Kai Politycki (SG Oberhöchstadt) klatscht sich nach seinem Tor zum 1:1 mit Kapitän Moritz Fuchs ab. Fotos: Heiko Rhode

Fußball Hochtaunus, Spiel der Woche

5:2 - SG Oberhöchstadt feiert im Dauerregen einen Derbysieg

Nach verpatztem Start dreht die SG Oberhöchstadt den Spieß im Kronberger Stadt-Duell in der Fußball-Kreisoberliga um und gewinnt im Dauerregen gegen den EFC. Die klassischen Tugenden geben nach Meinungen der Trainer den Ausschlag.

Sonntag, 15 Uhr, auf dem Kunstrasenplatz an der Altkönigschule: Die Mannschaft der SG Oberhöchstadt ist heiß aufs Derby und steht an der Mittellinie zum Einlaufen bereit. Der EFC Kronberg ist allerdings noch in der Kabine und lässt somit den Lokalrivalen buchstäblich im Regen stehen, denn schon lange vor dem Anstoß ergießen sich kräftige Schauer über dem Sportplatz.

Der EFC brauchte zwar zwei Minuten länger, um aufs Feld zu kommen, war dann aber trotzdem schneller in der Partie und machte in der Anfangsphase den stärkeren Eindruck. Passend dazu erzielte Yannick Jochmann nach zwölf Minuten die Führung. Bei einem scharf vors Tor getretenen Eckball hatte SG-Keeper Daniel Ernst nicht genügend Bewegungsspielraum und so konnte Jochmann zum 1:0 für Kronberg einschieben.

Sehenswerte Schusstechnik: Yannick Jochmann (rechts) ist abgesprungen, Vincent Dupuy De la Grand Rive läuft nebenher.

Als dann nach rund einer Viertelstunde der Nieselregen zum Wolkenbruch ausartete, schienen die Hausherren vom Regen in der Traufe angekommen. Mit leichten Fehlern auf dem mittlerweile schwierigen Geläuf lud man Kronberg zu weiteren Treffern ein, beispielsweise mittels eines Stockfehlers von Kai Politycki am eigenen Sechzehner (26.), doch die Gäste schlugen diese Einladungen aus. Gleichzeitig nahm das Team des EFC jetzt vermehrt den „langen Ball“ ins Repertoire auf, was auf dem seifigen Kunstrasen allerdings unklug war und Trainer Tobias Fleck an der Seitenlinie fast zur Weißglut trieb („Spielt den Ball in den Fuß, verdammt!“).

Kronberg tat in der Folge immer weniger fürs Spiel, doch Oberhöchstadt konnte zunächst nicht von dieser Passivität profitieren. Erst nach einem Eckstoß in der 37. Minute gelang der Ausgleich. Ähnlich dem ersten Treffer auf der anderen Seite nutzte Politycki die Spielertraube am „Fünfer“ und jagte den Ball aus dem Chaos heraus hinein ins Netz zum 1:1. Zu diesem Zeitpunkt kam der Treffer etwas überraschend, doch er schien neue Kräfte bei den Gastgebern freizusetzen.

Noch vor dem Pausenpfiff gelang die Wende durch ein Traumtor von Lars Steier per Seitfallzieher, und nach dem Seitenwechsel übernahm die SGO dann Stück für Stück die Regie im Stadt-Derby. Spielerisch gelang zwar weiterhin nicht alles, dafür rang Oberhöchstadt den Gegner in den zweiten 45 Minuten nieder. „Null Zweikampf, null Wille“, musste Fleck hingegen bei seinem Team feststellen, „wenn du das nicht hast, dann hast du keine Chance.“

Nach rund einer Stunde erhöhte Vincent Dupuy De la Grand Rive mit einem abgefälschten Schuss aus 18 Metern auf 3:1 (61.), und auch das zwischenzeitliche 3:2 durch Jochmann (68.) – erneut nach einer Ecke – brachte die SGO nicht aus dem Konzept. Fleck versuchte seine Spieler lautstark wachzurütteln und kassierte in der 75. Minute sogar die Gelbe Karte, doch es sollte nichts nutzen.

