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In seinem Element: Robin Rücker bei den Landesmeisterschaften im pfälzischen Landau.

Serie: Supertalente aus dem NNP-Land

Robin Rücker: Über Umwege zur Leidenschaft

Sie sind die vielversprechendsten Nachwuchssportler der Region. Doch was steckt hinter ihren Top-Leistungen? Wie viel Aufwand müssen die jungen Athleten betreiben? In unserer Serie „Supertalente aus dem NNP-Land“ blicken wir auf den Alltag der Sportler und fragen nach. Im vierten Teil beschäftigen wir uns mit Eis- und Rollkunstläufer Robin Rücker vom ERC Diez.

Wohl die meisten jungen Sportler kommen durch ihre Eltern zu ihrem Sport. Ganz anders bei Robin Rücker, der für den ERC Diez sowohl die Schlittschuhe, als auch die Rollschuhe schnürt. „Meine Eltern haben sich durch meine Schwester und mich für den Sport begeistert. Meine Mutter wollte es dann auch lernen, und mein Vater fand es doof, dass wir so selten zu Hause waren“, erzählt Robin Rücker. „Zu dieser Zeit wurde beim ERC ein Vorsitzender gesucht. Mein Vater hat das dann übernommen.“ Heute hat Thomas Rücker darüber hinaus auch die Ämter des Präsidenten des Rheinland-Pfälzischen Eiskunstlauf-Landesverbandes sowie des Vizepräsidenten des Rollkunstlauf-Verbandes inne. Mutter Konni engagiert sich im ERC Diez als Fachwartin Eiskunstlauf und leitet das Kindertraining.

Dabei hätte alles ganz anders kommen können: Der Holzheimer spielte im Alter von sechs Jahren – wie wohl die meisten Jungs – Fußball, damals bei der TuS Niederneisen. „Das hat mir, als ich klein war, am meisten Spaß gemacht“, erinnert sich Robin Rücker. Durch immer wieder auftretende Schmerzen im Fuß musste er sich bereits im Kindesalter ärztlich behandeln lassen. Die Diagnose: „Morbus Köhler 1“ – eine seltene Knochenerkrankung, die meist in jungen Jahren auftritt und das Absterben des Mittelfußknochens mit sich bringt. „Dadurch durfte ich etwa eineinhalb Jahre keinen Sport machen. Vor allem keinen Kontaktsport“, erzählt der heute 19-Jährige.

„Eigentlich war der Plan, irgendwann zum Fußball zurückzukehren,“ sagt Robin Rücker. In der langen Pause habe er allerdings den Spaß am Rollschuhfahren und Inline-Skating für sich entdeckt. „Irgendwann war Fußball dann keine Option mehr.“ Zum Eiskunstlaufen kam er etwas später über seine Schwester Fabienne. „Ich habe ihr oft zugesehen, wenn sie auf dem Eis war, das wollte ich dann auch machen“, erinnert sich Robin Rücker. „Es hat direkt Riesenspaß gemacht, obwohl ich oft hingefallen bin. Ich konnte mir dann keine andere Sportart mehr vorstellen.“ Das Talent hatte er in jedem Fall, darum nahm ihn seine damalige Trainerin Claudia Pfeifer unter ihre Fittiche und förderte ihn – sowohl auf dem Eis, als auch auf der Rollschuhbahn.

„Klassenkameraden fanden es cool“

„Jungs sind in diesem Sport sehr selten. Claudia wollte das probieren“, so Rücker, der schnell erkennen musste, dass sein Sport noch immer als „Frauendomäne“ gilt, schließlich stehen der Ausdruck und die Ästhetik dabei im Vordergrund. „Meine Klassenkameraden fanden es immer cool. Gerade wenn sie gesehen haben, wie ich fahre. Wenn es auf der Rollschuhbahn mal ein paar Rufe gab, war mir das immer ziemlich egal“, sagt er.

