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Die Turner des TV Weißkirchen, Aufsteiger in die 3. Bundesliga Nord

Kunstturnen, Hochtaunus

Wie die pfiffigen Turner des TV Weißkirchen eine Saison in der 3. Bundesliga stemmen

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Der Traum von Julian Peters, ehemaliger TZ-Sportler des Jahres im Hochtaunus, war es, in der Bundesliga zu turnen. Am Samstag geht dieser in Sulzbach für ihn und sein Team in Erfüllung.

Das Abenteuer beginnt: Am Samstag um 15 Uhr starten die Turner des TV Weißkirchen mit dem Derby bei der TSG Sulzbach in der Eichwaldhalle erstmals in der Vereinsgeschichte in der 3. Bundesliga Nord. Ein weiteres Novum im Sportkreis Hochtaunus: Die Aktiven haben nicht nur in sportlicher, sondern auch in finanzieller Hinsicht überhaupt erst den Aufstieg möglich gemacht.

Nachdem dem TVW das Angebot gemacht worden war, als Nachrücker einen Platz in der dritthöchsten Klasse einzunehmen, mussten etliche Hürden übersprungen werden, ehe die verbindliche Zusage erfolgen konnte. Da die Ausstattung in der Turnhalle der Gesamtschule Stierstadt nicht den strengen Anforderungen des Deutschen Turner-Bunds genügt, verhalfen die guten Kontakte von Trainer Erich Kalhöfer zu zwei Wettkampfstätten. Der erste Austragungsort, an denen der TV Weißkirchen aus Ausrichter fungiert, wird am 19. Oktober (17 Uhr) gegen den TV Hösbach die Eichwaldhalle in Sulzbach sein und der zweite am 16. November (14 Uhr) gegen KTT Oberhausen die Wolfgang-Steubing-Halle der Frankfurter Eintracht am Riederwald.

Eine noch höhere Hürde drohte den Traum vom Aufstieg zum Platzen zu bringen: die Finanzen. „Als Mehrspartenverein können wir diesen enormen Aufwand aus eigenen Mitteln nicht stemmen“, machte TV Weißkirchens Vorsitzender Daniel Slamal den Vorzeigeturnern wenig Hoffnung auf Unterstützung. Allein die Startgebühren machen einen vierstelligen Euro-Betrag aus.

Mit dem ehemaligen deutschen Mehrkampf-Meister und Spitzenturner Julian Peters sowie Michael Dietz als Projektleiter nahmen die Aktiven selbst das Heft in die Hand – und sind mit Hilfe der digitalen Crowdfunding-Plattform „TaunusCrowd“ der Stadtwerke Oberursel außerordentlich erfolgreich gewesen. Das Projekt lief unter dem Namen „Gemeinsam in die 3. Kunstturn-Bundesliga“ und erbrachte nach nur zwei Wochen die Zielsumme von 1000 Euro und nach 50 Tagen insgesamt 2105 Euro. Die TVW-Turner konnten 28 Unterstützer von ihrer Idee begeistern, wobei die Oberurseler Stadtwerke pro gespendeten 10 Euro nochmals 5 Euro dazugegeben haben. Auch in Sachen Gegenleistungen erwiesen sich die Turner als pfiffig: Diese reichten von einer VIP-Karte für einen Heimwettkampf (5 Euro) über ein Einzeltraining mit der TVW-Riege (25 Euro) bis hin zu Liegestützen von Turnern der Riege (maximal 500).

Mit der Premiere in Sulzbach hat der grandiose Aufstieg der Turner aus dem Oberurseler Stadtteil seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. 2014 war man noch in der hessischen Landesliga gestartet. Ein Jahr später folgte in der Oberliga die nächste Meisterschaft und der damit verbundene Sprung in die Regionalliga, in der man in den Jahren von 2016 bis 2018 die Plätze fünf, vier und zwei erreichte.

Bei der Relegation zur 3. Bundesliga hatten die Schützlinge der Trainer Erich Kalhöfer, Gerhard Benner, Norbert Fleckenstein und Simon Jacob im Dezember mit Platz sechs den Aufstieg eigentlich verpasst. Durch den Rückzug des KTT Heilbronn aus der 1. Bundesliga ergab sich dann jedoch nachträglich für den TVW doch noch die Chance zum Aufstieg – und diese hat man beim Schopf gepackt.

Die Generalprobe und der Modus

Die Generalprobe fand jüngst in Biedenkopf statt, wo der TVW gegen den Zweitligisten KTV Obere Lahn zwar mit 33:55 verlor, aber vor allem am Sprung und Barren überzeugen konnte. „Das war ein gelungener Test. Jetzt wissen wir, was wir am Samstag noch besser machen können“, fiebert Peters dem Saisonstart entgegen. Geturnt wird in den drei Bundesligen übrigens nach dem Score-System. Peters erklärt: „Dabei treten aus den beiden Mannschaften jeweils vier Turner zu vier Duellen an und können an jedem der sechs Geräte im direkten Vergleich Punkte sammeln. Das verspricht vor allem für die Zuschauer viel Spannung, da taktische Überlegungen, welcher Turner gegen das gegnerische Team eingesetzt werden soll, den Ausgang des Duells bestimmen.“

Die Grundlagen hat der Aufsteiger bei einem Trainingslager in Troisdorf bei Köln gelegt, wo die Weißkirchener mit den befreundeten Turnern des 1. FC Spich an die Geräte gingen, die zum Teil den Drittliga-Kader verstärken. Dort haben sich Marius Brenner, Robert Gerber, Ronald Gerber, Robin Heyser, Sascha Jacobs, Dmitrii Lavrinenco, Vladislav Mitrofanov, Patrick Ohl, Julian Peters, Kevin Pfeiffer, Max Spieker, Fabian Urban und Marlon Urban auf die sportliche Herausforderung vorbereitet.

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