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Ein Paralympionike schlägt für die SG Anspach auf

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Von: Gerhard Strohmann

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Streckt sich nach dem Ball: Thomas Schmidberger im August 2021 in einem Spiel der Paralympics in Tokio.
Streckt sich nach dem Ball: Thomas Schmidberger im August 2021 in einem Spiel der Paralympics in Tokio. © Naoki Nishimura via www.imago-images.de

Das klingt nach einem echten Transfer-Coup. Warum Nationalspieler Thomas Schmidbauer nicht nur für den deutschen Rekordmeister, sondern auch die SG Anspach spielt.

Neu-Anspach – Von außergewöhnlicher Qualität ist der Neuzugang, der am Sonntag sein Debüt für Tischtennis-Hessenligist SG Anspach gibt. Wenn die Mannschaft um 11 Uhr beim TTC Elz II antritt, ist Thomas Schmidberger mit dabei. Der 30-Jährige spielt zwar für das Para-Team von Borussia Düsseldorf und war 2013 Deutschlands Behindertensportler des Jahres, tritt aber ab sofort auch für die SG Anspach an. In fünf Wochen geht er bei den Para-Weltmeisterschaften im spanischen Granada an den Start – wobei er im Einzel und Doppel an Nummer eins gesetzt ist.

Debüt in der Hessenliga am Sonntag

Wie kommt ein Silbermedaillengewinner der Paralympischen Spielen von Tokio dazu, bei der sechstklassigen SG Anspach zuzusagen? Die Antwort lautet: durch Lion Bauer. Die Nummer eins im Hessenliga-Team der SGA ist seit etwas mehr als einem Jahr hauptberuflicher Co-Trainer der deutschen Para-Nationalmannschaft. Der Bad Vilbeler steht bereits seit geraumer Zeit in engem Kontakt zu Schmidberger. Da der 30-Jährige für zwei Vereine antreten darf, konnte die Verpflichtung bei der SG Anspach möglich gemacht werden.

„In Elz werde ich am Sonntag zusammen mit Lion das Doppel bestreiten“, freut sich der Rollstuhlfahrer bereits sehr auf sein Debüt bei den Anspachern, die er nicht nur wegen Lion Bauer, sondern auch wegen Florian Jünger, einem weiteren Mitspieler, bereits ins Herz geschlossen hat.

Bis zu 26 Stunden Training pro Woche

Mit zwei bis drei Wochen Vorlauf kann der gebürtige Bayer bei seinem eng getakteten Terminplan den Hobbysportlern aus dem Taunus einen Einsatz zusagen. „Für die Rückrunde ist das allerdings überhaupt noch nicht möglich“, denn neben 20 bis 26 Stunden Training in der Woche – „An manchen Tagen verlasse ich morgens um 8.30 Uhr unsere Wohnung und kehre gegen erst 21 Uhr zurück“ – stehen für den Tischtennisprofi auch noch Arbeiten im Kraftraum und beim Psychologen auf dem Programm.

Nach dem Abitur im Jahr 2011 hat Thomas Schmidberger in Bayreuth Sport und Ökonomie studiert, lebt inzwischen mit Freundin und Hund in Düsseldorf. Am dortigen Bundesstützpunkt Para-Tischtennis bereitet er sich auch mit zwölf weiteren Mitgliedern der deutschen Nationalmannschaft auf die WM vor.

Ein Unfall veränderte sein Leben

Mit viereinhalb Jahren war Schmidberger auf dem Heimweg vom Kindergarten von einem Auto erfasst worden – und sitzt seitdem im Rollstuhl.

Seine Versicherung organisierte einst für den Jungen einen Besuch beim FC Bayern München im Trainingszentrum an der Säbener Straße. „Seitdem bin ich ein großer Fan von Oliver Kahn“, war die persönliche Begegnung mit dem damaligen Weltklasse-Keeper und heutigen Vorstandsvorsitzenden des FCB von prägender Bedeutung. „Kahns Gradlinigkeit als Typ hat mir damals wie heute imponiert“ erinnert er sich gerne an jenen Tag, an dem er auch den damaligen Trainer Ottmar Hitzfeld und Kapitän Stefan Effenberg näher kennenlernen durfte.

Zum Tischtennis ist Thomas Schmidberger übrigens eher durch Zufall gekommen. „Beim Übergang von der Grundschule zum Gymnasium stand in der Aula eine Tischtennisplatte. Das war dann ab dem 10. Lebensjahr mein Ding, nachdem mich meine Eltern vorher alles Mögliche hatten ausprobieren lassen.“

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