Auf eine der beiden Sportarten festlegen wollte er sich allerdings nicht. „Es bringt auf jeden Fall etwas, beides zu machen.“ Die ersten Wettkämpfe auf Rollschuhen verliefen „noch etwas holprig“. Mit zunehmender Erfahrung und Sicherheit steigerte er stets die Schwierigkeiten seiner Kür. „Auf Rollschuhen habe ich mich zunächst mehr an die Pirouetten herangetraut. Auf dem Eis waren es eher Drehungen und Sprünge.“ Inzwischen feierte Robin Rücker in beiden Sportarten große Erfolge. In Berlin gewann er im Januar 2019 die deutsche Jugendmeisterschaft im Eiskunstlauf, im hessischen Ober-Ramstadt folgte der Titel wenige Monate später auch auf der Rollbahn. Das reif den Deutschen Rollsport- und Inlineverband auf den Plan, der den Holzheimer zu seinem ersten internationalen Turnier nominierte, dem Interland-Cup in Basel (Schweiz). Dort gelang es Robin Rücker im Oktober 2019, sich gegen die Konkurrenz aus Deutschland, Spanien und der Schweiz durchzusetzen und mit seinem Kürprogramm auf Rang drei zu fahren. „Das war ein super Gefühl“, schwärmt er noch heute.

Ein anderes prägendes Ereignis bot sich ihm bereits im Jahr 2018, als er sich für die Teilnahme am olympischen Jugendlager bei den Spielen im südkoreanischen Pyeongchang beworben hatte und den Zuschlag bekam. „Das war ein tolles Erlebnis. Wir konnten uns die Olympia-Wettkämpfe anschauen und waren im Deutschen Haus. Das alles live zu sehen, war umwerfend und eine große Motivation“, erzählt er. Wenige Monate später holte er sich in Ober-Ramstadt erstmals den Titel des Süddeutschen Meisters im Rollkunstlauf, der ihm die Nominierung für die Deutschen Meisterschaften in der Jugendklasse in Bremerhaven einbrachte. „In Ober-Ramstadt hat es immer ganz gut geklappt“, sagt er.

Verantwortlich dafür, dass er dem Sport bis heute treu geblieben ist, ist allerdings auch seine Freundin Hannah, die er bei einem Showauftritt kennenlernte. „Bei der Show haben wir im Quartett ein Stück auf „Bohemian Rhapsody“ der Band Queen aufgeführt. Wir kannten uns zwar schon vorher, aber da hat es gefunkt“, erzählt Robin Rücker. Gemeinsam absolviert das junge Paar in diesem Jahr den Trainerlehrgang zum Erwerb der C-Lizenz im Rollkunstlaufen beim Landesverband in Niedersachsen. „Bisher habe ich die sportartübergreifende Übungsleiterlizenz. Das ist dann der nächste Schritt“, so Rücker, der darüber hinaus auch als Juniorbotschafter Dopingprävention beim Sportbund aktiv war. „Dabei habe ich mich mit vielen Themen rund um das Doping beschäftigt. Wo fängt es an? Wie sind Auswirkungen von Schmerzmitteln, die auch im Breitensport oft leichtsinnig eingenommen werden? Das Thema interessiert mich einfach.“

Der Sport steht nicht an erster Stelle

Neben seinem eigenen Trainingspensum, das sich auf etwa fünf Stunden in der Woche beläuft, engagiert er sich beim ERC Diez als Co.-Trainer für den Nachwuchs. Ein Zeitproblem habe er dabei nicht. „Ich bin immer motiviert und habe Lust aufs Training. Die Zeit nehme ich mir“, sagt er. Des Weiteren leitet er einmal in der Woche das Erwachsenentraining sowie Anfängerkurse. „Das macht mir Spaß. Gut möglich, dass ich dieses Jahr noch etwas mehr Training gebe“, sagt er. Dafür hat er demnächst auch mehr Zeit, schließlich hat er gerade sein schriftliches Abitur am Sophie-Hedwig-Gymnasium in Diez hinter sich gebracht. „Im März steht noch das mündliche Abi an. Danach bin ich fertig“, freut sich der Teenager auf die Zeit nach der Schule. „Ab dem Wintersemester möchte ich gerne Elektrotechnik studieren. Mein Vater ist Elektroingenieur, und auch mir hat die Arbeit in einigen Praktika Spaß gemacht“, so Robin Rücker, für den alternativ aber auch die Studienfächer Mathematik und Informatik infrage kommen.

Bis es mit dem Studium aber so weit ist, möchte er nach dem Abitur in der anstehenden Rollkunstlaufsaison noch einmal „Gas geben“. „Nach dem Abi habe ich erstmal nichts zu tun. Da kann ich mich auf das Training fokussieren“, freut er sich. „Langfristig werde ich aber natürlich den Sport nicht vor das Studium oder den Beruf stellen. Man kann damit ja kein Geld verdienen und davon leben.“  Yannick Wenig

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