Oliver Klemet (links) mit seinem Heimtrainer Jan Wolfgarten.
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Oliver Klemet (links) mit seinem Heimtrainer Jan Wolfgarten.

Schwimmen, Hochtaunus

Oliver Klemet feiert ein erfolgreiches EM-Debüt

  • vonKatja Weinig
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Der 19-Jährige Wehrheimer schwimmt bei der Freiwasser-EM in Budapest auf Rang zwölf. Viel Lob gibt es für Oliver Klemet vom Bundestrainer.

Wehrheim -Oliver Klemet ist angekommen - nicht nur im Ziel des Freiwasser-EM-Wettbewerbs auf der olympischen 10-Kilometer-Distanz, sondern auch in der erweiterten europäischen Spitze. Mit Platz zwölf gelang dem 19-jährigen Wehrheimer ein mehr als beachtenswertes Resultat bei seiner Premiere in der internationalen Erwachsenenklasse.

Nach exakt einer Stunde, 52 Minuten und 5,7 Sekunden schlug er am Himmelfahrtstag im Ziel an und schob sich damit sogar noch um einen Platz vor den deutschen Olympiastarter Rob Muffels (SC Magdeburg). Den Wettbewerb im Lupa-See am nördlichen Stadtrand von Budapest gewann der italienische Olympiasieger Gregorio Paltrinieri (1:51:30,6 Stunden), der sich bereits auf der 5-Kilometer-Strecke EM-Gold gesichert hatte. Deutschlands Vorzeigeschwimmer Florian Wellbrock (SC Magdeburg/1:51:42,0 Stunden) kam auf den Bronzerang.

Noch wenige Tage zuvor hatten die Freiwasser-Wettbewerbe auf der Kippe gestanden, denn der Lupa-See, der normalerweise mit türkisfarbenem Wasser und weißen Stränden besticht, war deutlich zu kalt. 16 Grad Wassertemperatur sind das in den internationalen Statuten vorgeschriebene Mindestmaß. Erst am Dienstagabend konnte nach einem Leader-Meeting vor Ort Entwarnung gegeben werden.

"Meine Füße wurden schnell taub"

Zum Start des 10-Kilometer-Rennens am Himmelfahrtstag zeigte das Wasserthermometer dann 17,8 Grad an - immerhin fast drei Grad mehr als die Lufttemperatur; mit Regenschauern und windbedingt teils starkem Wellengang zeigte sich der beliebte Freizeit-See jedoch nicht von seiner idyllischen Seite.

In langen Neoprenanzügen machten sich die 33 Schwimmer aus 18 Nationen auf den zwei Kilometer langen Rundkurs. Im "Neo" zu schwimmen, war für Oliver Klemet "schon eine Umstellung". Der eng anliegende Anzug schützt zwar vor der Kälte, schränkt aber die Schulterrotation etwas ein; dass Hände, Füße und Gesicht ungeschützt sind, machte sich rasch bemerkbar: "Der Körper war dank Anzug ganz okay, aber meine Füße wurden schnell taub, und meine Hände habe ich auch nicht mehr so richtig gespürt."

Ungeachtet dessen arbeitete sich Klemet, der über 10 000 Meter auch für die Becken-EM qualifiziert gewesen wäre, sich aber voll aufs Freiwasserschwimmen konzentrierte, konzentriert durch den See. Meist hielt sich der Mann mit der Startnummer 302 während der fünf Runden am Rande des Feldes auf, versuchte, das dichte Gedränge, in dem es schon einmal handfeste Schläge setzt, zu vermeiden. Auch die teils turbulenten Situationen an den Wendemarken und den beiden Verpflegungsstationen vermied das Wehrheimer Nachwuchstalent souverän. Für die Einhaltung der Renntaktik gab es ein Extralob des Bundestrainers: "Gerade Oliver hat sich schon wie ein alter Hase immer in eine gute Position gebracht", so Bernd Berkhahn im DSV-Interview.

Wie die Familie mitfieberte

Im heimischen Taunus verfolgte Familie Klemet das Rennen im Livestream. "Die starke Konkurrenz und die Wassertemperatur muss man erstmal aushalten", sagte Vater Andrej, "den Schmerz, die zehn Kilometer durchzuschwimmen, und dazu dieser ständige Kampf um eine Ideallinie im Wasser."

"Oli" Klemets Positionstaktik ging auf: Bei den Zwischenzeiten wies der Schützling von Heimtrainer Jan Wolfgarten konstant Rückstände von lediglich sechs bis 15 Sekunden zur Spitze des Feldes auf, an der lange Zeit Florian Wellbrock das Tempo machte. Nach einem flotten Beginn drosselten die Top-Schwimmer zwischen den Kilometermarken fünf und sechs das Tempo etwas, so dass sich das teils lang auseinandergezogene Feld wieder zusammenschob. Dann ging wieder die sprichwörtliche Post ab, und auf der Schlussrunde spielten die Favoriten ihre Stärke aus, erhöhten die Frequenz sichtbar.

35,1 Sekunden betrug der Rückstand von Oliver Klemet am Ende auf Europameister Paltrinieri. Doch auch das Finish des jungen Wehrheimers konnte sich sehen lassen: Obwohl einer der Jüngsten im Feld, konnte er noch mehrere Konkurrenten überholen. Mit Platz zwölf in einem Weltklasse-Feld hat der 19-Jährige selbstbewusst an die Tür zur internationalen Freiwasser-Elite angeklopft. Oliver Klemet bleibt jedoch gelassen: "Ich denke, ich kann mit dem Rennen vollkommen zufrieden sein."

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