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Berit Mies (TSG Oberursel) beim Sprungwurf

Handball, Hochtaunus

TSG Oberursel fordert im DHB-Pokal den Bundesligisten Bensheim/Auerbach heraus

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Wie das Kaninchen in Ehrfurcht vor der Schlange erstarren – nein, so will der TSGO-Trainer seine Spielerinnen im Pokalspiel am Sonntag um 16 Uhr nicht sehen. Dass es ein schönes Event wird, dafür könnte indes auch eine zuletzt durch Verletzung gehandicapte Spielerin sorgen.

Jahr für Jahr erfreuen sich Fußball-Fans daran, den Großen beim Stolpern zuzuschauen. Der DFB-Pokal hat nicht nur seine eigenen Gesetze, wie man so schön sagt. Es wachsen auch vermeintlich krasse Außenseiter in schöner Regelmäßigkeit über sich hinaus und werfen hohe Favoriten raus. In der ersten Runde des laufenden Wettbewerbs gelang dies beispielsweise dem viertklassigen SC Verl mit einem 2:1-Sieg gegen Bundesligist FC Augsburg.

Wer weiß, was also die Handball-Anhänger am Sonntag erwartet, wenn um 16 Uhr die Oberliga-Damen der TSG Oberursel in der Zweitrundenpartie des DHB-Pokals, ihrem „Spiel des Jahres“, den Erstligisten HSG Bensheim/Auerbach – genannt „die Flames“ (englisch für „Flammen“) erwarten? Mit hoher Wahrscheinlichkeit kein sensationeller Heimsieg (falls die Südhessinnen mit ihrem kompletten Kader antreten).

Im Handballsport laufen die Uhren dann doch ein wenig anders als im Fußball. In der EKS-Sporthalle trifft am Sonntag eine Amateurmannschaft, die drei Mal pro Woche im Training daran arbeitet, besser zu werden, auf ein Profi-Team, das sich zu diesem Zweck jeden Tag mindestens einmal trifft. Das sorgt vor allem in der Athletik für einen Unterschied, obwohl die TSGO für Oberliga-Verhältnisse wahrlich ein schnelles Spiel aufs Parkett zaubert. Jedoch ist es beim Handball so, dass sich Angriffe der Mannschaften ständig abwechseln und es eben nicht reicht, ein paar Drangperioden des zu nachlässig agierenden Favoriten mit Glück zu überstehen und selbst in den richtigen Momenten die Tore zu machen. Ein gewisser Leistungsunterschied, der schon alleine durch den viel höheren Trainingsumfang vorhanden ist, wird in Oberursel also nahezu im Minutentakt zu erkennen sein.

Schönes Handball-Event geplant

Nach dem 24:22-Überraschungssieg gegen den eben „nur“ eine Spielklasse höher eingestuften TV Nellingen in der ersten Runde hatte Oberursels Trainer Paul Günther in seiner ersten Reaktion noch ein wenig bedauert, mit Bensheim/Auerbach jetzt einen so übermächtigen Gegner zugelost bekommen zu haben. Inzwischen freut er sich richtig auf das Spiel. Wie seine Spielerinnen auch. „Wir wollen ein schönes Handball-Event daraus machen“, sagt Günther, „für viele ist es das erste Mal, dass sie gegen einen Bundesligisten spielen können. Die Mädels sollen vor allem Spaß haben. Sie werden in diesem Bonus-Spiel auf jeden Fall viel lernen.“

In stärkster Formation Der Oberliga-Titelverteidiger hat sich vorgenommen, das bestmögliche Resultat zu erzielen. „Nicht wie das Kaninchen vor der Schlange“ sollen seine Spielerinnen agieren, hofft Günther, der seine beste Mannschaft stellen kann. Auch Kreisläuferin Selina Walde trainierte nach ihren Kniebeschwerden wieder mit.

Die TSGO geht davon aus, dass Bensheim/Auerbach alles aufbietet, was Rang und Namen hat. Da ist zuvorderst Julia Maidhof zu nennen, die sich zur Nationalspielerin entwickelt hat, aber auch die Niederländerinnen Dionne Visser, Sanne Hoekstra, Sarah Dekker, Sarah van Gulik und Torfrau Helen van Beurden, die teilweise schon für ihr Land im Einsatz waren.

Mehr als 300 Zuschauer erwartet

Worauf sich die TSGO-Damen auch freuen, ist die Stimmung in der Halle. Auf ihren „Fanclub“, bestehend aus mit Trommeln bewaffneten Spielern der A- und B-Jugend ihres Vereins, können sie ohnehin bauen. Es besteht aber auch die Hoffnung, dass sich an dem ansonsten fast handballfreien Wochenende der ein oder andere Interessierte aus dem Rhein-Main für einen Besuch in der Sporthalle der Erich-Kästner-Schule entscheidet. Mehr als 300 Zuschauer würde die Mannschaft gerne begrüßen.

Vor 40 Jahren selbst Bundesligist

Unter den Besuchern – und damit schließt sich der Kreis – werden sich auch frühere Oberurseler Bundesliga-Spielerinnen befinden. Die TSGO feierte vor 40 Jahren mit dem Aufstieg in die 1. Liga ihren größten Erfolg im Damenhandball.

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