Acht Minuten vor dem Ende der 90 Minuten erhöhte Falk Assmus nach einem tollen Solo durch die gegnerische Hälfte mit einem platzierten Schuss ins linke Eck auf 4:2 (82.), nur eine Minute später fiel der letzte Treffer zum 5:2-Endstand. Oberhöchstadt war auf dem linken Flügel durchgebrochen, und Kronbergs Philipp Thull grätschte die anschließende Flanke ins eigene Tor (83.). Hätte der Verteidiger nicht eingegriffen, so wäre Marc-Robin Muth hinter ihm frei zum Schuss gekommen.

Am Ende sahen die Kronberger wie begossene Pudel aus, während Oberhöchstadt in Heiterkeit ausbrach und den Derbysieg besang. „Wir haben die Leidenschaft reingebracht, die es für ein Derby braucht“, sagte SGO-Trainer Joachim Hans, „und uns dann auch belohnt.“ Das gelang in den Spielen zuvor zu selten, jetzt aber könnte der Kantersieg über den Nachbarn zur Initialzündung werden.

Lars Steier gelingt gegen seine "Jugendliebe" ein Traumtor

Plötzlich stand Lars Steier ganz frei im gegnerischen Strafraum. Die Flanke in der 42. Minute kommt maßgeschneidert und noch ehe der Ball ihn erreicht, visiert der Angreifer das lange Eck an. Dass die Kugel einen Herzschlag später eben dort im Netz zappelt, scheint der 26-Jährige zunächst selbst gar nicht zu glauben. Nach seinem halben Seitfallzieher rappelt er sich vom durchnässten Kunstrasen auf und greift sich fassungslos an den Kopf, ehe er den Kunstschuss zum 2:1 mit den Teamkollegen gebührend feierte. "Der sollte schon da hin", erklärt er nach dem Spiel mit einem Lächeln, "dass das aber dann auch genau so gelingt, ist eine andere Sache." Steier erwischte den Ball technisch perfekt per Direktabnahme und ließ Torwart Nicholas Seiler nicht den Hauch einer Chance.

Mit dem Ball weiß er gut umzugehen: der Oberhöchstädter Torjäger Lars Steier (vorne, gelbes Trikot).

In einem anderen Leben hätte er diesen Treffer womöglich im Trikot des EFC bejubelt, schließlich durchlief er dort alle Jugendmannschaften, ehe er seinen Kumpels zur SG Oberhöchstadt folgte. Dort debütierte er vor rund acht Jahren im Seniorenfußball. Zu seinem Ex-Verein hat er schon deshalb noch Kontakt, da dort Bruder Jan spielt. Eine Wette haben die beiden zwar nicht abgeschlossen, aber Lars Steier ist sich sicher, dass sein Club in der Endabrechnung vor dem EFC liegen wird. "Wir waren in den bisherigen Spielen noch häufig zu nervös, haben eine junge Mannschaft, müssen einfach noch cooler werden", sagt er. Cooler als sein Treffer zum 2:1 geht es kaum,

und auch sein Team offenbarte kaum Nervosität, dafür viel Wille und Engagement.

SG Oberhöchstadt: Ernst - Neumann, Fuchs, Politycki, Martinez - Winter, De la Grand Rive, Muth - Klenk, L. Steier, Schlössler.

EFC Kronberg: Seiler - Kalaitsoglou, Hofmann, Würges, Thull - Marino, Jochmann, Castellino, Holstein, Torsiello - Peuser.

Tore: 0:1/2:1 Jochmann (12., 68.), 1:1 Politycki (38.). 2:1 L. Steier (42.), 3:1 De la Grand Rive (61.), 4:2 Assmus (82.), 5:2 Thull (83./ET).

Torchancen: 10:7. - Eckbälle: 11:7. - Zuschauer: 110. - Gelbe Karten: L. Steier, Winter - Castellino, Würges.

Beste Spieler: Steier, Schlössler, De la Grand Rive - Jochmann.

Spielnote: 2-. In der zweiten Halbzeit nahm die Partie gehörig Fahrt auf und bot fast alles, was man sich von einem Derby erwartet.

Schiedsrichter: Sascha Schütz (Niederdorfelden). Note: 4. Stand einige Male nicht gut und hatte daher Spielszenen nicht richtig im Blick. Vergriff sich gegenüber den Spielern zudem manchmal im Ton.

ROBIN KUNZE

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