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"Nullfünfer" verlieren das Topspiel mit unschönem Ende

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Von: Thorsten Remsperger, Stefan Fritschi

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Die Spieler des FC Oberstedten bejubeln das 2:1 in letzter Minute.
Die Spieler des FC Oberstedten bejubeln das 2:1 in letzter Minute. © Heiko Rhode

Titelaspirant SG Ober-Erlenbach muss gegen die SG Oberhöchstadt mit einem 2:2 leben. Kurioses ereignet sich beim spannenden Derby in Oberstedten.

Hochtaunus -Zweikampf statt "flotter Dreier" im Titelrennen: Nach der dramatischen 2:3-Niederlage gegen Teutonia Köppern hat die SpVgg 05/99 Bad Homburg wohl keine reelle Chance mehr, die Meisterschaft in der Fußball-Kreisoberliga Hochtaunus zu gewinnen. Titelfavorit SG Ober-Erlenbach kam derweil nicht über ein 2:2 gegen die SG Oberhöchstadt hinaus. Im Abstiegskampf feierte die Usinger TSG II einen Sieg über Kronberg, ebenso der SV Seulberg bei den SF Friedrichsdorf II.

SpVgg 05/99 Bomber Bad Homburg - Teutonia Köppern 2:3 (2:0): Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein. Bei traumhaftem Wetter wurde den Zuschauern am Sonntag beim Topspiel in der Kreisoberliga zwischen der Spielvereinigung 05/99 Bomber Bad Homburg und Spitzenreiter Teutonia Köppern (2:3) bis zur letzten Sekunde ein spannendes Spiel mit einem leider unschönen Ende geboten. Ein Ende, das im Fußball eigentlich keinen Platz hat - dazu später mehr.

Die "Nullfünfer" hatten Probleme, ins Spiel zu kommen. Teutonia erwischte den deutlich besseren Start. Top-Torschütze Christian Kaus (19 Tore) hatte mehrere Möglichkeiten, die er aber nicht nutzte. Überraschend traf im Gegenzug Leon Fynn Mainert per Kopf zum 1:0 für die Bad Homburger (20.). Vorausgegangen war ein Freistoß von der Mittellinie, den Shahewer Ali mit dem Kopf in die Mitte ablegte. Mainert verwertete die Vorlage exzellent.

Mit dem Treffer wurden die "Nullfünfer" selbstbewusster. Der Offensivdrang der Bad Homburger zahlte sich aus: Ali erzielte durch eine tolle Einzelaktion das 2:0 (27.). Beide Mannschaften beendeten die erste Halbzeit nicht mit elf Spielern. Nach einer Rudelbildung in der 32. Minute hatten Kaus sowie der Homburger Alejandro Staudenmaier jeweils wegen klaren Tätlichkeiten die Rote Karte gesehen.

Nach der Pause machten die Gäste gleich Druck: Torhüter Mihailo Krsmanovic verhinderte mit einer super Reaktion gegen Fabian Bannert den Anschlusstreffer, kurze Zeit später traf Jakob Kovacic den Pfosten (50.). Die Bad Homburger verteidigten über weite Strecken gut und überließen den Köppernern den Ballbesitz. Erst in der 83. Minute schob der freistehende Tim Junghahn nach einer Flanke von Bannert zum 2:1 ein. Das setzte neue Kräfte beim Tabellenführer frei. Mit einem wunderschönen Freistoß direkt in den Winkel traf Carsten Hoffmann zum 2:2 (87.).

Aber das sollte es noch nicht gewesen sein. Teutonia lief weiter unermüdlich an, die Spielvereinigung verteidigte leidenschaftlich. Dabei half die zehnminütige Zeitstrafe von Torjäger und Trainersohn Kevin Haub (13 Tore) allerdings nicht weiter (90. + 2). Mit dem letzten Angriff kombinierte Köppern zum 3:2-Siegtreffer durch Ulrich Strenkert. "Normal musst du hier mindestens einen Punkt holen, weil wir in der ersten Halbzeit besser waren", ärgerte sich Bad Homburgs Trainer Ralf Haub.

