+
Kennt die Wurzeln seines Vereins: Claus Prégardien, Vorsitzender des Limburger Hockey-Clubs. 

Limburger Hockey-Club

Präsident in schwierigen Zeiten

Seit Juni 2018 ist Claus Prégardien der 1. Vorsitzende des Limburger HC. In angespannten Zeiten ist es nicht einfach, einen Traditionsverein wie den LHC zu führen. Der 60-Jährige, dessen Vater Günther einst im Vorstand der Grün-Weißen aktiv war, stellte sich den Fragen unseres Reporters Stefan Fritschi.

Limburg.Unlängst stieg das Hockey-Herren-Team des Limburger HC aus der 2. Feld-Bundesliga in die Regionalliga ab, in der Folge verließen Spieler den Club. Wir wollten wissen, wie es weitergeht.

Der Limburger HC ist nach drei Jahren in der 2. Feld-Bundesliga abgestiegen. Was bedeutet dies für den Verein?

CLAUS PREGARDIEN: Die Konsequenzen liegen auf der Hand: Sportlich ist der Abstieg als Rückschlag für den LHC zu sehen, zugleich auch als Chance, sich zu konsolidieren; logistisch und finanziell unterscheiden sich die Anforderungen der 1. Regionalliga jedoch kaum. Die Kosten laufen auf gleichem Niveau zusammen, eine finanzielle Unterstützung durch Sponsoren muss noch stärker verargumentiert werden.

Nennen Sie die Gründe, weshalb der Klassenerhalt nicht erreicht wurde?

PREGARDIEN: Eine Bundesliga-Saison wird nur mit einem zahlenmäßig guten und leistungsstarken Kader überstanden, über den wir als "Landverein" bei vielen Abgängen ins ferne Studium nicht auf Dauer verfügen. Die Grundlage, die andere Vereine in der Bundesliga mit Spielern in den besten Jahren zwischen 21 und 27 haben, ist so nicht auf Limburg zu beziehen. Dies führt über eine Saison hinweg dazu, dass sehr junge Spieler in die Verantwortung kommen und Fehler machen können - was sie auch dürfen. Und dies führt auch dazu, dass ältere Spieler mit anderen Verantwortlichkeiten für Job und Familie immer noch verpflichtet sind. In dieser Dynamik stehen wir, und so mag es für viele Spiele der zurückliegenden Saison Begründungen geben, warum der eine Punkt nicht mitgenommen oder das Spiel in den letzten zehn Minuten doch verloren wurde.

In der 2. Hallen-Bundesliga konnte der Abstieg vermieden werden. Kommt dieses Terrain den Limburgern mehr entgegen?

PREGARDIEN: Ja, zweifelsfrei. Der Kader schmilzt hier auf zwölf Spieler zusammen, was uns eben entgegenkommt. Hallenhockey wird in Limburg sehr hoch gehalten, und die Jungs sind technisch sehr gut ausgebildet. Daher sehe ich der Hallensaison sehr positiv entgegen.

Nach der Hallensaison im Februar gab es einen Trainerwechsel. Auf Marcus Gutz folgte Dirk Hilpisch. Gutz hatte binnen knapp eines Jahres den Klassenverbleib auf dem Feld und in der Halle geschafft. Nun der Abstieg unter Hilpisch. War der Druck für Hilpisch zu groß?

PREGARDIEN: Nein, Dirk Hilpisch wusste und weiß, worauf er sich einlässt. Der jetzige Abstieg ist ein Abstieg unter Gutz und Hilpisch, da die Vorrunde noch unter Leitung von Marcus Gutz stand. Der positive Trend und der vorletzte Tabellenplatz haben auch in Anbetracht der Abgänge im Vergleich zur Vorrunde eher den Charakter, dass die Jungs und Dirk Hilpisch frei aufspielen konnten. Der Druck wird in der Vorrunde größer gewesen sein.

In der Zeit nach dem Abstieg gaben Kapitän Laurens Meurer, Max Müller und Philipp Koch ihren Abschied vom LHC bekannt. Wie schwer wiegt der Verlust dieses Trios? Gibt es weitere Abgänge?

PREGARDIEN: Abgänge treffen uns immer hart. Alle drei haben sich diesen Schritt nicht leicht gemacht und stehen in Gedanken nahe am LHC. Wir werden konstruktiv damit umgehen: Das bedeutet für manchen jungen Spieler eine Chance auf großes Entwicklungspotenzial, denn die großen Lücken müssen geschlossen werden. Wir hoffen, dass Dominic Böckling als erfahrenen Spieler sich noch zur Verfügung stellen wird. Mit ihm gäbe es eine weitere große Lücke.

Gibt es Neuzugänge?

PREGARDIEN: Aus unserer Jugend stoßen weitere junge Spieler dazu, extern sind aktuell keine Neuzugänge in Aussicht.

Was erwarten Sie von Trainer Hilpisch und der Mannschaft in der Regionalliga? Wird die sofortige Rückkehr in die 2. Liga angegangen?

PREGARDIEN: Die Leistungsstärke der 1. Regionalliga ist ebenfalls hoch. Daher gilt es, in Anbetracht des sich neu findenden Kaders eine angemessene Haltung zur kommenden Saison zu gewinnen. Wir wollen die Bildung einer Mannschaftseinheit, wir wollen einen Schritt von Spiel zu Spiel und bleiben stets im Fokus auf die oberen Plätze. Die Rückkehr in die Bundesliga bleibt dabei natürlich das grundlegende Ziel - aber nicht um jeden Preis.

Gibt es einen Plan oder gar eine Vision für 2023? In dem Jahr feiert der LHC sein hundertjähriges Bestehen.

PREGARDIEN: Sportlich haben wir die Entwicklung des LHC in Visionen und dazugehörige Konzepte gepackt. Die Stabilisierung des Leistungssport-Hockeys müssen wir auf eine breite Basis stellen, denn insbesondere in den Seniorenmannschaften trifft uns die Tatsache, dass wir viele junge, gute Spielerinnen und Spieler an die Universitätsstädte verlieren. Beste Beispiele für erfolgreiche Konzepte sind unsere Kreismeisterschaft der Grundschulen, an der 200 Kinder teilgenommen haben, oder unser LHC-Sommercamp in den Ferien, in dem wir mehr als 60 Kinder mit tollem Programm betreuen.

Sind die Erfolge aus der weiter zurückliegenden Vergangenheit - angefangen mit dem Bundesliga-Aufstieg 1974 und dem Gewinn von drei Meisterschaften auf Feld und in Halle sowie einem Europapokal-Erfolg in den 80ern und 90ern - zu großer Ballast für den Verein?

PREGARDIEN: Den Schuh mögen sich manche anziehen, wir im Vorstand tun es nicht. Schöne alte Zeiten zu erinnern, ist das eine; sie zu idealisieren und gar mit heutigen Umständen zu vergleichen, ist das andere. An der Uhr zurückdrehen? Andere Vereine überreden, wieder auf Naturrasen zu spielen? Die Bundestrainer zum LHC-Vereinstrainer machen? Das wäre Unsinn. Wir hatten damals als erster Verein einen Kunstrasenplatz, was für die technische Ausbildung von erheblichem Vorteil war; wir hatten über Jahrzehnte mit Klaus Kleiter und Paul Lissek den Puls der Zeit im LHC - und so ist es eben nicht mehr. Der LHC ist ein Verein der Familien - und so werden alte Zeiten immer mit Namen verbunden sein, was gut ist. Für schwierig und ungünstig halte ich es dann, wenn sich mehr mit der Vergangenheit beschäftigt wird als mit der Zukunft. Denn nur die können wir gestalten.

Sehen Sie den LHC als sportliches Aushängeschild der Stadt Limburg? Wenn ja, weshalb? Wenn nein, was müsste passieren, um diesen Status wieder zu erreichen?

PREGARDIEN: Lassen Sie mich es so formulieren: Wir sehen uns als Limburger, wir spielen gegen Vereine aus Deutschlands größten Städten und tragen den Namen unserer schönen Stadt in deutsche und internationale Hockey-Stadien - sind wir nicht damit bereits Aushängeschild? Die Liga-Zugehörigkeit tut ihr Übriges. Ich wünschte mir, dass wir die Ausrichtung einer Deutschen Meisterschaft auf die neue LHC-Anlage oder einer anderen Hockey-Großveranstaltung übernehmen könnten. Das wäre sicherlich ein anzustrebendes Ziel.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare