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Handball / Hessen - Final Four WB Finale - weibliche B-Jugend / 28.05.2017 / HC Leipzig (gelb) - wJSG Bad Soden/Schwalbach/Niederhöchstadt (blau) / v.l. Pauline Uhlmann (HC Leipzig), Julia Weise (HC Leipzig), Greta Bucher (Bad Soden)

Handball, 3. Liga

Der Rekordmeister kommt nach Ober-Eschbach

Ein Fest für Handball-Fans in Bad Homburg und Umgebung: Am morgigen Samstag gastieren die Damen des renommierten HC Leipzig in der Albin-Göhring-Halle. Die ?Pirates? der TSG Ober-Eschbach wollen dem Favoriten auf dem Rückweg nach oben ein Bein stellen.

Eigentlich liegt es nicht in der Natur von Gerhard Döll, andere Mannschaften stark zu reden, doch geht es um den HC Leipzig, dann kommt der Manager von TSG Ober-Eschbachs Damen fast schon ins Schwärmen. „Sie stellen im Grunde das Who’s who des deutschen Damen-Handballs dar“, erkennt Döll an, „und sie werden auch bald wieder aus der Liga verschwinden. Nach oben, versteht sich.“ Noch tritt der sechsfache gesamtdeutsche Meister allerdings in der Ost-Staffel der 3. Liga an und ist daher morgen ab 19.45 Uhr bei den „Pirates“ zu Gast. Das Team von Trainer Jacob Dietrich ist mit vier Siegen aus den ersten vier Partien momentan ungeschlagener Tabellenführer. Zuletzt setzte man sich gegen die TSG Eddersheim mit 28:20 durch.

Lange trat der HC Leipzig in der 1. Bundesliga an, wo 2010 die letzte Meisterschaft errungen wurden. Doch im Juni 2017 erfolgte der Schock: Der Verband verweigerte dem Club die Erstliga-Lizenz für die Saison 2017/18. Grund dafür war ein Schuldenstand von rund 1,3 Millionen Euro.

Gerhard Döll weiß, welch enormer finanzieller Aufwand in Leipzig betrieben wurde. „Sie haben regelmäßig die renommiertesten Spielerinnen geholt. In dieser Kategorie hat jede einzelne sicherlich so viel gekostet, wie unser gesamter Etat“, skizziert der Usinger, ein Kenner der Damenhandball-Szene. Nach dem Zwangsabstieg in die 3. Liga und der Insolvenz war die Zeit des Prunks jedoch vorbei. Seitdem wird auf die Jugend gesetzt. Dank einer schon zuvor starken Nachwuchsabteilung entspricht dieser Schritt aber mehr einer Tugend denn einer Not.

Im vergangenen Jahr konnte die B-Jugend des HC Leipzig beispielsweise die Deutsche Meisterschaft gewinnen. Die heutige Piratin Greta Bucher stand mit der wJSG Bad-Soden/Schwalbach/Niederhöchstadt damals gegen die späteren Titelgewinner im Finale. Trotz der 15:21-Niederlage in Bad Soden hat die Kreisläuferin gute Erinnerungen an das Endspiel. „Es war einfach super, vor einem großen Publikum gegen eine so gute Mannschaft antreten zu dürfen“, berichtet Bucher. Nach den besten Spielerinnen gefragt, nennt sie Lucy-Marie Kretzschmar (Tochter von Handball-Idol und WM-Botschafter Stefan Kretzschmar), Emely Theilig und allen voran Julia Weise, die im Final Four der B-Jugend zur wertvollsten Spielerin gekürt wurde. Das Trio gehört aktuell auch zum Drittliga-Kader.

Gerade was die professionellen Strukturen anbelangt, befinde sich Leipzig auf einem anderen Level. „Sie trainieren seit sehr langer Zeit schon mehrmals am Tag“, weiß Bucher, „das kann man nur schwer mit Bad Soden oder Ober-Eschbach vergleichen.“ Was die morgige Partie betrifft, so habe man zwar Respekt vor dem Favoriten. Aber Bucher sagt auch: „Wie in jedem anderen Spiel wollen wir auch gegen Leipzig gewinnen."

Neben Bucher stehen in Pia Özer und Sophia Löbig zwei weitere Spielerinnen aus jenem DM-Finale im Kader der Pirates. „Zudem darf man bei uns auch Milena Deppisch und Linda Brocke nicht vergessen“, nennt Döll zwei weitere Perspektivspielerinnen, „diese fünf müssen sich vor den Leipziger Talenten überhaupt nicht verstecken“."

Damit dem Favoriten im Heimspiel aber ein Bein gestellt werden kann, sei es unbedingt notwendig, dass die gesamte Mannschaft der TSG ihr Leistungsvermögen abruft. Dann könne man es mit jeder Mannschaft in der Liga aufnehmen, meint Döll. Bis ans Limit geht auf jeden Fall das Team hinter dem Team. Damit die Begegnung mit Leipzig zum erhofften Handball-Fest werden kann, sind 22 Helfer im Einsatz. „Wer sich für Handball interessiert, am Samstag aber nicht gegen Leipzig in die Albin-Göhring-Halle kommt“, sagt der Macher der Pirates, „dem ist nicht mehr zu helfen.“

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