Nach dem Abpfiff kam es zu tumultartigen Szenen zwischen beiden Mannschaften. Die Lage war unübersichtlich, es bildete sich eine riesige Menschentraube am Spielfeldrand. Ein Köpperner Ersatzspieler verließ das Feld mit blutender Nase. "So etwas will man nicht sehen, das gehört einfach nicht dazu", sagte Teutonia-Trainer Alexander Fievet, "ich hoffe, wir können den Sieg trotzdem etwas genießen." Am Ende eines spannenden Topspiels standen dadurch aber beide Teams als Verlierer da. FYNN HORNBERG

FC Oberstedten - FC Weißkirchen 2:1 (1:1): Leo Caic gehört zweifelsohne zu den Trainern, die gerne Einfluss aufs Spiel nehmen. Gestern Nachmittag war der 52-Jährige beispielsweise des Öfteren bis auf die andere Seite des Rasenplatzes im Oberstedtener Tannenwald zu hören, als sein Team drohte, gegen Außenseiter FC Weißkirchen das Heft aus der Hand zu geben. Dass er aber seine Schuhe verleihen muss, damit es mit dem Siegtreffer für seinen FC Oberstedten noch klappt, ist dem Fußballlehrer auch noch nicht passiert.

"Ich hatte beim Schießen in den Boden getreten, deshalb sind meine Schuhe kaputtgegangen", erläuterte Nouri Jegham, Siegtorschütze zum 2:1. Zehn Minuten vor dem Abpfiff hatte das Oberurseler Stadtteilduell überraschenderweise aufgrund der engagierten Vorstellung der abstiegsbedrohten Gäste Spitz auf Knopf gestanden. Der Gang in die Kabine, hoch in den ersten Stock des Vereinsheims, hätte für Jegham zu lange gedauert. Caic konnte seinem torgefährlichen Spielgestalter sogleich aushelfen. Die beiden tauschten die Fußballstiefel flugs am Spielfeldrand, die kaputten grellgelben gegen die recht neuen schwarzen.

"Ich habe mir meine Sportschuhe auf unserem Platz schon mehrfach versaut, deswegen ziehe ich nur noch Fußballschuhe an", sagte Caic, "ein paar Jungs haben die gleiche Schuhgröße wie ich und wissen, dass sie im Notfall auf mich zukommen können." Dass Jegham mit den Ersatzschuhen ("Sie waren ein bisschen zu groß") die Partie entschied, war die kuriose Pointe eines Derbys, das eigentlich keinen Sieger mehr verdient gehabt hatte. Das musste auch Caic zugeben, betonte zugleich aber das Chancenplus aufseiten seiner, bereits seit Anfang Oktober ungeschlagenen Mannschaft.

Tatsächlich hatten die Oberstedtener den frühen Schock durch die Verletzung ihres Top-Torjägers Ruhullah Mahbubi (siehe Extra-Text) gut weggesteckt. Nach dem Führungstor durch Jeghams Elfmeter (9.) besaßen Hamid Faquir (13.) und Anton Alpermann (29.) beste Einschussmöglichkeiten. Doch Faquir hob aus abseitsverdächtiger Position den Ball über das Tor, und der für Mahbubi gekommene Alpermann schoss freistehend vorbei - in Szene gesetzt vom erst 18-jährigen Luca Kallinich, der einen starken Einstand bei den Kreisoberliga-Männern feierte.

Wie aus heiterem Himmel fiel der Ausgleich: Nach einem langen Ball von Adrian Augustincic hatte Rachid El Malki, der sich geschickt um Petar Pijanovic drehte, gleich die erste Chance für Weißkirchen genutzt. Nach dem Wechsel sollten aber noch weitere hinzukommen, als die lauf- und einsatzfreudigen Gäste mehr fürs Offensivspiel taten. FCO-Torwart Felix Becker musste in höchster Not nach einem Flugkopfball von Pascal Metzger (63.) und einer eigenen Unsicherheit gegen El Malki (65.) klären. Schließlich versagten dem eingewechselten Umut Kaya die Nerven, als er - alleine auf Becker zulaufend - neben das Tor schoss (78.).

"Ich bin zufrieden, die Jungs haben gut gekämpft, wir konnten mit einem der stärkeren Gegner der Klasse mithalten", lobte Weißkirchens Trainer Feliks Vajagic, dessen Team in dieser Form auch für die siebte KOL-Saison in Serie planen kann. "Umso bitterer", sagte Vajagic aber auch, "ist unsere Niederlage." Zunächst hatte Jegham - bereits in Caics Schuhen spielend - mit einem Distanzschuss nur die Latte gestreift (87.), dann war der tunesische Ex-Profi mit seinem 13. Saisontor zur Stelle. In der ersten Minute der Nachspielzeit hatte ihn Faquir in Szene gesetzt, ehe Jegham mit rechts den Ball über den herausstürzenden Torwart Julian Ingrisch in die Maschen hob. Dazu passt, dass Jegham gestern seinen Vertrag beim FCO bis 2023 verlängerte. Die Fußballstiefel musste der Siegtorschütze freilich wieder abgeben. "Im Notfall", lächelte Jegham, "können wir aber wieder zum Trainer gehen."

