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Der neue Pirates-Geschäftsführer Dr. Christoph Pohl (rechts)

Handball, TSG Ober-Eschbach

Pirates-Geschäftsführer Pohl hat viel vor und übt Kritik am Ex-Manager

Erst war er Arbeitgeber einer Spielerin, dann Geldgeber im Sportsponsoring – und seit kurzem ist Dr. Christoph Pohl auch ein „Handball-Macher“. Er ist im Februar als Geschäftsführer der Unternehmer-Gesellschaft (UG) eingestiegen, die den Spielbetrieb des abstiegsbedrohten Frauen-Drittligisten TSG Ober-Eschbach abwickelt, und möchte dies über die Saison hinaus bleiben. Vorleistungen des früheren Managers Gerhard Döll beschäftigen Pohl weiterhin – aber in negativer Hinsicht.

Wie man ein junges, erfolgsorientiertes Team leitet, weiß Dr. Christoph Pohl genau. Der Diplom-Ingenieur gründete 2015 ein Unternehmen, das energieeffiziente Saughebevorrichtungen vertreibt. Das Startup hat mittlerweile 13 Mitarbeiter. Ähnlich groß ist der Kader einer Handballmannschaft. Seit gut einem Monat ist der 39-Jährige auch Geschäftsführer beim Drittligisten TSG Ober-Eschbach. Wie es ihn von seinem Geschäftssitz in Kassel in die rund 180 Kilometer entfernte Albin-Göhring-Halle und zur TSG Ober-Eschbach verschlagen hat, was er dort vorgefunden hat und was er in naher Zukunft erreichen möchte – darüber spricht Pohl im Interview mit TZ-Reporter Robin Kunze.

Herr Dr. Pohl, Sie sind seit Anfang dieser Saison bei den „Pirates“ an Bord. Wie kam es dazu?

DR. CHRISTOPH POHL: Das Engagement kam über Franziska Chmurski zustande, die vor der Saison nach Ober-Eschbach gewechselt ist. Zuvor war ich bereits Sponsor beim SV Germania Fritzlar. Als der Verein sie aus Berlin holen wollte, wurde ich gefragt, ob ich ihr eine Anstellung vermitteln kann. Da ich gerade Mitarbeiter einstellte, konnte sie direkt bei uns anfangen. Später habe ich das Sponsoring dann an ihre Person gebunden und bin so letztlich nach Ober-Eschbach gekommen.

Wie kam es dann zum Aufstieg vom Sponsor zum Geschäftsführer der Unternehmer-Gesellschaft eines Drittligisten?

POHL: Da Franzi und ich unseren Arbeitsalltag zusammen verbringen, habe ich mitbekommen, dass der vorherige Manager Gerhard Döll zurückgetreten ist (am 25. Oktober, Anm. d. Red.). Daraufhin habe ich den Mädels im nächsten Spiel zugeschaut und war mächtig beeindruckt vom Zusammenhalt der Gruppe. Trotz der turbulenten Wochen ohne Manager und Trainer haben sie sich voll reingehängt. Die Spielerinnen haben von Oktober bis Januar keinerlei Geld mehr bekommen. Die Kontovollmacht lag in diesem Zeitraum immer noch bei Herrn Döll und dem ehemaligen Geschäftsführer. Beide waren aber nicht mehr für die Unternehmer-Gesellschaft (UG) tätig, die den Spielbetrieb der Mannschaft abwickelt. Dazu muss man wissen, dass einige der Spielerinnen lange Wege zum Training sowie den Spielen auf sich nehmen und bis zu 400 Euro an reinen Spritkosten pro Monat ausgelegt haben. Das hat mir imponiert.

Wie ging es dann weiter?

POHL: Beim Krisengespräch mit dem Verein habe ich klargestellt, dass ich zwar keine Tore werfen kann, mich aber mit dem Businessaspekt auskenne und gerne helfen würde. Danach kam der Verein relativ schnell auf mich zu. Ich habe im Rahmen der Gesellschaftersitzung am 8. Februar angeboten, die Geschäftsführung sowie die Anteile an der UG für den Spielbetrieb von Gerhard Döll und einem weiteren Gesellschafter zu übernehmen. Seitdem bin ich mit knapp 50 Prozent der Anteile sozusagen geschäftsführender Gesellschafter. Es gibt momentan zwei weitere Gesellschafter, von denen einer die Interessen des Vereins TSG Ober-Eschbach vertritt.

In welchem Zustand befand sich die UG zum Zeitpunkt Ihres Einstieges?

POHL: Man kann sagen, dass sie sich in einem katastrophalen Zustand befand. Es ist so, dass seit März 2018 kein einziger Beleg mehr existiert. Das ist schon heftig.

Gab es einen Austausch zwischen Ihnen und Gerhard Döll, dem langjährigen Manager der Pirates?

