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Wolfgang Kaufmann.

Jahresrückblick Motorsport 1

Nordschleife: Kaufmanns „heimliche Liebe“

Der Molsberger Wolfgang Kaufmann ist seit Jahrzehnten einer der erfolgreichsten Rennsport-Profis Deutschlands.

Die Nordschleife des Nürburgrings ist so was wie meine „heimliche Liebe“. Eine Rennstrecke nach alter Machart, die den Fahrer fordert, die Fans noch relativ nah ranlässt, also noch wirklich die Leidenschaft im Rennsport fördert. Dort zu fahren, ist für mich eigentlich immer ein Genuss, eine Freude. Aber auch in der Liebe gibt es manchmal schwere Zeiten – wie bei mir 2018. Klar, hat das Fahren mit dem Kremer Racing Porsche 997 K3 in der Langstreckenmeisterschaft wieder Spaß gemacht. Jeder Meter auf diesem faszinierenden und geschichtsträchtigen Asphaltband reißt mich immer wieder aufs Neue in den Bann.

Doch vor der Entwicklung in der Serie und speziell in der Gruppe H, in der wir angetreten sind, darf man die Augen nicht verschließen. Immer mehr Werks- oder Semiwerksfahrzeuge drängen in die Serie. Auch werden professionellen Eigenentwicklungen – wie unser sehr schneller, von den Fans geliebter Kremer Porsche 997 K3 – immer mehr Felsbrocken in den Weg gelegt. Die Emotionen verblassen und machen dem Geschäft Platz. So etwas lässt eine Klasse entweder direkt sterben oder einen Teilnehmerzuwachs gar nicht erst zu.

Natürlich gab es in meinem Motorsportjahr auch Positives: Ein Highlight 2018 war für mich das Nürburgring-Classic-Wochenende. Mit einem leistungsmäßig eigentlich unterlegenen Porsche 911 RS durfte ich mit Eberhard Baunach und dem Team Porsche Kremer Racing bei zwei historischen Rennen antreten. Die Nordschleife war im Langstreckenrennen gut zu mir, und wir konnten trotz Technik-„Gremlins“ einen Klassensieg einfahren. Dazu ein Klassensieg in der FHR 100 Meilen Trophy, Erfolg auf ganzer Linie! Ich hoffe, dass ich neben meinen Einsätzen im modernen Motorsport immer mal wieder auch diese alten Schätze steuern darf. Den Gegensatz zwischen moderner High-Tech und der Geschichte des Motorsports erfahren zu dürfen, ist immer ein Erlebnis.

Dazu zählt auch der Jägermeister Kremer Porsche 935, ein Donnerhall von Rennauto. Den durfte ich erneut beim Oldtimer-Grand-Prix in der Eifel fahren. 600 oder 700 PS, davon wenig unten herum, und irgendwann schlägt der große Hammer zu. Fantastisch! Eine kleine Abschiedstournee gab es noch: Der Ford Escort RS 1600, mit dem ich mit Besitzer Dieter Dörmann viele Erfolge in der Youngtimer Trophy eingefahren habe, wurde in Imola in der Classic Endurance Serie zum letzten Mal eingesetzt.

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