+
Trainer Dirk Lodders (TSG Oberursel) gibt seinen Spielern während einer Partie Anweisungen.

Handball

TSG Oberursel wendet frühzeitigen Abstieg ab, Dirk Lodders hört bald als Landesliga-Trainer auf

Griedel ist in dieser Landesliga-Saison so etwas wie Oberursels Lieblingsgegner. Von fünf Siegen gelingen gegen den TSV zwei. Am Samstag zeigte das Schlusslicht wieder, was es zu leisten imstande ist.

Wer am späten Samstagnachmittag in der Erich-Kästner-Schule dem Landesligaspiel zwischen der TSG Oberursel und dem TSV Griedel beiwohnte, der dürfte sich einige Fragen gestellt haben. Beispielsweise: Warum stehen die Handballer der TSGO am Tabellenende? Und wieso haben die Gäste im bisherigen Verlauf der Saison sogar doppelt so viele Punkte wie die TSGO gesammelt? Wenn überhaupt Vorteile auszumachen waren dann zugunsten von Oberursel.

Das Team, das nur mit einem Sieg die rechnerische Möglichkeit auf einen Ligaverbleib sichern konnte, zeigte sich von Beginn an hellwach, hochmotiviert und trotz der schwierigen Gesamtsituation kein bisschen nervös. Die Initialzündung zum verdienten 29:26-Sieg lieferte Torhüter Dennis Geier.

Nachdem die Gäste ihren ersten Angriff vergaben, spielte Geier bereits einen Pass über das gesamte Spielfeld, um den ihn der eine oder andere Quaterback im American Football beneidet hätte. Unmittelbar vor dem gegnerischen Kreis erreichte der Ball den blitzschnell ausgeschwärmten Martin Walz, der daraufhin das erste Tor der Partie erzielte (und wenig später aufgrund einer Verletzung der linken Hand ausscheiden musste).

Die direkte Antwort des TSV Griedel blieb aus, da Geier den nächsten Angriff entschärfte. Sofort überrannten seine Vorderleute den behäbig wirkenden TSV wieder, scheiterten diesmal aber beim Abschluss. Wenn man etwas am Spiel der TSGO kritisieren wollte, dann war es allenfalls die Torausbeute. Trotzdem führten die Gastgeber nach knapp vier Minuten mit 3:1. TSV-Trainer Dirk Schwellnus rief seine ebenfalls abstiegsgefährdete Mannschaft daher mit einer frühen Auszeit an die Bank.

Oberursel Coach Dirk Lodders musste im Gegensatz zu seinem Trainerkollegen nicht viel ansprechen. „Die Abwehr stimmt. Das Tempo stimmt“, konnte man auf der Zuschauertribüne vernehmen. In der Tat zeichnete sich die TSGO neben dem extrem schnellen Angriffsspiel über eine sattelfeste Deckungsreihe aus.

Häufig blieben dem Gegner in der Anfangsphase des Spiels nur schlechte Würfe, die meist nicht einmal aufs Tor kamen. Um alles andere kümmerte sich Geiger, und so führte Oberursel nach 23 Minuten mit 9:5. Allerdings konnte der TSV Griedel über Sascha und Niels Siek noch vor dem Kabinengang wieder den Anschluss herstellen. Das Brüderpaar kam später zusammen auf 18 Tore und verkürzte zur Pause fast im Alleingang auf 12:10.

Den Vorsprung von mindestens zwei Toren konnte die TSGO bis zum Ende halten. „Kompliment an die Jungs“, sagte Lodders nach der Partie, „sie sind nie von ihrer Linie abgekommen, selbst als es kurzzeitig mal eng wurde.“ Zehn Minuten vor Schluss brachte Sandro Krüger die Gäste bis auf einen Treffer heran (23:22). Doch danach schaltete Oberursel wieder einen Gang höher und zog innerhalb von fünf Minuten auf 27:22 davon. „Wir haben eigentlich eine ähnlich starke Leistung wie in den Spielen zuvor gezeigt“, erkannte Lodders, „doch Griedel konnte diesmal keinen Profit aus unseren Tiefs schlagen. Und dann nimmt so eine Partie eine gewisse Eigendynamik an.“

Sieben Punkte beträgt bei noch vier ausbleibenden Spielen der Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz, den weiterhin der TSV Griedel belegt. Beim Tabellenfünften TG Kastel ist die TSGO deshalb am Sonntag (17.30 Uhr) zum Siegen gezwungen

TSGO: Geier, Hadziabdic; Wienand (6), Janosch (6/4), Jockel (4), Illestro (3), Scheich (3), Landvogt (3), Rummel (2), Bechtold (1), Walz (1), Weber, Avemann.

ROBIN KUNZE

Warum Dirk Lodders bald als Landesliga-Trainer aufhört

Dirk Lodders wird nach der Saison das Traineramt für die Landesliga-Mannschaft abgeben und sich ganz auf die Betreuung der Oberliga-A-Jugend der TSG Oberursel konzentrieren. Dass er den Nachwuchs weiterhin trainiere, sei klar kommuniziert gewesen, sagte Lodders. Da er dafür in jedem zweiten Spiel durch Hessen fahre und noch privaten und beruflichen Verpflichtungen nachkommen müsse, fehle ihm einfach die Zeit. „Ich habe geholfen, wie es mir möglich war, und hoffe, die Mannschaft sportlich weitergebracht zu haben.“ Zum Zeitpunkt der Mannschaftssitzung am Freitagabend habe sein Entschluss bereits festgestanden. Er habe deshalb nicht teilgenommen. Lodders hatte das Traineramt nach acht Spieltagen und 0:16 Punkten von Ergün Sahin übernommen.

„Wir akzeptieren seine Entscheidung, das ist okay für uns“, kommentierte Abteilungsleiterin Birgit Michelson die Personalie auf Nachfrage dieser Zeitung. Die Trainersuche beginne jetzt, für die Planung der neuen Saison bliebe genug Zeit. Erst nachdem die Mannschaft sich intern ausgetauscht habe, sei der Vorstand am Freitagabend noch dazugestoßen. Das habe sich das Team gewünscht. Über Inhalte der Sitzung wollte Michelson keine Angaben machen. Sie ist guter Dinge, dass der Großteil der Mannschaft weiterhin in Oberursel spielt. Da wahrscheinlich der Abstieg eintrete, werde es auch Abgänge geben. (rem)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare