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Knapp drei Jahre ist es her: Als Oberligist war die SG Wallau damals in den DHB-Pokal eingezogen, bezwang Eisenach und traf in der vollen Walter-Köbel-Halle auf den THW Kiel.

Pokalwettbewerb

Pokal vor dem Aus

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Der Handball-Bezirk Wiesbaden/Frankfurt wird in diesem Jahr keinen Pokalwettbewerb bei Männern und Frauen ausrichten. Der Modus stößt auf kein Interesse mehr.

Die offizielle Mitteilung war nur kurz: „In der Saison 2016/2017 findet im Bezirk Wiesbaden/Frankfurt keine Pokalmeisterschaft statt. Dies wurde auf der Vereinsvertretersitzung am 27.06.2016 entschieden.“ Es war „schon im letzten Jahr schwierig“, berichtet Bezirksspielwart Thomas Mair, „jetzt war die Resonanz so gering, dass wir uns entschieden haben, keinen Pokal auszurichten. Es ergab sich das Problem, vom 1. Juli bis 31. Dezember den kompletten Bezirkspokal auszurichten. Das war zeitlich nicht machbar.“

Laut Mair fanden es die Vereine gut, in der Vorbereitung auf die Runde mit dem Pokal noch einmal ein Spiel zu haben. Dennoch fehlte das Interesse der Vereine aus der Ober- und Landesliga, am Bezirkspokal teilzunehmen, nachdem der Deutsche Handball-Bund gemeinsam mit dem Handball-Liga-verband beschlossen hatte, den DHB-Pokal nur noch mit Vertretern aus den ersten drei Ligen und dazu die erste Runde in Turnierform stattfinden zu lassen. Für die unterklassigen Vereine war ein deutscher Amateurpokal ausgelobt worden, der mittags am Finaltag des Final-Four-Turniers sein Finale hatte. „Man wird diskutieren müssen auf höherer Ebene“, erklärt Mair, „das ist kein richtiger Pokal mehr. Im höheren Bereich ist man gefordert, sich etwas einfallen zu lassen“.

Jennifer Walter hatte mit der HSG Sindlingen/Zeilsheim auch noch für diese Saison gemeldet. In der vorherigen Saison hatte das Team den Bezirkspokal gewonnen und das erste Turnier auf Hessenebene erreicht. „Für die jungen Mädels war es eine schöne Sache, andere Gegner kennenzulernen. Der Pokal hatte eine lange Tradition. Ich fand die Turnierform nicht schlecht, aber viele waren dagegen.“ Auch Uwe Henke, Sportlicher Leiter der MSG Niederhofheim/Sulzbach, befürwortete die Turnierform: „Aber das darf nicht beim Endturnier sein. Außerdem wollte keiner Pokal spielen, weil die Termine so schlecht lagen. Aber warum sollst du als Oberligist Bezirkspokal spielen, wenn man dir die Chance nimmt, gegen einen Bundesligisten zu spielen?“

Jens Spengler, Sportlicher Leiter der HSG Neuenhain/Altenhain, bedauert das Aus für den Pokal: „Die Spiele hatten für die kleineren Vereine einen höheren Anreiz. Und ein Spiel wie Wallau gegen Kiel war Werbung für den Handballsport, aber die HBL hat wohl zu viel Macht. Ich plädiere für die alte Regelung, aber die Landesverbände sind wohl von ihrem Einfluss her zu eingeschränkt.“

Stefan Ullrich, Vorstandsmitglied der HSG Wallau/Massenheim, sieht keinen Reiz mehr. Er kritisierte auch den Verband: „Die Einnahmen wurden geteilt, und danach musste der Heimverein die Schiedsrichter bezahlen. Sonst fände ich es gut, wenn man den Hessenpokal in eine Nord- und Südhälfte teilt und ruhig in Turnierform spielt. Dann lernt man andere Mannschaften, Hallen und Schiedsrichter kennen. Das hätte einen größeren Reiz.“ Er plädiert auch für die vorherige Konstellation, als Landespokalsieger wieder am DHB-Pokal teilnehmen zu dürfen: „Was soll ich als Oberligist sonst im Landespokal? Als Regionalligist haben wir früher auch Werbung für den Handball betrieben.“

Stefan Dobhan, Abteilungsleiter des Oberligisten TSG Münster, vertritt eine klare Position: „Pokal heißt für mich K.o.-System. Das Final-Four als Abschluss des Bezirkspokals Anfang Januar war nicht schlecht. Das war ein Treffpunkt für alle Handballer. Aber was es für Events in den einzelnen Spielen geben kann, haben wir bei den Fußballern der SG Oberliederbach gesehen, als sie gegen den Regionalligisten Kickers Offenbach ein richtiges Event aufgezogen haben. In Hessen hatte in der vergangenen Saison keiner mehr Lust, an der Amateurpokal-Endrunde teilzunehmen. Es ergibt nur Sinn, wenn du in den DHB-Pokal kommst.“ Der Amateurpokal hat für ihn keine Zukunft: „Kleenheim musste damals zwischen 4000 und 5000 Euro drauflegen, als sie im Finale in Hamburg gestanden haben.“ Dobhan sagt ganz klar: „So wie der Pokal jetzt läuft, ist er tot.“ (vho)

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