POHL: Den gab es, aber er war von seiner Seite aus immer mit Bedingungen verknüpft. Er hat mir beispielsweise über WhatsApp angeboten, Unterlagen herauszugeben. Dafür sollte ich unterschreiben, dass er aus jeglicher Haftung herausgenommen wird. Wenn jemand so etwas wünscht, dann nur, weil er weiß, dass er nicht alles richtig gemacht hat. Gerhard Döll war zwar nicht der Geschäftsführer, er hat als UG-Gesellschafter aber die Geschäfte geführt, was er auf einer Gesellschaftersitzung in Anwesenheit eines Notars auch bestätigte.

Ist Ihr jetziges Engagement auf diese Saison beschränkt oder können Sie sich einen längeren Verbleib vorstellen?

POHL: Ich möchte definitiv länger bleiben. Wir sind jetzt auch schon dabei, die nächste Saison zu planen. Sponsorengespräche wurden geführt, die Kaderzusammenstellung läuft, und auch der finanzielle Rahmen wird abgesteckt. Diesbezüglich möchte ich gerne noch eine Schippe drauflegen, da die UG in den letzten Jahren zum Ende einer Saison immer relativ pleite war. Aus den Bilanzen geht hervor, dass teilweise nur wenig Geld auf dem Konto war. So geht man natürlich ohne jegliche Planungssicherheit in eine Saison.

Was sagt der Ex-Manager Gerhard Döll zu Pohls Vorwürfen sagt

TZ-Sportchef Thorsten Remsperger hat Gerhard Döll, vom Frühjahr 2011 bis Herbst 2018 Manager des Damenhandball-Drittligisten TSG Ober-Eschbach, um eine Stellungnahme zu den einzelnen Kritikpunkten gebeten, die sein Nachfolger Dr. Christoph Pohl im Interview (siehe oben) geäußert hat.

Gerhard Döll war lange Zeit der Kapitän der „Pirates“, wie sich die Handballerinnen der TSG Ober-Eschbach nennen. Er war einer der Gesellschafter in der Unternehmer-Gesellschaft (UG) und managte den Spielbetrieb. Nach seinem Rücktritt im Oktober, der auch den Rücktritt des Geschäftsführers und eines weiteren Gesellschafters zur Folge hatte, entstand in der UG ein Vakuum, das Dr. Christoph Pohl mit seinem Einstieg erst im Februar füllte. Auf diese Entwicklung verweist Döll in seinem schriftlichen Statement auf die Frage, ob es an den fehlenden finanziellen Mitteln gelegen habe, dass die Spielerinnen von Oktober bis Januar kein Geld mehr erhielten. Er will damit sagen, dass die UG ohne Geschäftsführer eben nicht handlungsfähig gewesen sei.

Gleichzeitig stellt Döll heraus, dass er „stolz auf knapp acht Jahre erfolgreiche ehrenamtliche Tätigkeit“ sei. Er verweist auf die Spielzeiten in der 3. Liga und zwei Jahre in der 2. Liga. „Wirtschaftlich war es immer eine große Herausforderung“, schreibt Döll, „aber gemeinsam mit emsigen Mitstreitern haben wir es immer hinbekommen, ohne dass eine Spielerin oder ein Trainer auch nur einen Tag auf zugesagtes Geld warten mussten.“

Pohl wirft Döll im TZ-Interview vor, dass nicht der UG-Geschäftsführer, sondern er als Gesellschafter die Geschäfte leitete. Seit März 2018 bis zu Dölls Ausscheiden lägen keine Belege für geschäftliche Vorgänge vor. Döll habe ihm zwar angeboten, Unterlagen herauszugeben, aber nur unter der Bedingung, dass er als ehemaliger Gesellschafter der UG aus der Haftung genommen wird, behauptet Pohl.

Zu all diesen nicht unerheblichen Kritikpunkten möchte sich Döll nicht äußern. Weder schriftlich noch im Telefongespräch mit dieser Zeitung. Er schreibt in seiner Stellungnahme lediglich, dass es ein guter Brauch gewesen sei, wirtschaftliche Dinge stets intern zu besprechen. Das sei er dem Steuer- und Wirtschaftsberatungsunternehmen, das die UG „begleitet“ habe, und den Partnern schuldig.

Ausführlicher geht Döll indes auf seinen Nachfolger ein. Dadurch, dass er und ein weiterer ausgeschiedener Gesellschafter auf seine Anteile verzichteten, sei Pohl nun selbst größter Gesellschafter und Geschäftsführer. „Ob diese Machtfülle von Herrn Dr. Pohl zielführend ist, muss ich zum Glück nicht kommentieren“, sagt Döll, der selbst über Jahre für die TSG-Handballerinnen alle Fäden in der Hand hielt.

Der langjährige Pirates-Manager schließt seine schriftliche Stellungnahme mit folgenden Worten über seinen Nachfolger: „Dass er jetzt sogar von Ex-Trainer Marc Langenbach und mir jeweils ein Paar Sportschuhe und eine Sporthose zurückfordert, passt in dieses Gesamtniveau, auf das ich mich nicht begeben möchte. Das Thema Pirates ist für mich damit abgeschlossen.“

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