Ohne geht gar nicht

  • vonWolfgang Bardong
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Wie passen sportliche Topleistungen und Mama-Sein zusammen? Bad Homburgs HTG-Volleyballdamen dürften im Chor mit einem fröhlichen „Bestens“ antworten.

Wenn die HTG Bad Homburg in der Oberliga Hessen morgen (19 Uhr, Feri-Sportpark) auf den TSV Hanau trifft, dann geht es hüben wie drüben eigentlich nicht mehr um sonderlich viel. Der TSV ist mit 21 Punkten Dritter, die HTG mit deren 20 Fünfter – zur Abstiegszone haben beide Teams ein dickes Polster aufgebaut, die Tabellenspitze ist allerdings noch viel weiter entfernt. Die Bad Homburgerin Jennifer Hesse wird dennoch mit einem ungewohnten Gefühl am Netz stehen: Es wird, so sie denn ihre Erkältung überstanden hat, ihr letztes Spiel sein vor dem Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Den Volleyball legt die 31-Jährige nach Samstag erst einmal zur Seite. Was höchst freudige Gründe hat: „Jen“ – so wird die sportliche Dame mit der „Eins“ auf dem roten HTG-Trikot gerufen – wird Mama.

Welche neuen Herausforderungen in absehbarer Zeit – den errechneten Geburtstermin behält sie lieber für sich – auf Jennifer Hesse warten, kann sie sich zwar ausmalen. Aber die Folgen richtig einschätzen kann eine Frau für gewöhnlich erst, wenn sie Mutter ist. Felsenfester Überzeugung ist die Außen- und Diagonalangreiferin aber schon jetzt in einem Punkt – und wenn sie den anspricht, hört sich das nicht so an, als sollte sich das nach der Geburt ändern: „Aufhören mit Volleyball kommt überhaupt nicht in die Tüte, zur Saison 2016/17 will ich auf alle Fälle wieder einsteigen“, sagt sie, die in einem Oberurseler Fitnessstudio beschäftigt ist.

„Viele Sprünge und andere unruhige Bewegungen mache ich nicht mehr“, sagt sie. Eine gewisse Vorsicht ist eben oberstes Gebot. Sorgen braucht sie sich beim Volleyballspielen aber nicht zu machen: Was lange Zeit als zu gefährlich für das ungeborene Leben galt, wird von Medizinern und Sportwissenschaftlern inzwischen eindeutig empfohlen. Regelmäßiger Sport hält die Mutter fit, so heißt es, vermindere typische Rückenprobleme und Wassereinlagerungen sowie eine zu starke Gewichtszunahme.

Kürzlich ist Jennifer Hesse, die auch noch als Schiedsrichterin kreuz und quer durch die Republik reist, mal wieder gefragt worden, wie es denn nach der Geburt aussehen würde mit Schiedsen und Spielen. „Wann kommst du denn wieder?“ Wenn es nach ihr ginge, so früh als möglich: „Ich will unbedingt als Schiedsrichter im Perspektivkader bleiben, um noch mehr Einsätze in der höchsten Spielklasse als bislang zu bekommen. Das macht mir halt einfach Riesenspaß.“ Vielleicht klappe dies ja sogar schon Ende des Jahres wieder. Dann mit Nachwuchs. Worin „Jen“ absolut kein Problem sieht: „Wieso auch, mit der Unterstützung durch meinen Mann Jonas, den Schwiegereltern und Eltern, die in der Zeit aufpassen, klappt das schon. Das sehe ich völlig entspannt.“

Volleyball spielende Mamas sind bei der HTG Bad Homburg wahrlich keine Rarität. Baggern, pritschen und schmettern, das tun mit Nicole Moosbrugger, Anke Limmer, Christine Doll und Natalie Barfeld bereits vier weitere Mütter beim heimischen Aushängeschild im Volleyballsport (die HTG-Damen spielen im Hochtaunuskreis als Oberligist am hochklassigsten).

Nicole Moosbrugger, die Mannschaftsführerin (32), wurde am 16. März 2013 stolze Mama. „Eigentlich hatte ich damals vor, noch wesentlich länger zu trainieren und zu spielen. Ich fühlte mich einfach noch richtig gut und wohl. Aber dann kam mir eine Rippenfellentzündung dazwischen, so dass ich mich bereits vor Ende 2012 in die Pause zurückziehen musste“, erinnert sich die „Nicky“.

Drei Monate nach der Geburt der kleinen Sophia war die Mama zurück im Training und stand ihrer Mannschaft ab September wieder für die Punktspiele zur Verfügung. „Mir war von Anfang an klar, dass ich zum Volleyball zurückkehren würde. Ohne geht gar nicht“, nickt sie. Training, Spiel und Klein-Sophia – keine Frage, das passt unter einen großen Hut: „Wenn ich im Training bin, passt mein Mann Robert, der über mich überhaupt erst zum Volleyballspielen gekommen war, zu Hause auf. Bei unseren Heimspielen wird es ja oft sehr spät. Da machen wir es dann so“, berichtet die „Chefin“ auf dem HTG-Feld, „dass Sophia zunächst mit in der Halle ist und einfach früher nach Hause gebracht wird. Manchmal steht dann mal eine Übernachtung bei meiner Mutter an. Das kann ja auch ganz schön spannend sein.“

Dass Sophia Talent eventuell in die Wiege gelegt worden ist, mag Moosbrugger gar nicht abstreiten: „Sie hat einen Volleyball in Miniformat. Mit dem spielt sie unheimlich gerne. Außerdem fühlt sie sich in der Halle pudelwohl und schaut dann auch mal ganz aufmerksam zu.“ Dass ab und an von Sophia ein lauter und unvernehmlicher „Tor“-Schrei zu hören ist, wird sich mit der Zeit sicherlich noch geben . . .

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