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Textiltest: Maximilian van der Bij (TV Burgholzhausen, links) hält Alexander Döppes (SG Ober-Erlenbach II) fest.

Fußball, Hochtaunus

Die SG Ober-Erlenbach II ist im B-Liga-Topspiel nicht zu bremsen

Beim 4:1 im Nachbarschaftsderby treffen sich zwei Fußball-Teams, die das Zeug zur Kreisliga A Hochtaunus haben. Recht lange hält der TV Burgholzhausen die Partie offen.

Seit dem Wochenende rollt der Fußball auch auf den Sportplätzen im Hochtaunus wieder. Aktive wie Zuschauer mussten drei lange Monate warten, bis es endlich wieder losging. Im Wingert dauerte es am Sonntagmittag sogar noch ein kleines bisschen länger.

Sowohl Tabellenführer SG Ober-Erlenbach II als auch der punktgleiche Verfolger TV Burgholzhausen standen im Nachbarschaftsderby der Kreisliga B Hochtaunus vollzählig und pünktlich um 13.15 Uhr auf dem Kunstrasen, doch Schiedsrichter Heiner Werth ließ die Hauptakteure noch zwei Minuten im eisigen Wind zittern. Der Grund: Eine der beiden Fahnen der Linienrichter fehlte und obwohl diese in der zweitniedrigsten Spielklasse mangels Assistenten von Vereinsvertretern mehr symbolisch denn funktionell geschwenkt werden, bestand der Offizielle aus Hanau auf Ordnung.

Die wenigen Minuten hielten es die Beteiligten dann auch noch ohne Fußball aus. Und das Warten lohnte sich, denn beide Teams kamen ohne große Anlaufzeit aus der Winterpause heraus und unterstrichen, dass sie möglichst schnell in die nächsthöhere Spielklasse aufsteigen wollen.

Die Ober-Erlenbacher bauten ihr Spiel schon am eigenen Strafraum mit kurzem Passspiel auf und bewiesen dabei einmal mehr eine gute Technik sowie Raumaufteilung. Die Burgholzhäuser hingegen waren sich für den einen oder anderen langen Schlag nicht zu fein, was aber aus zwei Gründen durchaus ein probates Mittel war.

Zum einen machte Stoßstürmer Marco Vogelsberger die ersten Bälle gut fest, zum anderen spekulierten die beiden offensiven Außen Leonhard Schubert und Pascal Zinnert immer wieder auf durchrutschende Pässe. Im Verbund lief das Trio zudem die zweiten Bälle eifrig an. Nur Torchancen wollten sich dadurch zunächst nicht ergeben. Die hatte dafür die SGOE II. Schon in der zweiten Minute kam Pascal Czechal am "Sechzehner" in eine gute Abschlussposition, doch Keeper Frank Fritz parierte zur Ecke.

Eigentor resultiert aus "krummem Ding"

Kurz darauf klingelte es aber doch, denn Adrian Matuschewski setzte sich auf der linken Außenbahn stark durch. Die anschließende Hereingabe - oder war es ein Schussversuch? - misslang ihm zwar, doch das "krumme Ding" brachte Sebastian Wagner in Bedrängnis. Mit einem Gegenspieler im Nacken versuchte der Burgholzhäuser Verteidiger reflexartig das Spielgerät zu klären und hämmerte es dabei in die eigenen Maschen - 1:0 (8.).

TVB-Torjäger Marvin Nussbaum erzielt per Elfmeter das 1:1.

Doch der TV Burgholzhausen zeigte sich nicht geschockt. Nach einer knappen Viertelstunde segelte ein Ball von links aus in den Ober-Erlenbacher Strafraum, wo Thomas Palinkas mit der Hand an den Ball kam. Werth pfiff und zeigte auf den Punkt. Den Strafstoß verwandelte Marvin Nussbaum stramm in die Mitte, Torhüter Pascal Frank war nach links abgetaucht (1:1, 14.) - der 25. Saisontreffer des TVB-Torjägers.

Fünf Minuten vor der Pause hatte auf der anderen Seite Matuschewski erneut Fahrt aufgenommen. Trotz seines hohen Tempos versuchte es Tim Fischer mit einer Grätsche und kam dabei zu spät. Auch diesmal entschied Referee Werth zu Recht auf Elfmeter. Den vergab Karim Bürger jedoch, weil Fritz parierte. Aber Werth ließ die Ausführung wiederholen, denn der Torwart sei zu früh von seiner Linie gekommen. Im zweiten Anlauf stellte Bürger mit einem Rechtsschuss auf 2:1.

Fritz machte dabei allerdings erneut einen kleinen Hopser kurz vor dem Schuss, so dass der zweite Versuch eigentlich nicht regelkonformer war als der erste. Doch Werth dachte sich offensichtlich, dass es irgendwann auch mal gut sein müsse und gab den Treffer. Insgesamt ging die Halbzeitführung für Ober-Erlenbach aufgrund der größeren Spielanteile in Ordnung.

