Wurde eine Woche vor dem Saisonstart als Trainer freigestellt: Ex-Eintracht-Profi Sascha Amstätter, der den SV Zeilsheim in fünfeinhalb Jahren von der Gruppenliga in die Hessenliga geführt hatte. FOTO: Lorenz
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Wurde eine Woche vor dem Saisonstart als Trainer freigestellt: Ex-Eintracht-Profi Sascha Amstätter, der den SV Zeilsheim in fünfeinhalb Jahren von der Gruppenliga in die Hessenliga geführt hatte.

Fußball, Hessenliga

Paukenschlag: Amstätter muss gehen

  • Harald Joisten
    VonHarald Joisten
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Der SV Zeilsheim trennt sich eine Woche vor dem Start von seinem Trainer

Zeilsheim -In seinem letzten Spiel als Cheftrainer des SV Zeilsheim war Sascha Amstätter mit großer Leidenschaft dabei. Als sein Spieler Josef Sultani am vergangenen Dienstag in der Freundschaftspartie gegen den FSV Frankfurt (1:6) wegen eines angeblichen Revanchefouls des Feldes verwiesen wurde, diskutierte Amstätter heftig mit Schiedsrichter Daniel Kamnitzer - und wollte damit seiner Mannschaft wohl auch zeigen: Nur mit viel Leidenschaft und Einsatz könnt ihr in der Fußball-Hessenliga erneut positiv überraschen. Auch nach dem Testspiel hatte der ehemalige Profi von Eintracht Frankfurt und Wehen Wiesbaden noch mutig auf die neue Saison geblickt, in der Zeilsheim in der zweigeteilten Hessenliga in Gruppe B antreten wird. "Wir wollen unter die ersten fünf in unserer Gruppe kommen und die Aufstiegsrunde erreichen. Es wird zwar mega schwer, aber das ist unser Ziel. Es wäre ein Riesen-Erfolg für uns. Wir sind ja immer noch so ein halber Aufsteiger", betonte Amstätter am Dienstagabend.

"Es gab interne Missverständnisse"

Wenn seine Mannschaft nun am 13. August zum ersten Saisonspiel gegen Lokalrivale FC Eddersheim antritt, wird er nicht mehr als Cheftrainer an der Seitenlinie stehen. Er wurde am Mittwoch mit sofortiger Wirkung von seinen Amt freigestellt. Sein Nachfolger steht schon fest: Soufian Houness, bisher Trainer der zweiten Zeilsheimer Mannschaft. Amstätters Co-Trainer Carlos Saraiva und Torwarttrainer Masar Quosa bleiben hingegen im Amt.

"Es gab interne Missverständnisse - oder Probleme", erklärte gestern Zeilsheims Vereinsvorsitzender Peter Strauch. "Die sportliche Leitung hat daher mit dem Vorstand entschieden, die Zusammenarbeit nicht fortzuführen." Auf Einzelheiten ging Strauch nicht ein. Er ergänzte lediglich: "Es gab unterschiedliche Auffassungen. Und es sind ein paar Dinge vorgefallen. Der eine mag es lapidar sehen, der andere nicht."

Rein sportliche Gründe dürften demnach eher weniger zur Trennung geführt haben. Amstätter kann auf äußerst erfolgreiche fünfeinhalb Jahre beim SV Zeilsheim zurückblicken. Der 43-Jährige hatte das Team von der Gruppenliga über die Verbandsliga in Hessens Beletage geführt und dort in der vergangenen Saison zum Zeitpunkt des Corona-Abbruchs auf dem respektablen neunten Platz gelegen. "Das lässt sich sehen", sagte Amstätter gestern. "Was meine Arbeit betrifft, können wir gemeinsam nur sagen, dass wir vieles richtig gemacht haben." Auch er wollte freilich nicht auf mögliche Gründe der Trennung eingehen. "Es ist eine Entscheidung des Vereins. Ich kann nichts groß dazu sagen."

Amstätter: "Hat sich nicht abgezeichnet"

Für manche Außenstehende kam der Schritt überraschend. Offenbar auch für Amstätter. "Von meiner Seite aus hat es sich nicht abgezeichnet. Ich bin meiner Tätigkeit immer so nachgegangen, wie ich es in der Vergangenheit gemacht habe." Sein Team hat in der bisherigen Saisonvorbereitung zwar nicht geglänzt, aber auch nicht enttäuscht. Tom Balser, der Sportliche Leiter des SVZ, sagte: "An der Vorbereitung lag es nicht nur, aber auch." Amstätter betonte in diesem Punkt: "Die Vorbereitung ist schwer zu bewerten, nach so einer langen Pause und nun mit Krankheiten, Verletzungen und Urlaub."

Auch der Vereinsvorsitzende Peter Strauch weiß freilich, dass der Zeitpunkt einer Trainer-Trennung eine Woche vor dem ersten Pflichtspiel nicht optimal ist. Er meint: "Wann ist schon der richtige Zeitpunkt?" Ein Nachfolger von Houness für die zweite Mannschaft ist derweil noch nicht gefunden. "Da sind wir noch dran", so Strauch.

Der 39 Jahre alte Houness hielt am Mittwochabend eine erste Ansprache an die Hessenliga-Mannschaft. Am Samstag (16 Uhr) betreut er das Team im letzten Testspiel bei der Spvgg. Oberrad.

Danach sind alle Augen auf das Auftakt-Derby am Freitag nächster Woche gegen Eddersheim gerichtet. Zeilsheim trifft danach in der Gruppe B noch auf den FV Bad Vilbel, RW Walldorf, SC Waldgirmes, SC Hessen Dreieich, Vikt. Griesheim, Rot-Weiss Hadamar, TuS Dietkirchen, Türk Gücü Friedberg und VFB Ginsheim. Die besten fünf Mannschaften der Hauptrunde mit Hin- und Rückspiel ziehen in die Aufstiegsrunde ein, die hinteren sechs bestreiten eine Abstiegsrunde. "Wir haben ein homogenes Team und werden gegen Eddersheim eine gute, hungrige Mannschaft aufs Feld schicken", hatte Amstätter am Dienstagabend noch angekündigt. Nun wird er nicht mehr dabei sein.

Harald Joisten

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