für Haupt das olympische Motto. Natürlich möchte er sich vor allem für die vierköpfige Angriffsformation empfehlen, mit der Deutschland in die EM startet. Da er Corona-bedingt sehr viel Zeit zu Hause verbracht habe, freue er sich aber auch auf einen "kleinen kostenlosen Urlaub".

"Orscheler" Teams stürmen an der Ostsee bis ins Finale

Sie konnten es kaum erwarten, wieder bei einem Turnier mitzuspielen. Bis an die Ostsee sind die Beachhandballer, die in der Halle für die TSG Oberursel spielen oder dies schon einmal taten, gefahren, um beim Re-Start ihrer Sportart dabei sein zu können: als Beachmopeten (Männer) und Flying Ducks (Frauen). Ausgerechnet gegen ihren großen Konkurrenten aus der Taunus-Region ging es für die Mopeten los. Beach & Da Gang Münster standen den Orschelern Sandspezialisten am Strand von Damp gegenüber. Die waren Deutsche Meister in den Jahren 2018 und 2019 - als Corona, wenn überhaupt, nur mit einer Biersorte in Verbindung gebracht wurde.

Die Beachmopeten Oberursel beim Turnier in Damp an der Ostsee.

"Wir haben sie 2:1 im Shoot-Out geschlagen", freute sich Niklas Haupt, Kapitän der Beachmopeten, deren vierter Platz bei der DM 2019 der bis dato größte Erfolg ist. Seiner Mannschaft gelang noch ungefährdete 2:0-Siege gegen die zumindest klangvolle Konkurrenz von Torpedo Tannenkrug und das U17-Nationalteam (Beach Eagles). Nur gegen die Beachraptors aus Minden unterlag man 1:2. Am nächsten Tag wurde der Finaleinzug gegen die Sierra Sombreros (2:1) und Beach Eagles (2:0) geschafft. Im Endspiel ging den Beachmopeten dann gegen die Nordlichter aus Oldenburg die Puste aus - 0:2. Die TSGO-Frauen Flying Ducks bejubelten ebenfalls Platz zwei, es siegten die Beachunicorns Hannover. Die Männerteams aus Oberursel und Münster sind übrigens für die deutschen Meisterschaften in Düsseldorf (25. bis 27. Juni) gesetzt.

Für die Beachmopeten spielen mit Timo Günther und Luca Gogolin zwei TSGOler, Robert Eichelberg hütet sonst für die HSG Steinbach/Kronberg/Glashütten das Tor. Unter den restlichen Spielern Niklas Weisbrod, Phil-Lukas Ljubic, Robert-Oliver Avemann, Marcel Bauer, Niklas Haupt sowie den Brüdern Felix und Filip Brühl befinden sich mehrere frühere Oberurseler.

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