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Niklas Krieglsteiners heimisches Ruder-Revier: Unweit der Kaiserleibrücke ist die Sportgemeinschaft Wiking 1903 aus Offenbach zu Hause. Entlang des Mains gibt es eine ganze Menge Clubs – und damit viele Möglichkeiten zum Rudern. Zeichnung: Kriegelsteiner

Junge Zeitung

Der Reiz des Ruderns

Auch wenn es viel Zeit kostet und meist sehr anstrengend ist – Rudern ist der schönste Sport, den man machen kann. VON JUNGE-ZEITUNG-AUTOR NIKLAS KRIEGLSTEINER

Was mir am Rudern so viel Spaß macht? Das ist vor allem das Mannschaftsgefühl in der Bootsbesatzung, schon bei der Vorbereitung auf Regatten, aber natürlich auch während der Rennen. Ich bin bislang meist in einem sogenannten Doppelvierer mit zwei Skulls – also den Rudern – pro Person gefahren. Man muss sehr genau darauf achten, dass der Ablauf genau gleichzeitig passiert. Rechtzeitig die Blätter aufzudrehen, sie ins Wasser zu bringen, rechtzeitig herauszuheben, nach dem Zurückrollen mit dem Sitz nicht zu lange hinten zu bleiben, die Arme vom Körper wegzustrecken und so weiter, ehe alles wieder von vorne beginnt, immer möglichst im Einklang mit den anderen. Jeder achtet auf den Vordermann, und der Vorderste versucht, gleichmäßig im Takt zu bleiben. „Jeder Schlag muss sitzen, die ganze Strecke über“, meint unser Trainer. Und wenn alles ineinandergreift, kommt man in einen Rhythmus, macht das fast schon automatisch.

Das ist ein schönes Gefühl, entspannend, trotz der Anstrengung. Nur darf man dabei den Fokus nicht verlieren, sonst bringt man sich und das ganze Boot möglicherweise aus dem Takt. Jeder versucht, sich auch vor den Regatten an das zu halten, was für die Mannschaft am besten ist – zum Beispiel, am Abend zuvor in der Jugendherberge nicht zu spät ins Bett zu gehen. Auch wenn das einem selbst vielleicht nicht immer so gut gefällt. Dass es sich lohnt, merkt man, wenn man alles hinter sich und im besten Fall gewonnen hat. So wie bei den Hessischen Meisterschaften im vergangenen Sommer, als wir in der Altersklasse 13 und 14 Jahre mit dem Vierer mit Steuermann über 3000 Meter Erster und Zweiter auf der Kurzstrecke wurden.

Über die Schul-AG zum Rudern

Zum Rudern gekommen bin ich eher zufällig, in der sechsten Klasse. Damals – und heute immer noch – hatte ich einen Freund, der bereits seit einiger Zeit in einer AG war, die unsere Schule in Zusammenarbeit mit der SG Wiking 1903, einem Ruderverein aus Offenbach, anbietet. Schüler bis zur Vollendung der siebten Klasse sollen dabei mit kostenlosem Training einmal in der Woche an die Grundlagen des Ruderns herangeführt werden. Da ich ein paar Jahre zuvor das Fußballspielen aufgegeben hatte und nur einmal die Woche Badminton spielte, entschied ich mich dazu, Rudern auch mal auszuprobieren, zumal die AG praktischerweise von meinem damaligen Sportlehrer geleitet wurde. Das Ganze machte dann auch Spaß, aber war nicht wirklich anspruchsvoll, und wir hatten bei den wenigen Ruderwettbewerben, an denen wir teilnahmen, nur sehr wenig Erfolg. Was nun nicht unbedingt unser Ziel war, aber auf Dauer schon auch genervt hat.

Ich rudere, weil es mir Spaß macht

Deshalb entschieden wir uns, uns beim Verein anzumelden, in dem mein Zwillingsbruder bereits war, auf den ich, was ich zugeben muss, zu dem Zeitpunkt neidisch war, weil er durch das Rudern deutlich fitter und stärker war. Auch Klassenkameraden aus der neu zusammengesetzten siebten Klasse waren bei der SG Wiking. Was mir sofort auffiel, war, dass die Erwartungen gleich viel höher waren und man nun, statt nur einmal die Woche, mindestens drei Mal zum Training gehen sollte. Und, dass es, beim richtigen Rudern, weniger um reine Muskelkraft geht, sondern eher darum, wie man die vorhandene Technik richtig einsetzen kann.

Als sich im Verlauf des Jahres auch noch die Badminton-Trainingseinheiten verdoppelten und sich mit dem Rudertraining terminlich überschnitten, entschied ich mich dann dafür, mit dem Badmintonspielen aufzuhören, da ich beim Rudern mehr Freunde hatte. Das bedeutete allerdings auch, mehr Stress für mich, da dort die Forderungen höher waren.

Im Sommer, wenn viele Regatten anstehen, ist das deutlich leichter auszuhalten. Dann kann man es auch einfach genießen, draußen auf dem Wasser zu sein. Im Winter allerdings kann das Programm, wenn man wie ich ein eigentlich sehr fauler Mensch ist, kaum Wettbewerbe veranstaltet werden und es auf dem Main unangenehm kalt ist, wenn das Krafttraining trotz spürbarer Fortschritte sich oftmals einfach nur wie Folter anfühlt, sehr anstrengend werden.

Zumal die Zahl der Trainingseinheiten, seit wir B-Junioren sind, auf sieben pro Woche erhöht wurde, über jeweils eineinhalb bis zwei Stunden. Um das Ganze noch mit Freizeit, Freunden und Schule vereinen zu können, nehme ich mir vorerst allerdings „nur“ fünf Einheiten pro Woche vor. Auch so kostet Rudern, wenn man es auf höherem Niveau betreibt, viel Zeit und braucht viel Motivation, sonst geht es nicht. Unser Trainer hat uns immer eingetrichtert: Macht das nicht für Erfolge und den Verein, sondern für euch selbst. Die vollkommene Motivation ist nur da, wenn man das so sieht, dass man es für sich selbst macht. Daran versuche ich mich meist zu halten: Ich rudere, weil es mir Spaß macht.

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