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Der Vater und die nächste Generation (von links): Die Söhne Lasse und Paul und Papa Heiko Ohl.

Serie: Supertalente aus dem NNP-Land

Paul Ohl: Familienmensch und Hoffnungsträger

Sie sind die vielversprechendsten Nachwuchssportler der Region. Doch was steckt hinter ihren Top-Leistungen? Wie viel Aufwand müssen die jungen Athleten betreiben? In unserer Serie "Supertalente aus dem NNP-Land" blicken wir auf den Alltag der Sportler und fragen nach. Heute beschäftigen wir uns mit Handballer Paul Ohl vom TuS Holzheim.

Seit Generationen ist kaum ein Familienname so eng mit dem Holzheimer Handball verknüpft, wie der Name Ohl. Mit seinen 17 Jahren bringt auch Paul Ohl alles mit, um in die - zweifelsfrei großen - Fußstapfen seines Großvaters Gunter und Papa Heiko zu treten. "Auf dem Spielfeld macht der Name keinen Unterschied", schenkt Paul Ohl dieser Tatsache aber nicht allzu viel Aufmerksamkeit. "Die Leute wissen aber, auf welcher Position auch Opa und Papa gespielt haben", so das Talent des TuS Holzheim, das sich ebenfalls auf der Spielmacherposition Rückraum Mitte am wohlsten fühlt, in der Hessenauswahl aber auch auf Linksaußen eingesetzt wird. "Auch in Hochheim hört man den Namen relativ häufig." Damit bezieht sich der 17-Jährige auf seine zweite sportliche Heimat bei der HSG Hochheim/Wicker, für die er das Zweitspielrecht besitzt, das ihm aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Hessenauswahl-Kader zusteht.

Der TuS Holzheim hatte vor der Saison die Qualifikation für die Oberliga, die höchste B-Jugend-Spielklasse Hessens, verpasst und spielte "nur" in der Landesliga. "Ich wollte in der höchsten Liga spielen und um die Deutsche Meisterschaft", so der Schüler des Sophie-Hedwig-Gymnasiums in Diez. Der Kontakt nach Hochheim/Wicker sei dabei über Trainer Jens Klein zustande gekommen, der Paul Ohl auch durch seine Funktion als Coach der Bezirksauswahl Wiesbaden/Frankfurt bestens kennt.

Den wesentlichen Unterschied der beiden Vereine sieht Paul Ohl in der Tiefe des Kaders. "Hochheim ist auf allen Positionen konstant gut besetzt", sagt er. "Da gibt es fast kein Leistungsgefälle." Das liege vor allem daran, dass Jens Klein einige Hochkaräter über die Bezirksauswahl zur HSG gelockt hat. Mit Erfolg: Mit Tabellenplatz eins nach der aufgrund der Corona-Pandemie frühzeitig beendeten Spielzeit, haben sich die B-Jugend-Handballer der Spielgemeinschaft für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaften qualifiziert, die ursprünglich Anfang April starten sollte. Ein Ersatztermin dafür ist noch nicht bekannt. "Das ist jetzt natürlich ungewiss. Da müssen wir noch abwarten, wie es weiter geht", so Ohl. Nichtsdestotrotz lautet das große Ziel dafür nach wie vor Einzug ins Halbfinale. Das wäre gleichbedeutend mit der Spielberechtigung für die A-Junioren-Bundesliga in der kommenden Saison.

Dann könnte das Talent der Ardecker weiter von sich reden machen. So, wie im letzten Jahr, als er mit der Auswahl der zwölf besten B-Jugendlichen bei der DHB-Sichtung teilgenommen hatte und sogar das Finale erreichte. Nur gegen den Landesverband Bayern waren die Hessen damals unterlegen. "Das war ein tolles Erlebnis. Vier Tage volles Programm. Neben den Turnierspielen standen auch noch einige sportmotorische Tests auf dem Plan", erinnert sich Ohl. "Da wurde alles geprüft. Gewicht, Größe, Schnelligkeit, Koordination, Sprungkraft."

Kurz vor Weihnachten ließ Paul Ohl dann erneut aufhorchen, als er mit der hessischen Auswahl beim Deutschlandcup in Berlin Platz sieben erreichte. Dort wäre eigentlich sogar noch mehr drin gewesen, sagt er. "Wir hatten es schon in der Gruppenphase mit Baden-Württemberg zu tun, die mit allen Leistungsspielern der Rhein Necker Löwen als Favoriten gehandelt wurden. Dadurch ging es bereits früh in der K.o.-Phase gegen die ebenfalls zum Favoritenkreis gezählten Sachsen, wo die Hessen gegen die Talente der Akademie des SC DHfK Leipzig das Nachsehen hatten. "Wir haben eine richtig starke erste Halbzeit abgeliefert. Am Ende hat es aber nicht gereicht." 

Dennoch feierte die Auswahl einen versöhnlichen Abschluss, als sie gegen das bayerische Team mit einem Tor gewannen und so zumindest Platz sieben erreichten. Mit zehn Treffern war Paul Ohl in diesem Match nicht nur der beste Torschütze, sondern auch der alles überragende Akteur, der das Spiel seiner Mannschaft lenkte und für die nötige Kreativität sorgte. Obendrein durfte sich der Rückraum-Stratege über Platz sechs in der Torschützenliste beim Deutschlandcup freuen. "Das war schon besonders, wenn man bedenkt, dass nur die besten Nachwuchsspieler Deutschlands überhaupt dabei sind", erzählt er.

Spiele und Trainingsbetrieb in gleich zwei Mannschaften wahrzunehmen, erfordert von dem 17-Jährigen einen großen zeitlichen Aufwand. Je zweimal in der Woche trainiert er mit dem TuS Holzheim in der Halle der Zentralen Sportanlage in Diez und in Hochheim. Darüber hinaus absolviert er eine Athletik-Einheit pro Woche in seinem Heimatort Holzheim. Auch die Wochenenden stehen ganz im Zeichen des Handballs. 

Das Zweitspielrecht erlaubt ihm, "maximal zwei hochklassige Spiele" pro Spieltag zu machen. Wenn möglich, spielt er für die A-Junioren der Ardecker und für die B-Jugend der HSG Hochheim/Wicker in der Oberliga. "Wenn die Spiele parallel stattfinden, spiele ich in Hochheim", berichtet Ohl. Auch die nächste Spielzeit wird für den dann A-Jugendlichen spannend und richtungsweisend. Denn Paul Ohl verfügt bereits über das Erwachsenenspielrecht und könnte mit dem Saisonstart für die erste Mannschaft des TuS Holzheim auflaufen.

Am Esstisch ist Handball tabu

Eins weiß das Holzheimer Talent aber genau: Ohne die Unterstützung seiner Familie wäre der große Aufwand kaum zu bewältigen. "Ich habe ganz besonderen Respekt vor meiner Mama. Die das alles ermöglicht und unterstützt." Sie ist es auch, die Paul und seinen jüngeren Bruder Lasse (15), der in seiner Altersklasse ebenfalls der Hessenauswahl angehört, zum Training fährt. Bei den Spielen teilen sich die Eltern die Aufgaben dann auf. "Mama ist meistens bei meinem Bruder und Papa bei mir. Er ist mein Trainer, daher bietet sich das an", so Paul Ohl. "Oder mein Opa ist dabei. Auch er ist immer interessiert und hat als Rentner viel Zeit." Überhaupt ist der Handball im Hause Ohl omnipräsent und bestimmt das Familienleben. "Nur am Esstisch ist der Sport kein Thema. Ansonsten geht es aber den ganzen Tag um Handball."  Yannick Wenig

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