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Der Bad Homburger Schwimmer Richard Braunberger am Rande der deutschen Meisterschaften in Berlin.

Schwimmen, Hochtaunus

Richard Braunberger und der Traum von Olympia

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Mit Richard Braunberger kommt einer der besten Nachwuchsschwimmer aus Bad Homburg. Was der 19-Jährige jetzt schon alles dafür tut, um auf die Teilnahme an den Spielen 2024 eine gute Chance zu haben.

Es sind gerade einmal neun Sekunden. Neun Sekunden, also neun Herzschläge oder neun Wimpernschläge, mehr nicht. Neun Sekunden sind es, die den Bad Homburger Schwimmer Richard Braunberger über 400 Meter Lagen – seiner Hauptstrecke und Lieblingsdisziplin – von der ersten Teilnahme bei einer internationalen Meisterschaft trennen. In der Zeit von 04:23,65 Minuten belegte der 19-Jährige im August bei den Deutschen Meisterschaften (DM) in Berlin den vierten Platz. Schmetterling, Rücken, Brust und Freistil (Kraulen) sind die vier Disziplinen, die beim Lagenschwimmen nacheinander absolviert werden müssen.

Vier Minuten und 14 Sekunden müsste Braunberger über 400m Lagen rein theoretisch schwimmen, um bei den Europameisterschaften in Budapest im kommenden Jahr dabei zu sein. Dies soll an dieser Stelle nur eine Randnotiz sein, immerhin steht ihm 2020 mit dem Abitur ein persönliches Großereignis bevor. Dennoch soll ein Blick auf internationale Titelkämpfe erlaubt sein, denn wer dem jungen Mann mit den kurzen, hellblonden Haaren gegenübersitzt, den beschleicht schnell das Gefühl, dass es Richard Braunberger irgendwann einmal dorthin schaffen wird.

Wie genau das aussehen könnte, im Zentrum des öffentlichen Interesses zu stehen, davon konnte Braunberger sich kürzlich ein Bild machen: Neun Sportverbände richteten ihre deutschen Meisterschaften in Berlin aus, darunter der Schwimm-Verband. ARD und ZDF übertrugen die Finals abwechselnd im TV und via Livestream.

„Es war ein tolles Erlebnis, vor 2000 Leuten zu schwimmen. Am Samstag und Sonntag war die Halle sogar ausverkauft“, blickt auch der junge Kurstädter gerne zurück. Er stand in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark in Pankow mehrere Male auf dem Startblock: Persönliche Bestzeiten schwamm er über 400 und 800 Meter Freistil und wurde dabei Sechster und Siebter. „So gut war ich noch nie“, freut sich der 19-Jährige, der 2018 erstmals das A-Finale über 400 Meter Lagen erreicht und Platz sieben belegt hatte. Diesmal war er in Berlin in drei Disziplinen in den „großen Finals“ – und jeweils bester Juniorenschwimmer.

Im Finale mit dem Weltmeister

In der Hauptstadt mit dabei war seine Mutter Dorothea, der Rest der Familie fieberte zu Hause in Gonzenheim mit – bedauerlicherweise ohne im Fernsehen den Einzug von Richard in die Schwimmhalle sehen zu können. „Ausgerechnet als ich an der Reihe war und vom Hallensprecher vorgestellt wurde, waren die Kameras auf die Schwimmerin Franziska Hentke gerichtet, die zeitgleich interviewt wurde“, lacht Braunberger. Das Finale über 400 Meter Freistil war dennoch ein besonderes. Er schwamm gegen den drei Jahre älteren Weltmeister über 1500 Meter Freistil und 10 Kilometer Freiwasserschwimmen, Florian Wellbrock. Der wurde dann auch Deutscher Meister.

Apropos Einzug: „Während andere Schwimmer bei der Vorstellung meist große Kopfhörer tragen und Musik hören, verzichte ich bewusst darauf. Ich möchte die Stimmung in der Schwimmhalle aufsaugen“, sagt Braunberger. Ein Maskottchen oder ein anderes Ritual vor einem Wettkampf habe er nicht.

