Verbissener Kampf: Celine Gehrke (Ober-Eschbach, links) im Zweikampf mit der Hallenserin Lea Mögling (rechts). foto: gerhard strohmann
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Verbissener Kampf: Celine Gehrke (Ober-Eschbach, links) im Zweikampf mit der Hallenserin Lea Mögling (rechts).

Handball, 3. Liga Ost

TSG Ober-Eschbach: Großer Kampfgeist wird nicht belohnt

  • Thorsten Remsperger
    vonThorsten Remsperger
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29:33 gegen Halle-Neustadt II: Der Abstieg aus der 3. Liga Ost ist für die "Pirates" kaum mehr abzuwenden.

Selbst Peter Borstel war gestern Nachmittag mit seinem Latein am Ende. Unter den wenigen verbliebenen Helfern von TSG Ober-Eschbachs Drittliga-Handballerinnen ist der "Pirates"-Gesellschafter und Hallensprecher die Konstante. Er ist nicht nur wegen seines Optimismus beliebt. Weil Borstel auch Krimiautor ist, hatte er sich vor dem Kellerduell gegen Union Halle-Neustadt II schon ein Happy End für die Saison in der 3. Liga Ost ausgedacht. "Dem Tod entronnen", hätte er die Geschichte gerne genannt. Jedoch musste Borstel nach der 29:33-Niederlage zugeben, sich einen neuen Titel überlegen zu müssen.

Ober-Eschbach ist nach der 13. Niederlage in dieser von Anfang an verkorksten Spielzeit hinter die Zweitliga-Reserve aus Sachsen-Anhalt auf den letzten Platz zurückgefallen. Zwar liegt der gestrige Gegner und auch der Drittletzte HSG Rodgau Nieder-Roden, der mit Christian Grzelachowski, zu Saisonbeginn noch in Ober-Eschbach, einen neuen Trainer präsentierte, nur einen Punkt vor den "Pirates". Aber das Kellerduell zeigte vor nur 80 Zuschauern in der Albin-Göhring-Halle wieder einmal schonungslos auf, woran es bei den "Pirates" hapert. Nicht am Kampfgeist. Nicht an der Laufbereitschaft. Auch nicht mehr am spielerischen Vermögen. Davon warfen die Ober-Eschbacherinnen am Sonntag alles in die Waagschale. Es fehlt schlichtweg an Personal.

"Der Gegner nimmt nach 15 Minuten drei Leute raus und bringt drei neue, wir haben so wenige Feldspielerinnen, dass wir uns kaum Pausen nehmen können", sagte Torhüterin Yvonne Petek, "es ist normal, dass dann Fehler passieren, die Würfe ungenauer werden. Es kommen Schiedsrichter-Entscheidungen gegen uns dazu, Pech, lauter Kleinigkeiten." Die Slowenin ist quasi die Personifizierung des großen Problems. Petek spielt schon die komplette Saison zwischen den Pfosten durch. Es ist einfach keine zweite Torfrau da. Kaum zu glauben, aber wahr.

Tatsächlich habe es nach einem Kopftreffer auch nur eine Situation gegeben, in der es bisher hätte kritisch werden können und eine Feldspielerin sie hätte ersetzen müssen. Jedoch habe sie im Spiel in Gedern die Halbzeitpause gerettet, merkte Petek lächelnd an. In der Kabine hatte sie sich mit Brummschädel wieder sammeln können und weitergespielt.

Gegen Halle-Neustadt II verließ die 25-Jährige zwar mehrere Male ihren Kasten, jedoch war das von Slobodan Jankovic so angeordnet worden. Der 60-jährige Trainerfuchs brachte in der zweiten Halbzeit mehrfach eine weitere Feldspielerin, Ober-Eschbach kam prompt zweimal auch zu Torerfolgen. Überhaupt hatte Jankovic alle Register gezogen, um die Niederlage im Schlüsselspiel vielleicht doch noch abzuwenden.

Bärenstarker Beginn, schwindende Kräfte

Nach einem bärenstarken Beginn - 4:0 führten die Gastgeberinnen nach 14 Minuten - waren die zunächst nervösen Union-Spielerinnen immer besser in die Partie gekommen. Sie gingen nach 25 Minuten durch ein Tor von Vanessa Dierks erstmals in Führung (25.). Bis zur Pause konnte Ober-Eschbach noch zweimal ausgleichen, lief danach aber einem Rückstand hinterher. Was mehr an der eigenen Konditionsschwäche als an des Gegners Stärken lag. Während der Angriffsmotor fast durchgängig rund lief und sich vor allem Linksaußen Lisa Lichtlein und die belgische Rückraumschützin Andrea Mertens durch gelungene Aktionen hervortaten, fehlte gerade in der Abwehr in den letzten zehn Minuten jeder Halbzeit die Kraft, den letzten Schritt zu machen, um den Gegner zu stoppen.

So kamen die Pirates trotz größter Anstrengungen, inklusive Glanzparaden Peteks und aufmunternden Ansagen von Hallensprecher Borstel, nicht mehr näher als auf zwei Tore heran. Letztmals hofften sie nach Lichtleins Siebenmetertor zum 29:31 knapp zwei Minuten vor Schluss.

Pohl: "Nichts hat in der Saison geklappt"

Christoph Pohl, Geschäftsführer und Manager, war die Enttäuschung gestern deutlich anzusehen. Weniger über das Spiel, denn den Verlauf der Runde, die er sich so anders vorgestellt hatte. "Nichts von dem, was wir uns vorgestellt haben, hat geklappt", sagte Pohl konsterniert, "man muss aber auch sagen, dass wir bei der Kaderzusammenstellung keine andere Chancen hatten, als auf Spielerinnen aus dem Ausland zu setzen (die alsbald nicht mehr bezahlt werden konnten, Anm. d. Red.)."

Enttäuscht sei er über die fehlende Unterstützung aus dem Verein. Er müsse - mittlerweile als "Einzelkämpfer" - vor den verbliebenen Spielerinnen den Hut ziehen. Dass die Mini-Truppe das durchziehe, lobte Pohl, der in der Nähe von Kassel wohnt und selbst einen hohen Aufwand für sein Hobby betreibt. Die Zahlung der ausstehenden Gelder habe er ihnen zugesagt, sagte Pohl. Er setzt auf einen positiven Verlauf des Gerichtsverfahrens gegen den früheren Geschäftsführer und den früheren Manager, das Ende April anstehe, und verspricht sich Rückzahlungen an die Spielbetriebs-UG. Wenn es schon nicht sportlich klappt, soll wenigstens die finanzielle Belohnung für den großen Kampfgeist noch folgen.

Ober-Eschbach:Petek; Lichtlein (10/2), Mertens (8), Bucher (4), Wäscher (3), Rosenberg (2), Chmurski, Gehrke (je 1), Djini.

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