Viel Aufregung in fairem Derby: Zeitstrafe, Rote Karte und eine schwere Verletzung

Den Derbysieg musste der FC Oberstedten teuer bezahlen. Denn die Rückkehr von Torjäger Masiullah Mahbubi (16 Saisontreffer) dürfte länger dauern als die von Kapitän Tobias Eichsteller (Gürtelrose) und Mittelfeldmotor Christian Füssel (Covid-19), die am Sonntagnachmittag beide nur zusehen konnten.

Mahbubi war nach einem Pass in die Tiefe vom herauseilenden Torwart Julian Ingrisch an der linken Strafraumgrenze von den Beinen geholt worden. Kein böses Foul, das korrekterweise einen Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Jeremias Eckmann (Großkrotzenburg) nach sich zog. Doch Mahbubi fiel in der Szene nach fünf Minuten so unglücklich auf die Schulter, dass er sie sich wahrscheinlich ausgekugelt hat. Oberstedtens afghanischer Stürmer stand nach ein paar Minuten mit schmerzverzerrtem Gesicht von alleine wieder auf und wurde vom Krankenwagen abgeholt.

Gemeinsam mit Nouri Jegham bildet Mahbubi in dieser Saison Oberstedtens kongeniales Sturm-Duo. Auch Doppel-Torschütze Jegham konnte derweil das Spiel nicht beenden. Er war nach seinem Tor zum 2:1 mit einer provozierenden Geste auf Schlussmann Ingrisch zugelaufen und bekam dafür nach dem Torjubel von Schiedsrichter Eckmann eine Zehn-Minuten-Strafe aufgebrummt. Jegham habe sich darüber aufgeregt, so der Stürmer selbst, dass Ingrisch kurz zuvor nicht zugegeben habe, bei einem Schuss noch am Ball gewesen zu sein. Wenn dem so gewesen wäre, hätte es Eckball geben müssen. "Wir sind doch nur Amateure, da kann man doch ehrlich sein", ärgerte sich Jegham.

Dass sein Mannschaftskollege Hamid Faquir wegen eines taktischen Fouls direkt nach Wiederanpfiff die Rote Karte sah, verwunderte nicht nur den fassungslosen Sünder selbst. Oberstedtens Trainer Caic veranlasste dies, mit dem Unparteiischen nach dem Schlusspfiff zu diskutieren. Faquir hatte Adrian Augustincic 40 Meter vor dem Tor gestoppt, ohne eine Chance gehabt zu haben, an den Ball zu kommen, ihn dabei aber nicht übel gefoult. THORSTEN REMSPERGER

SG Ober-Erlenbach - SG Oberhöchstadt 2:2 (1:0): In der Endphase glich Yassin Ennaji noch aus, Torwart Adrian Fischer ließ sich aus der Distanz düpieren. "Wir sind sehr enttäuscht, haben nicht gut gespielt. Zwar hatten wir viel Ballbesitz, konnten aber fast keine Torchance kreieren", sagte Ober-Erlenbachs Trainer Ramzi Kallel. Nur vier Möglichkeiten zählte er - für die offensivstärkste KOL-Mannschaft natürlich viel zu wenig.

Als Niklas Kraus vom Elfmeterpunkt früh zum 1:0 traf - er war zuvor auch gelegt worden - deutete sich der 14. Sieg an. Doch die Gäste waren gut eingestellt, ließen wie schon in der Hinrunde dem Favoriten wenig Entfaltungsmöglichkeit. Mitte der zweiten Hälfte wurde es turbulent, als zunächst Ennaji aus abseitsverdächtiger Position ausglich und kurz darauf Cedric Heller das 2:1 markierte.

Tore: 1:0 Kraus (13., FE), 1:1 Ennaji (61.), 2:1 Heller (65.), 2:2 Ennaji (85.).

FC Neu-Anspach II - DJK Bad Homburg II 3:0 (2:0): Schwungvoll begann der Favorit, und nach Kombination über die Außenbahn brachte Manuel Müller den neuen Tabellendritten schon in der 3. Minute in Führung. Ähnlich fiel der zweite Treffer, diesmal traf Caglayan Karagöz (7.). Nach einer Viertelstunde schalteten die Anspacher gegen recht passive Homburger mindestens einen Gang zurück. Dies reichte aber, um die Spielkontrolle zu behalten. War die DJK mal im Ballbesitz, machte der Gastgeber die Räume eng oder setzte auf Pressing. Nur eine Chance hatte der Tabellenletzte, als eine Kontersituation entstand. Etwa eine Viertelstunde vor Schluss machte Karagöz mit einem leicht abgefälschten 18-Meter-Schuss jedoch alles klar.

