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Während sich im Hintergrund die Leipziger Spielerinnen nach dem Schlusspfiff freuen, schließt die enttäuschte Ober-Eschbacher Spielerin Saskia Schwering die Augen.

Handball, 3. Liga

TSG Ober-Eschbach: 18:39 nach „blutleerem Auftritt“

Die Handballerinnen der TSG Ober-Eschbach verlieren gegen den HC Leipzig überdeutlich. Der Gegner ist zwar der große Favorit in der 3. Liga Ost. Die „Pirates“ lassen im Spiel aber so gut wie alles vermissen.

Als im Spiel zwischen der TSG Ober-Eschbach und HC Leipzig die Pausensirene ertönte, musste der Vortrommler der „HCL-Supporter“ erst mal durchschnaufen. Mit dem gelb-blauen Fan-Schal tupfte sich der Herr die Schweißperlen von der Stirn, die sich dort nach über 30 Minuten vollen Einsatzes gebildet hatten. Die von ihm angefeuerte Mannschaft auf dem Spielfeld der Albin-Göhring-Halle führte zur Halbzeitpause in der 3. Liga Ost mit 19:8 gegen die Handballerinnen der TSG Ober-Eschbach. Ohne Frage war der Tabellenführer spielerisch sehr stark, doch die „Pirates“ ließ in über weite Strecken ohne nennenswerten Widerstand gewähren.

Vielleicht war es bereits ein schlechtes Omen, dass aufgrund technischer Probleme die Einlauf-Hymne „Eschbach Pirates Go!“ ausfallen musste. Ohne musikalische Untermalung wirkte auch das TSG-Maskottchen, das auf dem Feld die Spielerinnen zum Abklatschen erwartete, ein wenig verloren. Doch der überdimensionierte Bär im Freibeuterkostüm machte das Beste aus der Situation: Wie ein Model fuhr er sich mit den großen Tatzen durch das imaginäre Haar und ließ die Hüften kreisen, was bei den Zuschauern für ehrliche Lacher sorgte. Die Szene zeigt, dass man mit Einsatz auch bei widrigen Umständen noch eine gute Figur abgeben kann. Diesen Willen ließen die Spielerinnen der TSG fast die komplette Partie über vermissen. Dabei hatte sie gegen den großen Titelfavoriten doch nichts zu verlieren.

Nach vier Minuten führte Leipzig mit 3:0. Dann rafften sich die Gastgeberinnen für rund sechs Minuten auf und glichen zum 4:4 (11.) aus. Anschließend bekam Laura Majer eine Zwei-Minuten-Strafe ausgesprochen und die Pirates hatten in Überzahl sogar die Chance, das Spiel an sich zu reißen. Doch wie bereits in der Woche zuvor gegen den SC Markranstädt passierte das Gegenteil – der zahlenmäßig unterlegene Gegner kam zu Treffern und stellte schnell auf 6:4.

Das nahm TSG-Manager Gerhard Döll zum Anlass, um das Team von der Bank aus lautstark zum

„Aufwachen!“

zu ermahnen. Auch Trainer Marc Langenbach, nach Grippeerkrankung wieder zurück, war zu dem Zeitpunkt eifrig am Korrigieren und Animieren, doch die Worte schienen nicht bis aufs Spielfeld zu dringen. Ein 8:19-Rückstand zur Pause ist überdeutlich. „Ich habe in der Halbzeit angesprochen, dass wir uns nicht abschlachten lassen dürfen“, berichtet der Coach später, „aber die taktischen Vorgaben wurden nicht umgesetzt. Insgesamt war unser Auftritt heute blutleer“.

Von Schadensbegrenzung war im zweiten Durchgang nichts zu sehen. Die Gäste wiederum zeigten weder Mitleid noch Ermüdungserscheinungen und legten konstant nach. Den Kempa-Trick, der die Demütigung der unterlegenen Gastgeberinnen perfekt gemacht hätte, verkniffen sich die jungen Spielerinnen des 21-maligen deutschen Meisters jedoch.

Der nahezu perfekt abgestimmte Spielvortrag des Tabellenführers war herrlich anzusehen und sorgte dafür, dass alle knapp 200 Zuseher auf ihre Kosten kamen. Auch die Rahmenbedingungen für diese Partie stimmten absolut: Der Verein servierte schon vor Spielbeginn Kölsch vom Fass und einen neuen, vereinseigenen Wein. Nach Spielschluss signierte zudem Hallensprecher und Romanautor Peter Borstel seinen neuen Krimi. Zumindest in literarischer Hinsicht bekamen die Fans Spannung geboten.

Spielfilm: 0:3 (5.), 4:4 (11.), 5:13 (21.), 8:19 (30.), 10:23 (36.), 14:27 (42.), 17:34 (52.), 18:39 (60.).

Pirates: Löbig, Deppisch; Grauer (8/1), Özer (4), Lichtlein (2), Brocke (1), Bucher (1), Zsigmond (1), Mertens (1), Riedel, Schwering, Chmurski, Orban.

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