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Genießt das Leben - wie hier im Urlaub in Kroatien - und macht sich dennoch viele Gedanken: Niklas Rhein steht mit beiden Beinen im Leben.

Serie: Die Kapitäne

Niklas Rhein: "Einen Trainer gebraucht, der mir Vertrauen schenkt"

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
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Sie genießen den Respekt ihrer Mitspieler und der Trainer, tragen die Binde am Arm mit Stolz und haben etwas zu sagen: die Kapitäne. Im Vereinsdress auf dem Platz kennt man sie als "Leader" ihrer Mannschaft. Wir wollen wissen, wer der Mensch ist, der in diesem Trikot steckt. Heute lernen wir Niklas Rhein vom Kreisoberligisten TuS Frickhofen kennen.

Er kam, sah und wurde Kapitän: Niklas Rhein, Spielführer des Kreisoberligisten TuS Frickhofen. Vor zwei Jahren, als er zu dem Dornburger Traditionsclub gewechselt war, hatte die (sportliche) Welt des 23-Jährigen nicht wirklich rosig ausgesehen. Eine wahre Verletzungs-Odyssee hatte hinter ihm gelegen. In einem Punktspiel in der Regionalliga Südwest für die Eisbachtaler A-Junioren war es passiert: Knorpelschaden, Kniescheibe verschoben, Kreuzband angerissen, Schleimbeutel verklebt, Zysten im Gelenk. Schlimmer hätte es nicht kommen können. Träume zerplatzten von jetzt auf gleich. Eine lange Leidenszeit stand bevor.

Niklas Rhein trug es mit Fassung, verlor nie den Glauben an sich selbst, biss sich durch. Und er versuchte einen Neuanfang bei der Eintracht Glas-Chemie Wirges. Jetzt machte aber der Fuß Probleme. Es wollte einfach nicht so recht werden. Dann trat Metin Kilic auf den Plan. Seinerzeit Jugend-Koordinator und -trainer bei den Eisbachtaler Sportfreunden und inzwischen Trainer beim TuS Frickhofen wusste er um die Fähigkeiten Niklas Rheins, kannte ihn von Kindesbeinen an und fragte ihn, ob er nicht zu den Grün-Weißen kommen wolle. Niklas Rhein überlegte nicht lange und ging den Schritt. Bereut hat er es bis heute keine Sekunde: "Ich habe damals einen Trainer gebraucht, der mir sein Vertrauen schenkt", sagt er. In Metin Kilic fand er das. Der zögerte seinerseits nicht lange und ernannte Niklas Rhein in der Saison 2019/20 kurzerhand zum Kapitän.

"Ich wusste ja, dass Niklas ein Leader-Typ ist", erklärt der TuS-Trainer seine damaligen Beweggründe. "Er ist ein ehrlicher Typ, versteckt sich nicht, ein echter Teamplayer. Und er passt perfekt in das System, das wir spielen. Er ist taktisch clever und für sein junges Alter schon sehr gut geschult." Obwohl völlig neu in der Frickhöfer Mannschaft, war es für Niklas Rhein überhaupt keine Frage, die Kapitänsbinde anzunehmen: "Ich kannte das schon. In der Rheinland-Auswahl war ich auch Spielführer. Aber ich habe vorher natürlich auch die älteren und etablierten Frickhöfer Spieler gefragt, ob das klar geht."

In seiner wichtigen Funktion versteht sich der junge Mann aus Heiligenroth als verlängerter Arm des Trainers auf dem Platz, koordiniert die taktischen Abläufe und gibt seinen Teamkameraden die Tempowechsel vor. "Ein Kapitän muss Verantwortung tragen - auf und neben dem Platz", sagt Metin Kilic. Und das tut sein "Captain" auch.

Es gibt viel zu tun. Niklas Rhein erklärt: "Ich sehe mich als Vertrauensmann, rede viel mit dem Trainer und natürlich mit dem Mannschaftsrat." Dieser setzt sich aus Fabian Schmidt, Utku Kaya, Moritz Müller und Philipp Röder zusammen und tagt in der Regel einmal die Woche. Der Mannschaftsrat ist auch für Coach Metin Kilic eine wichtige Institution. "Ich stelle mich natürlich auch selbst der Kritik und frage regelmäßig, was wir besser machen könnten", sagt der Elzer, der sein Team in der Corona-Abbruch-Saison immerhin zur Vizemeisterschaft geführt hatte. Sein Trainer ist für Niklas Rhein "Kumpel-Typ und Autoritätsperson" zugleich, wie er sagt.

Neben der Arbeit ein Fernstudium

Und was macht Niklas Rhein sonst so? Der gelernte Elektromonteur hat es inzwischen zum Elektrokonstrukteur gebracht und plant Automatisierungen. Doch das genügt ihm noch nicht. Nebenher absolviert er gerade ein Fernstudium mit dem Ziel: staatlich geprüfter Elektrotechniker. "Jedes Jahr ohne Weiterentwicklung ist kein Fortschritt", so sein Lebensmotto.

Die restliche, knapp bemessene Freizeit verbringt Niklas Rhein natürlich am liebsten mit seiner Freunde Selin. Mit ihr und dem gemeinsamen Freundeskreis waren sie - vor Corona - meistens im Großraum Montabaur/Koblenz unterwegs. Inzwischen haben sich die Freizeitbeschäftigungen logischerweise verschoben. Wenn das Wetter mitspielt, fährt Niklas Rhein gerne mal mit dem Rad durch den Westerwald.

Am allerliebsten aber steht Niklas Rhein mit seinen Teamgefährten auf dem Sportplatz. Ist die Versuchung nicht groß bei der langen Abstinenz, dem Fußball den Rücken zu kehren und eine andere Sportart auszuprobieren? "Niemals", sagt er. "Ich kicke seit ich zwei, drei Jahre alt war. Das gehört zu meinem Leben."

In unserer nächsten Folge geht es um einen jungen Mann, der nicht nur eingefleischter Fan des FC Bayern München ist, sondern auch seine Liebe zum American Football entdeckt hat.

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