Ausgebufft im Dribbling: Oberstedtens Mohammed Hamid Faquir (links) gegen Eintracht-Torwart Magnus Hörmann. Foto: Heiko Rhode
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Ausgebufft im Dribbling: Oberstedtens Mohammed Hamid Faquir (links) gegen Eintracht-Torwart Magnus Hörmann.

Fußball, Kreisoberliga Hochtaunus

Oberstedten gewinnt das Stadtderby, Seulberg feiert seinen ersten "Dreier"

Im "Brunnenstadt-Duell" schlägt der FC Oberstedten den Nachbarn Eintracht Oberursel mit 2:0. Beide Kreisoberligisten zeigen sehr gute Ansätze, sind aber vor dem Tor zu harmlos - mit wenigen Ausnahmen.

Gerade für Trainer und Fußball-Fans mit Faible für taktische Feinheiten hatte das Derby zwischen dem FC Oberstedten und Eintracht Oberursel einen Anschauungswert. Der FC Oberstedten treibt seit knapp zwei Jahren unter Coach Leo Caic einen Wechsel in der Spielphilosophie voran, und der neue Stil schaute an diesem nasskalten Sonntagnachmittag über weite Strecken vielversprechend aus. Mit einem spielstarken Dreieck in der Zentrale (siehe Extra-Text) versuchte man das Spiel aufzubauen, gegen den Ball wurden clever die Räume verengt.

Das Kompliment wollte Caic aber gleich weiterzugeben. "Großes Lob an den Gegner und dessen Trainer", so der Ex-Profi, "sie waren taktisch wirklich gut eingestellt, fast jeder auf dem Platz wusste genau, was er wann zu tun hat." Auch unter Daniel Engel, seit dieser Saison Trainer der Eintracht, ist Oberursel ein unangenehmer Gegner für Oberstedten - wenn auch diesmal ein erfolgloser.

Wie es so häufig ist, wenn beide Mannschaften erfolgreich um Fehlerminimierung bemüht sind, fehlten für den durchschnittli-chen Sportplatzbesucher die ganz großen Schauwerte. Nur wenige Chancen wurden herausgespielt, und beide Teams taten sich schwer, diese dann auch zu nutzen. In der Anfangsphase waren die Gäste einen Tick zielstrebiger, doch weder Garcia Arconada aus dem Rückraum (12.) noch Jeffrey Schmidt nach Flanke am zweiten Pfosten (18.) konnten Keeper Felix Becker wirklich in Bedrängnis bringen. Nach 20 Minuten wurde Oberstedten stärker. Doch auch die Hausherren blieben vor dem Tor zu harmlos: "Shootingstar" (O-Ton Caic) Anton Alpermann verzog beim Abschluss am Strafraumrand (21.) ebenso wie Routinier Thorben Grill (24.) und Mittelfeldmann Mirko Rünzi (27.).

Die vielversprechendste Szene für Oberstedten hatte Alpermann (35.), als er fast von einem zu kurzen Rückpass profitierte, doch Eintrachts Abwehrchef Marco Vogelsberger bereinigte die Situation mit einem starken Tackling in letzter Sekunde. Wenig später musste Alpermann angeschlagen vom Feld. Für ihn kam Nouri Jegham, wie Mohammed Hamid Faquir wegen konditioneller Rückstände zunächst auf der Bank sitzend. Beide waren aber noch entscheidend am Sieg beteiligt.

Knapp drei Minuten nach seiner Einwechslung flankte Edeltechniker Jegham den Ball auf den ersten Pfosten, wo Vincent Warnecke beherzt einsprang und die Kugel zum 1:0 ins Netz bugsierte (45.). Faquir zog knapp zehn Minuten nach seiner Einwechslung mit Tempo in den Strafraum und wurde dort zu Fall gebracht. Den Strafstoß verwandelte Jegham sicher unten rechts zum 2:0 (63.).

"Wir haben mittlerweile viele junge Spieler, die ich bedenkenlos bringen kann, wenn andere nicht fit sind", meinte Caic, "doch nur mit Jungen geht es auch nicht." Ein Lob an die Klasse von Jegham und Faquir, das aber keinen Freifahrtschein darstellt. Kurz vor Schluss musste der nur zögerlich an der Verteidigung der Führung teilnehmende Jegham nämlich wieder vom Feld.

Nouri Jeghams genialer Moment

Zuvor hatte der Tunesier allerdings noch einen seiner typischen, genial-verrückten Momente. In der 85. Minute wurde er rund 40 Meter vor dem Tor gefoult. Jegham führte schnell aus, weil er sah, dass Schlussmann Magnus Hörmann weit vor seinem Tor stand. Der Schuss klatschte an den Pfosten. Ein 3:0 wäre definitiv zu hoch gewesen, denn Oberursel war bemüht um ein Comeback, spielte aber nicht konsequent genug.

"Mit etwas mehr Spielglück hätten wir vielleicht einen Punkt mitnehmen können", meinte Engel, "aber wir waren etwas zu nervös und hatten zweimal Pech." Einmal scheiterte Ben Obhafuoso am starken Keeper Becker (50.), das andere Mal trat Becker bei einem Rückpass, der aufgrund eines Lochs im Rasen unglücklich hoppelte, über den Ball. Der trudelte knapp am Tor vorbei. Unterm Strich geht der Sieg für Stedten in Ordnung, doch Oberursel schlug sich beachtlich.

Seit Fredi Bobic, Krassimir Balakov und Giovane Elber Mitte der Neunziger Jahre für den VfB Stuttgart die Bundesliga aufgemischt und mit den Schwaben den DFB-Pokal gewonnen haben, spricht man bei drei starken Einzelkönnern in der entsprechenden geometrischen Anordnung gerne von einem "Magischen Dreieck. In der Regel geht es dabei um ein gefährliches Offensiv-Trio.

Auch der FC Oberstedten hat ein Dreieck, deren Eckpunkte durch überdurchschnittlich talentierte Kicker repräsentiert wird, doch beim FCO agiert dieses zentral vor dem eigenen Kasten.

Die Innenverteidigung bilden seit dieser Spielzeit Sascha Büntemeyer und Marvin Klempin, die beide eigentlich im Mittelfeld zu Hause sind. Beide zeichnet jedoch eine gute Übersicht und große Ruhe am Ball aus, so dass sie zusammen mit dem "Sechser" - gegen Oberursel spielte dort Routinier Thorben Grill - kein "magisches", wohl aber ein spielkontrollierendes Dreieck bilden. Zudem löst sich Klempin immer mal wieder aus der Viererkette, um mit seiner Dynamik den Ball bis weit in die gegnerische Hälfte hineinzutreiben. Das erinnert wiederum ein wenig an Ex-Bayern-Star Lucio. Der war zwar nie Teil eines Dreiecks, aber trotzdem ein Guter. 

ROBIN KUNZE

SpVgg 05/99 Bomber Bad Homburg – EFC Kronberg 4:1 (1:0): Mit Treffern kurz nach Beginn jeder Halbzeit setzten die „Nullfünfer“ dem EFC zu. Doch die Kronberger zeigten Nehmerqualitäten und kamen durch Marius Becher zum Anschlusstor. Es entwickelte sich fortan ein Schlagabtausch, der sich für die Homburger verschärfte, als Vincenzo Carotenuto wegen Meckerns die Gelb-Rote Karte erhielt (71.). Kronberg wollte nun den Ausgleich erzwingen, doch nach einem Konter machte El Mard Zouhir alles klar und setzte kurz vor dem finalen Pfiff noch einen drauf. „Beim 1:3 in Oberursel hatten wir total versagt, diesmal waren wir schon wieder besser. Mit zehn Mann haben wir gut gestanden“, gab Trainer Ralf Haub kund. Vor allem die kämpferische Einstellung habe ihm gefallen. Tore: 1:0 Zouhir (2.), 2:0 Minchang (47.), 2:1 Becher (51.), 3:1 Zouhir (76.), 4:1 Zouhir (89.).

SV Seulberg – SG Oberhöchstadt 4:1 (2:0): Aufatmen in Seulberg nach dem ersten Sieg im fünften Spiel. „Das ist eine Befreiung für uns“, jubelte Teamleiter Michael Horn. Es war ein außergewöhnliches Gefühl für den SVS: Nach acht Minuten führte man mit 2:0. In der Folgezeit vergab Dominik Nürnberger aus dem Trainerteam, den dritten Treffer nachzulegen. Mit einem feinen Schuss aus 19 Metern in den Winkel machte es Marc-Robin Muth noch einmal spannend, ehe wenig später Nürnberger dann doch noch traf und Liberato Aiello seinen zweiten Treffer erzielte. Überzeugen konnte auch Seulbergs Torwart Luca Lotz mit drei, vier Paraden. „Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung, es hat alles gepasst“, resümierte Horn, der nun hofft, dass sich die Spieler Selbstvertrauen geholt haben, denn: „Wir wollen bei der SGK nachlegen.“ Tore: 1:0 Aiello (6.), 2:0 Bornschein (8.), 2:1 Muth (69.), 3:1 D. Nürnberger (77.), 4:1 Aiello (87.).