Was der 19-Jährige seinem großen Traum – die Teilnahme bei Olympia 2024 in Paris – tagtäglich unterordnet, ist enorm. Jeden Morgen klingelt um 5 Uhr der Wecker, nur sonntags hat er trainingsfrei. „Ehrlich gesagt, habe ich sogar drei Wecker gestellt, damit ich nicht verschlafe“, lacht der 19-Jährige. Von 7 bis 9 Uhr findet die erste Trainingseinheit statt, bevor um 10 Uhr der Unterricht beginnt.

Seit der fünften Klasse besucht Braunberger die Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt, Eliteschule des Sports und Partnerschule des Olympiastützpunktes. Dort werden Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zum Leistungssport begleitet: So gibt es etwa bis zur Mittelstufe spezielle Sportklassen ohne Hausaufgaben, und für die mehrwöchigen Trainingslager, die der Hessische Schwimm-Verband (HSV) viermal im Jahr organisiert, werden die Teilnehmer vom Unterricht freigestellt. Da werden Klausuren auch schon einmal – in Absprache mit den Lehrern – im Trainingslager unter Aufsicht geschrieben.

Vor 21.30 Uhr ist er nicht daheim

Erst nach der letzten Trainingseinheit, die in der Regel zwischen 18 und 20 Uhr stattfindet, macht sich Braunberger auf den Heimweg. Vor 21.30 Uhr kommt er nicht nach Hause. „Dann bin ich, ehrlich gesagt, auch ganz schön platt. Gelernt wird vor allem in den Freistunden“, verrät der 19-Jährige, der die Leistungskurse Englisch und Sport belegt.

Ansporn auf seinem Weg nach Paris sei unter anderem sein Teamkollege bei der SG Frankfurt, Jan-Philip Glania (Jahrgang 1988), der zweifacher Olympiateilnehmer für Deutschland ist. Zu Braunbergers Vorbildern zählt auch Michael Phelps. Der ehemalige US-amerikanische Schwimmer ist mit 28 Medaillen der erfolgreichste Olympionike – und hält mit 04:03,84 den Weltrekord über 400 Meter Lagen.

Richard Braunberger schwimmt, seitdem er denken kann. Alles begann beim Babyschwimmen, und auch seine beiden Schwestern Johanna (21) und Theresa (13) sind beziehungsweise waren Schwimmerinnen. Die Ältere gab den Leistungssport zugunsten ihres Jurastudiums auf, die Jüngere schwimmt ebenfalls und besucht die Carl-von-Weinberg-Schule.

Seine ersten Wettkämpfe absolvierte Braunberger für den Bad Homburger Schwimmclub (HSC), mittlerweile startet er für die SG Frankfurt. Dort wird er von Jan Wolfgarten, ehemaliger deutscher Rekordhalter über 1500 Meter Freistil auf der Kurzbahn, trainiert.

Genau Pläne für die Zeit nach dem Abi hat Braunberger noch nicht. Studieren möchte er auf jeden Fall. Konkreter sind seine sportlichen Ziele für 2020: etwa Starts über 10 Kilometer im Freiwasserschwimmen. Erfolge in offenen Gewässern feierte er schon als 13-Jähriger. Und da wäre ja auch noch die EM im Mai in Ungarn. Seine Chancen stehen nicht schlecht, der Fokus der besten deutschen Schwimmer liegt im nächsten Jahr vor allem auf den Olympischen Spielen in Tokio im Juli und August, nicht aber auf den europäischen Titelkämpfen. „2020 wird für mich ein sehr lern- und trainingsintensives Jahr. Gerade wegen Olympia besteht für mich aber durchaus die Chance, an der EM teilzunehmen“, so der 19-Jährige.

Man wünscht es Richard Braunberger, dass er sich in den nächsten Monaten um besagte neun Sekunden steigert und ihn erlebt: den ersehnten ersten Auftritt bei einer internationalen Meisterschaft.

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