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Die Handballerinnen der TSG Ober-Eschbach (schwarze Trikots) dürften auch in der Saison 2019/20 in der 3. Liga spielen.

Handball, TSG Ober-Eschbach

Ohne Wenn und Aber: Die „Pirates“ bleiben Drittligist

Mit einem furiosen Sieg schaffen die Handballerinnen der TSG Ober-Eschbach den Klassenerhalt. „Endlich“, wird auch manche von ihnen sagen. Das Spiel hat einen faden Beigeschmack. Dafür sorgt der Gegner.

Ober-Eschbach. Die Odyssee ist vorbei, das Schiff der „Pirates“ hat den sicheren Hafen der 3. Liga endlich erreicht. Und das ganz ohne Rechenspiele oder fremde Hilfe, denn die Handball-Frauen der TSG Ober-Eschbach schlugen am Samstagabend den TVE Netphen mit 43:22 und holten sich so den Gesamtsieg in der Entscheidungsrunde. Die Freude, vor allem aber die Erleichterung war groß und noch bis 5 Uhr in der Nacht feierte das Team zusammen.

Nur die Gäste aus dem Siegerland trübten kurzzeitig die ausgelassene Stimmung. Der Vertreter der 3. Liga West war mit einem Rumpfkader von neun Spielerinnen angereist. Die meisten stammen aus dem zweiten Glied. „Die erste Mannschaft ist aktuell auf Mallorca“, erklärte TSG-Manager Christoph Pohl. Das entnahm er dem offiziellen Instagram-Account der Mannschaft, die dort fröhliche Urlaubsbilder postet. Da sehr wahrscheinlich auch Netphen als Letztplatzierter der Dreier-Runde mit den Pirates und der TG Pforzheim in der 3. Liga bleiben wird, weil wahrscheinlich drei Plätze durch Rückzüge frei werden (wir berichteten), wurde das Spiel in Ober-Eschbach nicht mehr wirklich ernst genommen.

Bei den Verantwortlichen der „Pirates“ kam das Gebaren nicht besonders gut an. „Unsere Mädels haben ihren Urlaub abgesagt und noch mal zwei Wochen hart trainiert für diese Spiele“, sagte Pohl, „dann hätte Netphen auch gleich ganz absagen können.“ Pohl selbst war ebenfalls bis Samstag auf der Balearen-Insel, reiste aber eigens für die Partie am Morgen nach Bad Homburg, wo er unter den rund 250 Zuschauern war.

Zunächst wollte in der Albin-Göhring-Halle aber keine Stimmung aufkommen. Weder die Besucher auf der Tribüne noch die Spielerinnen auf dem Feld kamen wirklich rein in das Spiel, das sich in den kommenden Tagen als Muster ohne Wert entpuppen dürfte.

Dementsprechend mau fiel das Niveau in der ersten Viertelstunde aus (8:6): Kaum Intensität in der Abwehrarbeit auf beiden Seiten und zahlreiche individuelle Fehler beim TVE. Mehr als einmal kullerte ein Fehlpass zurück in das Halbfeld von Netphen. TSG-Trainer Holger Hölzinger forderte lautstark eine Steigerung, und sein Team verstand. Die Pirates drehten auf und zeigten vor allem ihre Stärke im Tempogegenstoß.

Richtiger Jubel kam in der Halle auf, als Kristina Bils kurz vor der Halbzeit auf der rechten Seite freigespielt wurde. Bils hatte nach einer langen Auszeit vom Handball schon in den letzten Partien der Hauptrunde kurze Einsätze. Diesmal erzielte sie einen Treffer – zum 22:11 – und wurde dafür von Fans wie Mitspielerinnen gefeiert.

Noch emotionaler wurde es nach dem Abpfiff: Alexander Adamski, Trainer in der Normalrunde, verabschiedete sich mit Blumensträußen offiziell von seiner Mannschaft. Der Verein wiederum verabschiedete Linkshänderin Saskia Schwering sowie die Torfrauen Sophie Löbig und Milena Deppisch. Das Trio wird in der kommenden Spielzeit nicht mehr im Trikot der TSG Ober-Eschbach auflaufen. Zumindest vorerst. „Ich würde sie alle drei sofort wieder aufnehmen, unsere Tür steht ihnen jederzeit offen“, sagte Manager Pohl.

Spielfilm: 3:4 (7.), 8:5 (15.), 18:8 (24.), 22:12 (30.), 27:16 (40.), 35:17 (50.), 43:22 (60.). – Pirates: Sophie Löbig, Milena Deppisch; Lisa Lichtlein (10), Franziska Chmurski (6), Lena Riedel (5), Greta Bucher (5), Adrienn Zsigmond (5/2), Claudia Mertens (5), Saskia Schwering (4), Pia Özer (2/1), Kristina Bils (1).

ROBIN KUNZE

Die Farce hat wenigstens ein Happy End

KOMMENTAR VON TZ-SPORTCHEF THORSTEN REMSPERGER

Über Umwege haben die Handballerinnen der TSG Ober-Eschbach den Verbleib in der 3. Liga doch noch geschafft, und das hat die Mannschaft sich redlich verdient. Was jedoch die Verbands-Oberen dringend überdenken sollten, ist die Durchführung einer Abstiegsrunde nach der Saison.

Diese zusätzlichen Spiele wurden überflüssig, da inzwischen mehrere Mannschaften zurückgezogen haben und deswegen weitere Plätze in der 3. Liga frei geworden sind. Und das ist in diesem Jahr nicht zum ersten Mal so. Bis diese Farce perfekt war, mussten Spielerinnen, Trainer und Vereine der Abstiegsrunde – in den allermeisten Fällen Amateure – drei Wochen Training und Spielbetrieb dranhängen (wenn sie es denn ernst meinten). Dafür private Termine absagen, mehr Geld in die Hand nehmen.

Was noch unangenehmer ist: Die Teams gehen jetzt drei Wochen später in die Pause und haben demnach auch weniger Zeit, um sich auf die neue Saison vorzubereiten. Ein klarer Wettbewerbsnachteil. Ganz zu schweigen von den Personalplanungen, die über Wochen ins Stocken gerieten.

Warum rücken nicht einfach die punktbesten Teams auf den Abstiegsplätzen in den Drittliga-Staffeln nach, falls doch noch Plätze für die neue Saison frei werden? Eine Saisonverlängerung macht jedenfalls aus den genannten Gründen keinen Sinn.

Für die TSG Ober-Eschbach waren indes die späten Triumphe ein Happy End, wie es irgendwie zu dieser turbulenten Saison passt. Als im Herbst schon eine Abmeldung des Teams im Raum stand – Manager und Trainer waren weg – haben sich Spielerinnen und Verein zusammengerauft und mit neuen Mitstreitern und ganz viel unbändigem Einsatz das Schiff der „Pirates“ wieder auf Kurs gebracht. Schön, dass auch auf dem Spielfeld diese Energieleistung belohnt worden ist.

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