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Die Oberurseler Spielerinnen bejubeln ausgelassen den Sieg im Derby gegen Kriftel.

Handball, Oberliga Hessen

TSG Oberursel biegt das Spitzenspiel gegen TuS Kriftel um

Erstmals gehen Oberursels Handballerinnen nicht als Favorit ins Spiel. Kriftel zeigt, warum – aber nur in der ersten Halbzeit.

Von der ersten Sekunde an waren die Rahmenbedingungen am Samstagabend eines Spitzenspiels würdig: In der voll besetzten Sporthalle der Erich-Kästner-Schule legten sich die „Supporter“ der gastgebenden TSG Oberursel sowie die Gäste-Fans der TuS Kriftel mächtig ins Zeug. Klatschend, rufend und trommelnd versuchten die beiden Lager ihr Team im sportlichen Ringen um den ersten Tabellenplatz der Oberliga Hessen anzutreiben. „Eine überragende Stimmung“, lobte Paul Günther später, nach dem 31:27-Sieg seiner Mannschaft, „der Frauen-Handball wird immer mehr angenommen.“

Während der Anfangsphase der Partie war dem Trainer der TSGO jedoch weit weniger euphorisch zumute. Seine Mannschaft tat sich äußerst schwer, agierte fahrig und fehlerbehaftet. In der 10. Minute warf beispielsweise Nadine Okrusch beim Stand von 2:6 einen Pass über drei Meter deutlich ins Seitenaus.

Die Gäste wirkten wacher, konzentrierter und zielstrebiger. Speziell Jana Lorenz verstand es, die Fehler des Gegners mit einfachen Mitteln zu bestrafen. Etwa in der 5. Minute, als Kriftels Torjägerin erfolgreich in den Passwegen wilderte und den anschließenden Tempogegenstoß mit Hilfe der Unterkante der Latte zum 3:1 abschloss. Ein wirkliches Spitzenspiel ergab sich so zunächst nicht. „Unser Anspruch war es auch, es nicht nach einem solchen aussehen zu lassen“, erklärte TuS-Coach Christian Albat.

Trainer Günther setzt ein Zeichen

Trainerkollege Günther blieb trotz des Fehlstarts seiner Mannschaft zunächst ruhig. „Wir haben eine 3:2:1-Abwehr gespielt, die bei uns bisher in der Saison noch gar nicht zum Einsatz kam, und ich dachte mir, dass wir schon irgendwie wieder zurückkommen“, erklärte er, „als wir dann aber mit sechs Toren hinten lagen, da habe ich Bauchschmerzen bekommen.“

Nach knapp 20 Minuten erhöhte Mayra Janssen auf 12:6 aus Sicht der Gäste und Günther erreichte „Betriebstemperatur“. Er knöpfte sich lautstark das Schiedsrichtergespann, das seiner Meinung nach in der umkämpften Begegnung zu lasch durchgriff, vor und setzte damit auch bei seiner Mannschaft einen Impuls. Bis zur Halbzeit kam die TSGO wieder auf 13:14 heran.

Einen wirklichen Bruch gab es im Krifteler Spiel zwar nicht. „Es war ein schleichender Prozess“, sagte aber Albat, „und besonders in der zweiten Halbzeit ist Oberursel brutal in die Tiefe gestoßen, was extrem schwer zu verteidigen ist.“ Immer wieder suchte Oberursel die Lücken, kam so zu besseren Abschlüssen als in der Anfangsphase und erzwang auch mehr Siebenmeter. Waren es im ersten Durchgang nur zwei, so trat Viktoria Heilmann nach der Pause viermal an die Linie – und verwandelte alle Versuche.

Heilmann gibt überraschend Comeback

Die zur Überraschung der Gäste mitwirkende Heilmann, die erst vor fünf Wochen einen Bänderriss am Knöchel erlitten hatte, avancierte mit zehn Treffern zur besten Werferin der Partie. Daher überrascht es nicht, dass sie es war, die für die TSGO in der 37. Minute erstmals die Führung erzielte (17:16). In der Folge bogen die Gastgeberinnen langsam, aber sicher auf die Siegerstraße ein.

„Nach gut 45 Minuten war ich mir sicher, dass wir das Ding gewinnen würden“, berichtete Günther. Zu diesem Zeitpunkt führte sein Team mit 23:19. Doch kurz vor Spielschluss befiel ihn wohl abermals Bauchgrimmen. Nach einem satten Lattentreffer durch Oberursels Nadine Okrusch stellte Kriftels Hanna Leidner anderthalb Minuten vor dem Ende nochmals den Anschluss her (27:28). Im Gegensatz zum Spielbeginn waren die Hausherrinnen jetzt aber hochkonzentriert: Heilmann antwortete umgehend mit dem 29:27, Berit Mies erzielte kurz drauf per Gegenstoß das 30:27.

„Die direkten Duelle musst du gewinnen, wenn du oben bleiben willst“, ärgerte sich Albat. Am Samstag musste der selbst ernannte Titelkandidat TuS Kriftel den Spitzenplatz für die TSG Oberursel jedoch räumen. Doch beide Mannschaften werden nach den Erkenntnissen des Derbys wahrscheinlich bis zum Schluss um die Meisterschaft spielen.

Spielfilm: 1:4 (6.), 4:7 (13.), 6:12 (20.), 11:13 (26.), 13:14 (30.), 16:16 (36.), 19:16 (39.), 23:19 (47.), 27:25 (57.), 28:27 (59.), 31:27 (60.).

TSGO-Tore: Heilmann (10/6), N. Okrusch (6), Mies (4), M. Okrusch (4), Müller (4), von der Wehl-Ohrdorf (3).

TuS-Tore: Lorenz (7), Seeharsch (5), Nitzke (5/2), Göbel (3), Janssen (3), Leidner (2), Körber (1), Giebe (1).

ROBIN KUNZE

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