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Im Anflug: Oberursels Robert Avemann visiert beim Tempogegenstoß das Ober-Eschbacher Tor an, Moritz Hess kommt zu spät.

Handball, Hochtaunus

Oberursel triumphiert mit 32:18 in Ober-Eschbach

Im Taunus-Derby der Handball-Bezirksoberliga gewinnt die TSG Oberursel bei der TSG Ober-Eschbach haushoch. Die Gastgeber brechen beim Saisonauftakt in der zweiten Halbzeit ein.

Nach gut zweieinhalb Jahren trafen am Samstagabend die Handballer der TSG Ober-Eschbach und der TSG Oberursel wieder in einem Punktspiel aufeinander. Ausverkauft war die Albin-Göhring-Halle zwar nicht, doch immerhin knapp 200 Zuschauer wollten sich das Derby nicht entgehen lassen. Dank der Eschbacher Jugend, die mit Trommelschlägen und Sprechchören die 1. Mannschaft anfeuerte, kam auch eine gute Stimmung auf. Zumindest in der ersten Halbzeit, denn da waren beide Mannschaften noch in etwa gleich auf.

Die Gäste hatten den besseren Start und waren durch Robert Avemann (2.) und Niklas Haupt (3.) mit 2:0 in Führung gegangen, doch Ober-Eschbach antwortete in seinem ersten Saisonspiel nach anfänglicher Nervosität effektiv. Die Hausherren drehten die Partie zum 5:3 (9.). Besonders Neuzugang Kristijan Katic machte im rechten Rückraum den Gästen in dieser Phase zu schaffen. Ein ums andere Mal stieg die sprung- und wurfgewaltige Nummer 18 hoch und kam trotz seiner Größennachteile zum Abschluss. Katic wurde zum besten Schützen der TSG Ober-Eschbach, allerdings fielen seine vier Treffer allesamt innerhalb der ersten 14 Minuten. Damit wird das Problem der Gastgeber bereits deutlich: Gerade im Angriff ging ihnen im weiteren Verlauf die Puste aus. Bis zur 22. Minute konnte der Vorsprung zwar dank Kreisläufer Piotr Szczerbek-Orlowicz auf 11:8 ausgebaut werden, doch dann holten die Gäste auf. Zur Pause lag Oberursel bereits mit 12:11 vorne.

Während das Gäste-Team des früheren Ober-Eschbacher Spielers und Trainers Klemens Naß den Schwung in die zweite Halbzeit mitnehmen konnte, verlor Ober-Eschbach, bei denen Spielmacher Magnus Kongestol verhindert war, plötzlich komplett den Faden. Erst nach knapp sechs Minuten erzielte Moritz Hess den zwölften Treffer, doch da war Oberursel bereits auf vier Treffer weggezogen. Und der Vorsprung vergrößerte sich schnell. Nach Alexander Mertzlins Tor in der 45. Minute stand es bereits 23:13.

Trotz des deutlichen Vorsprungs blieben die Gäste äußerst konzentriert, die Gastgeber fanden dagegen nicht mehr zurück in die Partie. „In der zweiten Halbzeit sind wir eingebrochen“, resümierte Eschbach-Trainer Slobodan Jankovic, „warum, kann ich mir nicht erklären. Wir haben heute auf keinen Fall das richtige Bild unserer Mannschaft wiedergegeben. Minus 14 – damit ist die Niederlage deutlich zu hoch ausgefallen.“

Für Jankovic wird es nur ein schwacher Trost gewesen sein, dass es seinen Kollegen Jürgen Mittag und Naß beim Oberurseler Saisonauftakt ähnlich gegangen war. Gegen die HSG Hochheim/Wicker (26:31) hatte ihr Team vieles vermissen lassen, was es nun zum Derby abrief. „Wir haben sieben Wochen hart gearbeitet, uns im ersten Spiel dafür aber nicht belohnt“, sagte Naß, „das haben wir jetzt nachgeholt.“ Da habe es für ihn auch keine Rolle gespielt, dass er seinem Ex-Verein den Saisonstart vereitelte. Ganz im Sinne des fair geführten Derbys standen die Eschbacher zu ihrem vorab gegebenen Wort und feierten gemeinsam mit den Gästen die After-Game-Party. „Nach einer solchen Niederlage fällt das aber schwer“, gestand Eschbachs Kapitän Zarko Jankovic.

Spielfilm: 0:2 (3.), 5:3 (9.), 5:5 (11.), 8:7 (19.), 10:7 (22.), 11:11 (27.), 11:12 (29.), 11:16 (35.), 13:23 (45.), 15:28 (54.), 18:32 (60.).

TSG Ober-Eschbach: Müller, Rondic, Veteras; Katic (4), Hess (3), Szczerbek-Orlowicz (3/3), Hahne (1), Kahrovic (1), Ball (1), Jankovic (1), Kallis (1), G. Pagano, Müller, Heinen, D. Pagano.

TSG Oberursel: Ad. Hadziabdic, Geier; Haupt (5), Macho (4), Hentschel (4), Walz (4), Mertzlin (4), Scheich (3), Metz (3), Juli (2/1), Avemann (1), Al. Hadziabdic (1), Weiß, Rummel.

Die Oberurseler feiern ihren Sieg auf des Gegners Party

Mitte der zweiten Halbzeit lagen die Oberurseler längst komfortabel in Führung. Einige Stammspieler durften sich daher etwas schonen, doch an Intensität verlor das Spiel deswegen nicht. Martin Walz avancierte beispielsweise vom Leistungsträger auf dem Feld zum „Cheerleader“ an der Bank und feierte jeden Treffer seiner Kollegen lautstark, riss dabei die Fäuste in die Luft. Das Trainergespann um Jürgen Mittag und Klemens Naß hatte nach der Niederlage aus der Vorwoche Wiedergutmachung gefordert und ihre Spieler lieferten. In der 43. Minute – Oberursel lag mit 20:13 vorne – verlor Alexander Mertzlin am gegnerischen Kreis den Ball, doch statt abzuschalten, blieb er hellwach. Er blockte einen Tempogegenstoßpass ab und brachte so Aldin Hadziabdic frei zum Abschluss. Die eigenen Konter spielte Oberursel äußerst konsequent zu Ende.

„Es hat mich sehr gefreut, dass wir nicht nur einen Hauptschützen hatten“, lobte Naß. Nach der starken Leistung gab’s vom Trainer dann auch die ausdrückliche Erlaubnis, an der After-Game-Party in der Halle teilzunehmen. Die TSG Ober-Eschbach hatte seine Gäste zuvor eingeladen. Naß selbst wollte „dem Alter entsprechend“ mitfeiern, wie er schmunzelnd verriet. „Ein Bierchen kann man sich nach so einem Spiel durchaus mal genehmigen.“

ROBIN KUNZE

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