SG Eschbach/Wernborn – Usinger TSG II 3:0 (2:0): „Auch in dieser Höhe ist der Sieg im Derby verdient. Die Usinger hatten keine Torchance, die waren mit Verteidigen beschäftigt. Wir haben es nur versäumt, vorzeitig den Deckel draufzumachen“, lautete das Fazit von SGEW-Pressewart Sebastian Wirth. In der ersten halben Stunde dominierte die Spielgemeinschaft – und Jonas Hanschke stand absolut im Blickpunkt. In der 4., 13. und 22. Minute vergab er seine Chancen, ehe er einen Doppelschlag folgen ließ. Nach dem Seitenwechsel agierten die Gastgeber nicht mehr so zwingend. Es dauerte bis zur 72. Minute, dann fiel erst das 3:0: Ergin Cakar setzte Philipp Brendel in Szene, der noch Torwart Bastian Forth umkurvte und einschob. Tore: 1:0 Hanschke (28.), 2:0 Hanschke (31.), 3:0 Brendel (72.).

SG Ober-Erlenbach – SF Friedrichsdorf II 7:1 (5:1): Es waren noch nicht mal 20 Minuten gespielt, da stand es schon 5:0 für die Grün-Weißen. „Von Anfang waren wir gut im Spiel, nach dem klaren Vorsprung haben wir zwei Gänge rausgenommen“, sagte Trainer Philippe Chakour. Zumal den Friedrichsdorfern keine Mittel zur Verfügung standen, Paroli zu bieten. Vor allem über die Außen kombinierten sich die Ober-Erlenbacher immer wieder durch. Die Tormaschinerie läuft, das ist beeindruckend: 28 Mal hat der Tabellenführer in fünf Partien getroffen, im Durchschnitt sind das 5,6 Buden. Inklusive dem Erfolg im Kreispokal in Burgholzhausen hat die SGO zuletzt je zweimal 7:1 und 8:1 gewonnen. „Das 1:4 in Kronberg war ein Dämpfer zur rechten Zeit“, sagte Chakour und fügte an: „Es gilt, die Spannung hochzuhalten. Es darf keiner übermütig werden.“ Tore: 1:0 B. Seitz (4.), 2:0 J. Grassler (7.), 3:0 D. Bremerich (11.), 4:0 D. Bremerich (15.), 5:0 Heller (19.), 5:1 (43.), 6:1 Mahbubi (52.), 7:1 Mahbubi (58.).

FC Weißkirchen – DJK Bad Homburg II 3:3 (1:1): Stelios Doukas, Trainer des FCW, war hin- und hergerissen. Einerseits hätte sein Team die Partie gewinnen können, Chancen dazu gab es reichlich. Andererseits wäre auch eine Niederlage möglich gewesen, denn in der Schlussphase verbuchte die DJK einen Pfostentreffer. „Da haben wir Glück gehabt“, sagte er. In der ersten Halbzeit habe es seine Mannschaft allerdings versäumt, mehr als nur einen Treffer zu erzielen. „Einige hundertprozentige Chancen waren dabei“, berichtete Doukas. Tore: 1:0 Altomari (21.), 1:1 (26.), 1:2 (54.), 2:2 El Mastouli (59.), 2:3 (70.), 3:3 El Malki (81.).

Teutonia Köppern – FC Neu-Anspach II 3:1 (1:0): Es kommt nicht von ungefähr, dass beide Mannschaften bis dato noch keine Punkte hatten liegen lassen. Gut organisiert, lieferten sie sich ein spannendes Duell. „Anspach hat eine kompakte Truppe, Martin Schmidt macht einen richtig guten Job“, lobte Alexander Fievet seinen Trainerkollegen. Köppern gelang es, rasch in Führung zu gehen. Das hohe Pressing zeigte Wirkung, nach Ballgewinn traf Fabian Bannert aus 13 Metern. Nach dem Ausgleich durch Linus Hansen (51.) entwickelte sich ein Schlagabtausch, die Anspacher hatten dabei mit einem Pfostentreffer Pech. Nach einem Abspielfehler von Alessandro Toppi legte der Neu-Anspacher Torhüter den davon eilenden Bannert – und Luka Milic verwandelte den Foulelfmeter. Kaum eine Minute später handelte sich der 2:1-Torschütze wegen Meckerns die Gelb-Rote Karte ein. Köppern setzte nun auf Konter, einen nutzte Matchwinner Bannert mit seinem sechsten Liga-Treffer zum Endstand. Tore: 1:0 Bannert (3.), 1:1 Hansen (51.), 2:1 L. Milic (62./FE), 3:1 Bannert (72.).

Die Partie zwischen der SGK Bad Homburg und SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach wurde indes am Samstagabend abgesetzt. „Es gab einen Corona-Fall bei den Wehrheimern“, sagte SGK-Abteilungsleiter Gunnar Gräning, was der gegnerische Verein in „Verdachtsfall“ korrigierte.

STEFAN FRITSCHI

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