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Jana Sellner (TSG Oberursel)

Handball, Oberliga

TSG Oberursel: Dieser Ausrutscher könnte Folgen haben

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TSG Oberursels Oberliga-Damen spielen bei Eintracht Böddiger nur 37:37 und geben die Tabellenspitze an Nieder-Roden ab.

Wahrscheinlich war es eine Mischung aus beidem, weshalb Paul Günther sich noch am Sonntag so sehr ärgerte, wie er sich noch nie über eine Leistung seiner Mannschaft geärgert hat, seit er die Oberliga-Damen der TSG Oberursel trainiert. Sein Team sei doch noch nicht so clever, wie er angenommen habe, sagt er. Und seine Spielerinnen hätten es nicht geschafft, sich richtig auf einen Gegner einzustellen und vor allem auch einzulassen, der genauso aufgetreten sei, wie man vermutete.

Am Ende rettete die TSGO zwar bei TSV Eintracht Böddiger noch einen Punkt und bleibt auch im 13. Spiel hintereinander unbesiegt. Doch wenn Titelkonkurrent HSG Rodgau Nieder-Roden so weitermacht wie auch gestern beim 26:23-Sieg im schweren Auswärtsspiel bei der TGS Walldorf, könnte das Oberurseler 37:37 in Nordhessen zum entscheidenden Punktverlust im Rennen um Meisterschaft und Aufstieg werden. Nieder-Roden hat jetzt aufgrund des besseren direkten Vergleichs die Tabellenspitze übernommen.

So weit wollte Günther freilich noch nicht nach vorne blicken. Wie schnell es mit einem Ausrutscher gehen kann, erlebte er ja am Samstagabend in der Stadtsporthalle Felsberg selbst. Besser gesagt: wie langsam das gehen kann. Denn so bedächtig wie erwartet, trugen die körperlich überlegenen Gastgeberinnen ihre Angriffe vor. Sie verließen sich dabei auf ihr gutes Entscheidungsverhalten im Rückraum. Werfen, quer spielen oder an den Kreis passen? Böddiger traf meistens die richtigen Entscheidungen, weil die TSV-Akteurinnen zu spät oder gar nicht von Oberursels Abwehrspielerinnen attackiert wurden und die Torfrauen des Titelaspiranten kaum mal eine Hand an den Ball bekamen.

„Dort zu spielen, ist unheimlich schwer, und Böddiger liegt uns nicht so“, sagte Günther, „wir wussten aber genau, was kommt.“ Schließlich teilten die Teams schon in der Vorsaison mit 30:30 die Punkte. „Wir haben es aber nicht geschafft, in der Abwehr die richtige Einstellung an den Tag zu legen“, monierte der frühere Zweitligaspieler. Dennoch gingen die Oberurselerinnen in dem durchweg engen Spiel einige Male in Führung – „um dann im Kopf wieder ein, zwei Gänge zurückzuschalten“, urteilte der TSGO-Trainer.

Mit 36:35 lag der Favorit letztmals in Führung, da waren noch 95 Sekunden zu spielen. Anstatt die beiden folgenden Angriffe nun ruhiger und damit auch überlegter anzugehen, hielten die Gäste aber das Tempo hoch, so dass zweimal der Ball im Aus landete. Böddiger ging mit 37:36 in Führung und war dem Sieg ganz nahe.

Allerdings besannen sich die Oberurselerinnen in ihrer Auszeit 33 Sekunden vor dem Abpfiff, zogen die vereinbarte Auslösehandlung im Angriff dann durch. So holte Michelle Okrusch den letzten von acht Strafwürfen heraus, der erneut von Viktoria Heilmann sicher verwandelt wurde. Die letzten Sekunden verteidigten die TSGO-Damen geschickt und retteten so das Unentschieden.

Dennoch wirkt das 37:37 wie eine gefühlte Niederlage nach. Zwei Wochen hat die TSGO jetzt Zeit, sich auf das Derby gegen den Tabellendritten TuS Kriftel vorzubereiten. Sieben Spieltage sind es insgesamt noch. Dass es mit der angepeilten Rückkehr in die 3. Liga etwas wird, haben die Oberurselerinnen nicht mehr in der Hand.

TSGO: Schilling, Petry; Heilmann (17/8), Mies (8), Sellner, N. Okrusch (je 3), M. Okrusch, Walde, Stahl (je 2), Krasnansky, Sailler.

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