Spielmacher und Abräumer zugleich

Der ganz große Schwung war im zweiten Durchgang nicht mehr vorhanden, dafür taten die in Führung liegenden Hausherren zu wenig. Burgholzhausen gewann so die Oberhand, schnürte den Gegner teilweise an dessen Strafraum ein. Vogelsberger wurde aus dem Sturmzentrum zurückbeordert und gab im Mittelfeld den "Regista", also einen Abräumer und Spielmacher in Personalunion. Das funktionierte gut, doch abermals blieben Torchancen Mangelware. Die Aussichten auf den Ausgleich schwanden in der 78. Minute deutlich, als Schubert nach einem Foul an Matuschewski eine "sehr strenge" Rote Karte sah. Per Geniestreich besorgte der Gefoulte umgehend das 3:1 (79., siehe Extra-Text) und legte nach einem Konter noch das 4:1 (86.) nach.

"Es gab keinen Zweifel, dass wir hier von Anfang an die Hausherren waren", lobte SG-Trainer Dennis Streitenberger hinterher, bemängelte aber den teils noch stockenden Spielfluss.

"Unter dem Strich war es ein verdienter Sieg für Ober-Erlenbach", gestand auch TVB-Coach Klaus Krieger, "wir konzentrieren uns jetzt auf die nächsten Aufgaben und sehen, dass wir vorankommen." Nach den Eindrücken aus dem Derby dürften beide Teams bis zum Schluss um die Meisterschaft spielen. ROBIN KUNZE

Warum Ex-Prof Adrian Matuschewski in der B-Liga spielt

Es läuft die 79. Minute des Spitzenspiels zwischen der SG Ober-Erlenbach II und dem TV Burgholzhausen. Adrian Matuschewski, der geniale Kopf der Gastgeber, wurde gerade eben gefoult und legt sich den Ball weit draußen auf dem linken Flügel zurecht. Eine perfekte Situation für eine scharfe Flanke - das dachte sich auch TVB-Schlussmann Frank Fritz, der sich ein paar Schritte von seiner Torlinie entfernte und in den Fünfmeterraum trat. Der Ball kommt mit viel Effet, doch die scharfe Flanke wandelt sich zu zwei Dritteln des Weges in einen extrem scharfen Schuss. Fritz kommt nur noch mit den Fingerspitzen dran und die Kugel schlägt im langen Eck zum 3:1 ein. "Er hat spekuliert, das hab' ich gesehen", sagt Matuschewski später und macht somit deutlich: Das Ding war exakt so geplant.

Dass der Kunstschütze für die Reserve in der B-Liga statt für die "Erste" in der Kreisoberliga antritt, war dagegen ursprünglich nicht angedacht. Doch mit einer großen Gruppe an Kumpels, die allesamt in der Startelf der "Zweiten" stehen, mache es ihm einfach mehr Spaß. "Es geht ja auch nicht nur ums gemeinsame Spielen, sondern auch um die Gemeinschaft vor und nach dem Spiel", führt der ehemalige Fußballprofi (einst FSV Frankfurt) aus.

Adrian Matuschewski (rechts)

Im Übrigen hatte der erst 21 Jahre junge Torjäger nach dem Spitzenspiel das Gefühl, dass sich seine Mannschaft die Meisterschaft in der Restrunde nicht mehr nehmen lassen würde. "Aber man soll sich ja nie zu früh freuen", schiebt Matuschewski eilig hinterher. Fürs Spekulieren wird man im Fußball nämlich öfters mal bestraft.

Ober-Erlenbach II - Burgholzhausen 4:1 SG Ober-Erlenbach II:Franke - Selig, Palinkas, Osborne, Silbernagel - Thüroff, Bürger, Döppes, Czechal - Boutarfas, Matuschewski.

TV Burgholzhausen:Fritz - Wolff, Fischer, Albert, Wagner - van der Bij, Nussbaum - P. Zinnert (57. Al-Rashidi), Bozic (80. Örtel), Schubert - Vogelsberger (70. M. Zinnert).

Tore:1:0 Wagner (8./ET), 1:1 Nussbaum (14./HE), 2:1 Bürger (42./FE), 3:1/4:1 Matuschewski (78./DFS, 84.).

Torchancen:8:5. - Eckbälle:8:6. - Auffälligste Spieler:Matuschewski, Czechal, Silbernagel - Schubert, Vogelsberger.

Rote Karte:Schubert (78., grobes Foulspiel). - Gelbe Karten:Fischer, van der Bij, Bozic.

Schiedsrichter:Heiner Werth (Hanau). Note: 3-. Pfiff sehr kleinlich, in der Sache aber meist richtig. Der Platzverweis war überzogen, zudem nahm er in der zweiten Hälfte den Gästen den Vorteil nach einem Foul am gegnerischen Strafraum.

Spielnote:2. Ein Derby zwischen zwei Mannschaften, die eher früher als später der Kreisliga B entwachsen werden.

ROBIN KUNZE

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