Tore: 1:0 Müller (3.), 2:0 Karagöz (7.), 3:0 Karagöz (74.).

Usinger TSG II - EFC Kronberg 1:0 (0:0): Es lief bereits die 89. Minute, da behauptete sich Hüseyin Durak im Mittelfeld, setzte dann Luka Juko in Szene, und der Stürmer traf am herauseilenden Torwart Nicholas Seiler vorbei ins lange Eck zum 1:0. Juko riss sich vor Freude das Trikot vom Leib, der Jubel im UTSG-Lager war entsprechend ausgelassen.

"Der Glücklichere hat gewonnen. Wir waren nur ein Mal vorm gegnerischen Tor", konnte es Trainer Rainer Birkenfeld kaum fassen, dieses Spiel erfolgreich beendet zu haben. Die Usinger setzten in dem fairen Abstiegsduell auf eine stabile Defensive, der EFC hatte spürbar mehr Spielanteile. hundertprozentige Chancen konnte er aber auch nur zwei kreieren, in beiden Situationen bewährte sich Torhüter Benjamin Fuchs.

Tor: 1:0 Juko (89.).

SF Friedrichsdorf II - SV Seulberg 2:4 (0:3): Zwei unterschiedliche Halbzeiten: In der ersten hatten die Seulberger Vorteile, in der zweiten die Friedrichsdorfer. Mit einem Konter fünf Minuten vor Schluss erlöste Mario Dodik den SVS. "Der Sieg ist verdient. Unser Kampfgeist war groß, alle haben an einem Strang gezogen", sagte Thomas Pflüger vom Spielausschuss. Mit einem Weitschuss brachte Liberato Aiello die Gäste in Führung. Dann war es Dodik, der per Seitfallzieher traf. Kurz vor der Pause erhöhte Aiello - wieder aus der Distanz. Nach der Pause legten die Friedrichsdorfer zu, übten Druck aus in dem nun ziemlich intensiven Spiel. Binnen weniger Minuten stellten die Sportfreunde den Anschluss her und waren drauf und dran, das 3:3 zu erzielen, ehe Dodik zuschlug.

Tore: 0:1 Aiello (9.), 0:2 Dodik (20.), 0:3 Aiello (44.), 1:3 Kovacevic (55.), 2:3 Juric (60.), 2:4 Dodik (85.).

SGK Bad Homburg - SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach 1:3 (1:2): Es wird vermutlich ein Nachspiel geben. Laut SGK-Trainer Vladimir Todorovic habe Gholamreza Ahmadi die Rote Karte erhalten nach einem Wortwechsel mit dem Schiedsrichter, als Al Amri Saleh für ihn wieder eingewechselt worden war (75.). Der Referee sah dies anders, Saleh musste wieder vom Feld. Über einen Einspruch werde nach Auswertung der bewegten Bilder entschieden. Todorovic: "Wir hatten einen Kameramann dabei." Zudem habe der Referee der SGK einen Strafstoß verweigert, als Eghosa Osagie zu Fall kam. Während die SGWP sehr effizient agierte, vergaben die Kirdorfer drei Großchancen für Marco Schäfer (2) und Ikemba Bankunye.

Tore: 0:1 Selzer (20., FE), 1:1 Saleh (35.), 1:2 Selzer (45.+1), 1:3 Röske (85.).

Eintracht Oberursel - SG Eschbach/Wernborn 0:3 (0:2): Mitte der ersten Halbzeit der Knackpunkt: Nach langem Pass rannte Torwart Dominic Großmann aus dem Strafraum und berührte den Ball mit der Hand - Rot! Ersatzkeeper Ahmed Mesbah kam rein, war aber gegen den 17-Meter-Freistoß von Patrick Gilles machtlos. Bereits in der 1. Minute waren die Oberurseler in Rückstand geraten, als die Abseitsfalle klemmte und Tim Körner vollendete. In der 54. Minute machte Daniel Maibach alles klar. Nach Pass in die Schnittstelle hatte er nur noch Mesbah vor sich.

Die Eintracht spielte trotz Unterzahl gefällig, im letzten Drittel fehlte jedoch die Durchschlagskraft. Kurz vor Schluss vergab Gerome Löw einen Foulelfmeter, SG-Torwart Marco Schneider parierte (85.). "Es ist alles unglücklich gelaufen. Durch Corona und Verletzungen fehlten auch sieben Spieler", sagte Trainer Daniel Engel. Christopher Castner (Innenbandriss) und Mirko Sprcic (Schulterverletzung) verlängerten die Liste.

Tore: 0:1 Körner (1.), 0:2 Gilles (32.), 0:3 Maibach (54.). STEFAN FRITSCHI

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