Noch viel Sand im Ginsheimer Getriebe

Hessenligist VfB Ginsheim verliert gegen Drittligist SV Wehen Wiesbaden mit 0:10. Trainer Lemm spricht über Saisonziele, Weiterentwicklung von Spielern und einen namhaften Trainingsgast.

Volles Programm für die Hessenliga-Fußballer des VfB Ginsheim am vergangenen Samstag: Erst versammelten sie sich beim Fototermin, dann war gemeinsames Mittagessen im Vereinsheim angesagt, ehe sie die Schussstiefel zum Testspielauftakt schnürten. Gegen Drittligist SV Wehen Wiesbaden setzte es eine deftige 0:10-(0:5)-Niederlage. Es zeigte sich überdeutlich, dass die Profis schon seit zwei Wochen wieder trainieren – eine Woche länger als der VfB.

Aber auch die Defensivleistung des Hessenligisten ließ arg zu wünschen übrig: „Wir haben viel zu offen gestanden“, berichtet Sportlicher Leiter Marcus Spahn. Also kassierte der VfB Tore von Nicklas Shipnoski (9., 31.), Stephan Andrist (26.), Manuel Schäffler (37./40.), Dominik Martinovic (51.), Kofi Kyereh (56./61.), Steven Ruprecht (58.) und Jules Schwadorf (87.).

Nicht dabei war Eray Eren, der als Gastspieler bei Regionalligist Offenbacher Kickers (8:0 in Nauheim) mitwirkte. Lukas Görlich fällt wegen eines Fußbruchs zwei bis drei Monate lang aus. Es handelt sich um einen Ermüdungsbruch, den der Offensivspieler im Training erlitt. Atacan Karatas ist verreist. Drei Neuzugänge fielen ebenfalls aus: Nico Siegert, vom SV Gonsenheim gekommen, war beruflich verhindert. Stephan Kaul (zuletzt SVG Göttingen) plagt ein Fersensporn.

Und Alexander Scholz, den der VfB vom Hessenliga-Aufsteiger FC Eddersheim geholt hat, musste wegen eines Blutergusses in der Wade passen. Das schmerzhafte Ergebnis eines Zweikampfs mit einem namhaften Trainingsgast: Uwe Hesse (30), zuletzt bei Zweitligist SSV Jahn Regensburg unter Vertrag, ist auf der Suche nach einem neuen Verein. Der Astheimer hat noch nicht entschieden, ob er es nochmal im Profibereich wissen will. Oder ob er seine Karriere in einer tieferen Klasse ausklingen lässt. Vielleicht ja beim VfB? Dort würde Hesse mit zwei weiteren Astheimern, Jörg Finger und Torhüter Lukas Langenstein, zusammenspielen.

Nach den Zielen für die neue Saison gefragt, legt sich Trainer Artur Lemm nicht auf einen Tabellenplatz fest. Der Übungsleiter, der in sein sechstes Jahr beim VfB geht (viereinhalb davon im Trainergespann mit Carsten Hennig), erinnert vielmehr an die kontinuierliche Weiterentwicklung der Mannschaft in jüngerer Vergangenheit. Eine fußballerische Evolution, die zur Gruppenliga-Meisterschaft 2014 und zum Verbandsliga-Titel 2017 geführt hat. Aber der Klassenerhalt in der Hessenliga, den der VfB in der vergangenen Saison als Achtplatzierter schaffte, „steht über allem“, sagt Lemm. Diesen Prozess will der Trainer fortführen.

Die Grundlage sieht er in einer durchdachten Kaderplanung, die mit viel Arbeit verbunden sei: „Es bieten sich wahnsinnig viele Spieler an.“ Allein im Mai habe der VfB 28 Fußballer im Probetraining gehabt. Dabei lädt Lemm grundsätzlich nur Spieler ein, die potenziell als Neuzugänge sinnvoll und denkbar sind. Dazu kommen viele Gespräche mit den Kandidaten, um einschätzen zu können, ob sie charakterlich ins Team passen. Auch die Führungsspieler des Teams würden nach ihrer Einschätzung gefragt. Zuweilen komme eine Neuverpflichtung auch durch den Tipp oder die Vermittlung eines VfB-Spielers zustande.

Spieler weiter zu entwickeln, beschreibt Lemm als komplexe Aufgabe. Stürmer Mahdi Mehnatgir beispielsweise habe, als er in der vergangenen Saison aus der Kreisoberliga zum VfB kam, nur die Formel gekannt: Vor Gegners Tor den Ball annehmen, zwei, drei Gegenspieler umdribbeln – und das Runde ins Eckige schießen. Der Zwanzigjährige habe lernen müssen, dass er als Stürmer im Ginsheimer Spielsystem der Erste sei, der den ballführenden gegnerischen Spieler anlaufen müsse.

Grundsätzlich gelte es für die VfB-Fußballer, eine leistungssportgerechte Einstellung zu haben. „Das müssen wir dann fördern“, sagt Lemm. „Wir“, damit meint er sich und seinen neuen Co-Trainer, Matthias Güldener vom FC Basara Mainz.

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