Trainer Paul Günther während eines Spiels mit den Oberliga-Damen der TSG Oberursel.
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Trainer Paul Günther während eines Spiels mit den Oberliga-Damen der TSG Oberursel.

Handball, Oberliga Hessen

Paul Günther hört bei der TSG Oberursel auf

  • Thorsten Remsperger
    VonThorsten Remsperger
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Nach viereinhalb Jahren soll das Engagement des Trainers in dieser Woche enden. Der Verein ist noch auf der Suche nach einem Nachfolger.

Oberursel -Vom bisher größten Umbruch unter seiner Regie hatte Paul Günther im Vorjahr gesprochen, als er die Oberliga-Handballerinnen der TSG Oberursel auf die Runde vorbereitete. Die Saison 2020/21 wurde dann wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Als es endlich wieder losging, leisteten sich die TSGO-Damen mit zwei Niederlagen einen Fehlstart. Und jetzt hat Günther selbst für einen noch größeren Umbruch gesorgt. Er wird als Trainer in Oberursel aufhören. Und zwar so bald wie möglich. Am besten sofort. Allerdings hat die Abteilungsleitung noch keinen Nachfolger gefunden.

"Kann sein, dass ich am Dienstag und Mittwoch das Training noch halte", sagte Günther gestern, "ich möchte den Verein nicht im Stich lassen. An der Mannschaft hängt viel Herzblut dran." Im Juni 2017 hatte er die Mannschaft nach dem Drittliga-Abstieg übernommen und im Jahr 2019 mit dem Gewinn der Hessenmeisterschaft seinen größten Erfolg gefeiert. Daraufhin kürten die Leser dieser Zeitung Mannschaft und Trainer zu Sportlern des Jahres im Hochtaunus.

Bereits Anfang Oktober, also noch während der Saisonvorbereitung, so Günther, habe er dem Verein mitgeteilt, dass er bald aufhören wolle und auch werde. Am Mittwoch vergangener Woche habe er die Mannschaft informiert. "Aufgrund der Lage kann ich nicht mehr die Leidenschaft und Energie aufbringen, die eine Mannschaft braucht", sagt der 43-jährige Gelnhäuser.

Schwierige Hallensituation

Damit meint Günther nicht den sportlichen Fehlstart. Und auch nicht die schwierige Situation, der Handballmannschaften im Allgemeinen wegen der langen Corona-Pause ausgesetzt waren. Er begründet seine Entscheidung mit den Gegebenheiten, die für ihn und seine Spielerinnen unbefriedigend seien, seitdem im Juni die baufällige Kreissporthalle der Erich-Kästner-Schule gesperrt werden musste.

Nach längerem Hin und Her zwischen Hochtaunuskreis und Abteilungsleitung wurde zwar geklärt, wann und wo die ambitionierte Mannschaft ihre drei Trainingseinheiten pro Woche absolvieren kann. Jedoch kamen noch Uneinigkeiten mit der TSG Ober-Eschbach dazu, deren Teams nach dem Abriss der Albin-Göhring-Halle ebenfalls woanders unterkommen müssen.

Verbot von Haftmitteln im Training

Verschärft hatte sich die Situation durch ein wochenlanges Harzverbot im Bad Homburger Ausweichquartier Hochtaunushalle. Günther war der Meinung, ohne das Haftmittel gar nicht erst mit Ball trainieren zu brauchen, da sich mit Harz ein ganz anderes Spiel ergibt. Die zum Teil späten Trainingszeiten sind für ihn weiterhin nicht akzeptabel. Seine Spielerinnen kämen auf eigene Kosten aus einem Einzugsgebiet von rund 100 Kilometern nach Oberursel, um höherklassig Handball spielen zu können - und erst nachts wieder heim.

Günther: "Ich kann mich nicht verstellen"

Der frühere Zweitligaspieler weiß, dass die Verantwortlichen bemüht sind und für die Unannehmlichkeiten teilweise nichts können. "Das ist eine schwierige Lage für den Verein." Er könne sich aber nicht verstellen. Und wenn es ihm selbst an Motivation fehle, übertrage sich das auf die Mannschaft. Wegen der Spielerinnen, die er teilweise selbst zur TSGO geholt habe, habe er auch länger mit sich gerungen. "Die Mannschaft kann Handball spielen, die Spielerinnen haben Talent und einen einwandfreien Charakter", versichert er glaubwürdig. Klingt wie aus einer Job-Offerte für seinen Nachfolger.

Michelson: "Froh, dass er uns nicht hängen lässt"

"Wir haben mehrmals mit ihm gesprochen und hätten gerne gehabt, dass er weitermacht", sagt Abteilungsleiterin Birgit Michelson. Dass er aus persönlichen Gründen aufhöre, müsse der Verein akzeptieren. Froh sei man, dass Günther die TSGO - nach viereinhalb erfolgreichen Jahren - nicht hängen lasse. Jetzt, wo man schon fleißig auf der Suche nach einem Nachfolger sei, aber eben noch niemanden gefunden habe. Man strebe eine externe Lösung an. Auf Alexandra Müller, Trainerin der Landesliga-Mannschaft angesprochen, sagte Michelson, dass diese als Interimslösung nicht in Frage käme, weil sie zeitlich für die 2. Mannschaft schon genug eingespannt sei.

Am Sonntag steht für die Oberliga-Damen der TSGO das nächste Spiel an. Um 17.30 Uhr ist dann bei der TSG Bürgel Anwurf. Paul Günther möchte dann nicht mehr auf der Bank sitzen. "Bis zum 20. November", sagte der Handballtrainer gestern, "ist meine Zeit bei der TSG Oberursel beendet." THORSTEN REMSPERGER

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